Oft bin ich in letzter Zeit gefragt worden, ob ich denn nicht Angst hätte. Wer mich kennt, der weiß: Der Wald ist meine zweite Heimat. Wann immer ich Zeit und Muße habe, gehe ich dort walken, wandern, spazieren. Fast immer allein und praktisch zu jeder Tages- und Nachtzeit.

In all den Jahrzehnten, in denen ich nun schon in den Wäldern rund um Kulmbach und die fränkische Linie unterwegs bin, habe ich viel gesehen: Rehe, Füchse, Hasen, Eulen, streunende Hunde. Ja, sogar ein (einziges!) Wildschwein hat einmal meinen Weg gekreuzt.

Angst allein im Wald? Vor dem Wolf? Hab' ich nicht.

Angst und Bange wird mir dagegen, wenn ich mich hinters Steuer setze und auf deutschen Landstraßen oder - schlimmer noch - Autobahnen unterwegs bin. Denn dort scheinen alle Regeln des gesellschaftlichen Miteinanders, des rücksichtsvollen Umgangs außer Kraft gesetzt. Fressen oder gefressen werden, das erbarmungslose Gesetz der freien Wildbahn, gilt längst auch auf der Überholspur.

Der deutsche Autofahrer ist viel gefährlicher als Meister Isegrim. Ob das vielleicht auch die letzten Gedanken des Wolfs waren, der am Wochenende tot an der A 73 bei Erlangen gefunden wurde?