Eine eigene Pfarrkirche, mitten in der Altstadt, war für die katholischen Christen in Kulmbach viele Jahrzehnte ein Traum. Die Messen wurden am Seitenaltar der evangelischen Spitalkirche gefeiert - mit eingeschränkten Möglichkeiten, die katholische Liturgie zu zelebrieren. Immer stärker wurde der Wunsch nach einer eigenen Kirche.

Pfarrer Georg Erlwein war es schließlich, der sich mit viel Energie dafür eingesetzt hat, ein katholisches Gotteshaus in Kulmbach zu erbauen.

Nicht höher als St. Petri

Nur eine Bedingung gab es, erinnerte der evangelische Dekan Thomas Kretschmar in seinem Grußwort: Der Kirchturm der katholischen Kirche dürfe nicht höher als der Kirchturm von St. Petri sein.

Auf diese Bedingung ließen sich die Katholiken ein. Am 6. Oktober 1894 wurde die Stadtpfarrkirche "Unsere Liebe Frau" feierlich eingeweiht.

Mit einem prächtigen Festgottesdienst feierten die Kulmbacher Katholiken nun Jubiläum. Eine stattliche Ministrantenschar führte den Einzug an. Weihbischof Herwig Gössl reise aus Bamberg an, um den Festgottesdienst zu zelebrieren.

Gössl ging kritisch an das Kirchenjubiläum heran. Wo ist die Begeisterung, die einst für Jubelrufe bei der Weihe der Kirche sorgte, geblieben? Viele Menschen sind heute nicht mehr besonders gläubig oder religiös. Viele stehen der Kirche sogar kritisch gegenüber oder haben sich abgewendet. Und dennoch können sich viele der Schönheit der Architektur nicht entziehen.

Weihbischof Gössl sprach von einer stillen Aura eines durchbeteten Raumes, von einzigartiger Kirchenmusik, die das Herz in den Himmel hebt, und von den Kirchengebäuden, die hinausweisen auf eine unsichtbare Welt.

Auch wenn heute eher Konsumtempel, die dem schnöden Mammon und der Oberflächlichkeit frönen, entstünden, lebe der Geist des christlichen Glaubens noch immer. Es gehe darum, zu dienen es gehe um die Kraft der Liebe.

Gutes Miteinander

Gössl zeigte sich zuversichtlich, dass auch in weiteren Jahrhunderten die Stadtpfarrkirche ein Ort bleiben wird, in dem sich Menschen gerne zum Gebet versammeln. "Ich möchte nicht in einer Welt ohne Kirchen, ohne betende Menschen leben", sagt der Weihbischof.

Sowohl Stadtpfarrer Hans Roppelt als auch der evangelische Dekan Thomas Kretschmar lobten das gute Miteinander der beiden christlichen Kirchen. Kretschmar stimmte in die Nachdenklichkeit des Weihbischofs ein. "Viele sind nicht mehr mit dem Herzen in der Kirche. Weniger als die Hälfte der Menschen geht an Heiligabend in die Kirchen - das ist unfassbar", so Kretschmar. Die Zeiten, in denen die beiden christlichen Kirchen getrennte Wege gingen, sind vorbei. "Die Leute fragen heute nicht mehr ,Bist du katholisch oder evangelisch - sie fragen: 'Glaubst du an Gott?‘", so der Dekan, und warb weiter für Zusammenhalt.

"Er bleibt unser Dekan"

Bezirkstagspräsident und Oberbürgermeister Henry Schramm sprach für alle Ehrengäste die Grußworte und wandte sich direkt an den Weihbischof: "Unser Hans Roppelt bleibt immer unser Dekan, da kann Bamberg beschließen, was es will", sagte Schramm. Das Dekanat Kulmbach ist aufgelöst und mit dem Dekanat Hof zusammengeschlossen worden. Deshalb ist Hans Roppelt auch nicht mehr Dekan, sondern Stadtpfarrer. Ein neuer Dekan ist noch nicht gewählt. Oberbürgermeister Henry Schramm bekannte sich klar zum Glauben. Denn die Kirche und der Glaube begleiten die Menschen durch das ganze Leben.

Auch persönlich durfte das Oberbürgermeister Henry Schramm schon erfahren, machte er klar, und erinnerte an gesundheitlich schwierige Zeiten, die er durchgemacht hat. "Wir freuen uns über eine lebendige Kirche", sagte Schramm, auch stellvertretend für Landrat Klaus Peter Söllner und die Landtagsabgeordneten Inge Aures und Rainer Ludwig.

Den Festgottesdienst umrahmte der Kulmbacher Kirchenchor "Cantora".

Zum 125jährigen Jubiläum der Stadtpfarrkirche wurde das Zwölfuhrläuten der ULF im Bayerischen Rundfunk übertragen. Die Gäste trafen sich im Pfarrgarten zum Sektempfang. Der Markgräfliche Spielmannszug gab dazu eine Kostprobe seines Könnens. Anschließend wurde im Gemeindezentrum zum Mittagessen geladen, danach zu Kaffee und Kuchen. Lorenz Trottmann sorgte für Pianomusik.

Heimatforscher Erich Olbrich zeigt noch bis Allerheiligen eine Ausstellung in der Pfarrkirche über die Historie des Gotteshauses. Und Mesner Hans Dirscherl präsentiert bis Allerheiligen verschiedene Gegenstände aus dem Kirchenbestand, die sonst nicht zugänglich sind.

Außerdem wurde nach dem Jubiläumsgottesdienst die Festschrift, Stofftaschen mit dem Jubiläumsaufdruck, "Liebfrauentropfen" aus der Brennerei Stübinger sowie modellierte Kreuze angeboten. Für Kinder initiierte das Büchereiteam ein Quiz. Außerdem gab es eine Tombola.