Zwei Näpfe, zwei Flaggen, ein Hund. Das Spielfeld ist bereitet. Und da trabt auch schon das Team Tierheim heran, angeführt von Kapitän Popeye.

Der 13-Jährige hat sich ordentlich gedehnt und aufgewärmt vor seinem ersten Einsatz bei dieser Fußballweltmeisterschaft. Großartig sieht er aus in seiner schwarzen und hautengen Ganzkörpertrikotage, die Spielführerin Susi Schilling extra für den besonderen Anlass nochmals aufhübschen ließ.

So tippt der Puli:



"In bestechender Form"

"Popeye ist in bestechender Form", sagt die Tierheimleiterin und hebt symbolisch den Daumen. Ein gesondertes Trainingslager ist nicht nötig, ein lockeres Auslaufen reicht vor diesem Einsatz völlig aus. Und Hunger!

Kurz zuvor in der Kabine hatte die 49-Jährige die letzten Vorbereitungen für die Premiere getroffen, denn Popeye soll nicht weniger als den Ausgang des ersten Spiels der Deutschen bei der WM in Russland vorhersagen. Jogi Löws Team wird am Sonntagnachmittag ab 17 Uhr auf Mexiko treffen.


Neutralität gewahrt

Für den ersten Tipp werden zwei - natürlich identische - Futternäpfe mit dem gleichen Hundefutter (natürlich kein Spinat!) gefüllt, schließlich die deutsche und die mexikanische Flagge aufgeklebt und so platziert, dass Popeye sie nicht sehen kann (er soll ja unbeeinflusst bleiben). Da Popeye ursprünglich aus Ungarn stammt, ist selbstverständlich auch die staatliche Neutralität gewarnt - schließlich haben sich die Magyaren nicht für das Turnier qualifizieren können.

Nun geht es gleich los. Susi Schillings Schützling wartet auf das Signal zum Anstoß. Dem Heben und Senken der Nase nach zu urteilen, hat er bereits Witterung aufgenommen. Letzte Anweisungen folgen, dann lässt die Trainerin ihren Spielmacher von der Leine. Links steht der Napf der Mexikaner, rechts der der Deutschen. Wird es ein längeres Geplänkel im Mittelfeld geben, ehe sich Popeye dem Strafraum nähert? Wird er noch tänzeln oder dribbeln? Die Sache womöglich eher defensiv angehen?
Nein, der Rüde geht gleich steil und stürmt beherzt drauflos. Ein Blick - da taucht auch schon die Schnauze in den Napf mit Schwarz-Rot-Gold! Klare Sache, Deutschland wird sein erstes Spiel bei der WM gegen die Lateinamerikaner gewinnen. "So zielstrebig kennen wir unseren Popeye", sagt Susi Schilling und holt ihren besten Mann an die Außenlinie.

Jetzt darf er sich erst einmal erholen, schließlich hat er allein in der Vorrunde noch zwei weitere Einsätze zu absolvieren. Dann werden die Kommentatoren auch eine erste Bilanz seiner "seherischen" Fähigkeiten abgeben können.


Messlatte liegt hoch

Zugegeben: Die Messlatte liegt hoch für Popeye. Wer an tierische WM-Orakel denkt, hat automatisch Krake Paul vor Augen. Der Oktopus gelangte beim Turnier 2010 zu weltweiter Berühmtheit, als er den Ausgang aller Spiele mit deutscher Beteiligung korrekt "vorhersagte". Selbst Mathematiker waren baff ob seiner achtfachen richtigen Auswahl der Flaggen in Folge!


Hirtenhund mit Vorgeschichte

Davon ist Popeye freilich noch ein Stück weit entfernt. Der männliche Puli, eine ungarische Hirtenhund-Rasse, wechselte im August 2016 zum Team Tierheim. Er wurde damals über den Verein "Tierheimleben in Not" vermittelt. In Ungarn saß er, nachdem er als Streuner aufgegriffen worden war, in einer Tötungsstation. Sein Trainer/Besitzer wurde zwar ausfindig gemacht, wollte den Vierbeiner aber nicht zurück.

Susi Schilling kennt den kleinen Dickkopf mittlerweile ganz gut und weiß seine Eigenheiten zu nehmen. Er kann auf dem Platz eine kleine Diva sein, weswegen er durchaus auch Diego Armando heißen könnte.

Wer den Wuschel zum Abschluss seiner Karriere zu sich holen möchte: Im Tierheim läuft die Transferzeit ganzjährig, Popeye ist für eine geringe Ablösesumme zu haben. Infos gibt es unter Telefon 09221/91288 sowie online unter www.tierheim-kulmbach.de.