Der Uni-Hype in Kulmbach ist groß, gerade auch, was den Wohnungsbau betrifft: 120 Studenten-Appartements will ein Rosenheimer Unternehmer auf dem Areal der Mälzerei Müller errichten, bis zu 180 die Weismainer Baufirma Dietz. Die war vor einigen Wochen auf der Suche nach einem neuen Standort, da sich ihr Vorhaben in der Gummistraße nicht realisieren lässt. Etwa 120 Appartements sollten nach den ursprünglichen Planungen auf dem Campus-Areal entstehen.

In Metzdorf wird schon gebaut

Doch damit nicht genug: Während über diese Projekte noch beraten und diskutiert wird, werden in Metzdorf schon Nägel mit Köpfen gemacht: Die Bayreuther Wolfgang Döring (62) und Hans Rottler (70) bauen seit Jahresanfang an der Alten Ziegelei Kulmbachs erstes Studentenwohnheim mit 51 Appartements (siehe Bild). Vor gut vier Wochen wurde dort, wo sich einst das VfB-Sportgelände befunden hat, Richtfest gefeiert.

Das sagt das Studentenwerk

Würden alle Vorhaben realisiert, stünden viele Hundert Appartements zur Verfügung - für 1000 Studenten, mit denen im Endausbau am Campus gerechnet wird. Aber wird nicht zu früh und weit über den Bedarf hinaus geplant beziehungsweise gebaut? Ja, sagt Josef Tost, der das Geschehen mit großer Verwunderung verfolgt. "In Kulmbach will man offenbar bauen, als gäbe es kein Morgen mehr. So etwas habe ich noch nicht erlebt", stellt Tost fest, der Geschäftsführer des Studentenwerks Oberfranken ist, über das alle staatlich geförderten Wohnbau-Maßnahmen laufen. Es ist eine Einschätzung, die er nicht aus dem Bauch heraus trifft, sondern die er mit Zahlen untermauert. Die Quote des geförderten Studentenwohnraums liege in Bayern bei 10,33 Prozent. "Das heißt, bei 1000 Studenten sind das in der Regel 100 geförderte Wohnplätze." In Weiden gebe es 1500 Studenten, denen 165 geförderte Wohnheimplätze zur Verfügung stünden. In Coburg seien es 5700 Studenten und 630 Appartements. In beiden Städten liege die Abdeckungsquote bei elf Prozent. Das Angebot sei ausreichend.

Das sind die Erfahrungswerte

Laut Tost können sich Statistiken zufolge überhaupt nur 20 Prozent vorstellen, ein Zimmer in einem Wohnheim zu beziehen. Zwischen den 10 Prozent des geförderten Wohnraums und den 20 Prozent dürfte dann auch der tatsächliche Bedarf an staatlich geförderten oder privaten Wohnheimplätzen liegen - in Kulmbach wären das zwischen 100 und 200. "Dabei ist es ja noch fraglich, ob es am Ende 1000 Studenten werden. Es könnten auch 600 bis 700 sein."

Der Erfahrung nach würden viele Studenten andere Wohnformen wie eine WG bevorzugen oder auch zum Unistandort pendeln. Da der Kulmbacher Campus zur Uni Bayreuth gehört, ist laut Tost zu erwarten, dass etliche Studenten die größere Wagnerstadt als Wohnort wählen, zumal die ÖPNV-Verbindung noch verbessert werden soll.

Da der Bedarf überhaupt noch nicht abzuschätzen ist, stehen die Chancen weitere privater Investoren, Zuschüsse zu erhalten, derzeit wohl schlecht. Für das Wohnheim in Metzdorf wird eine Förderung gewährt. 32 000 Euro pro Bett, sagt Tost. Wolfgang Döring und Hans Rottler investieren 3,5 Millionen Euro, errichten Appartements, die 23 Quadratmeter groß sind, über ein Bad mit Dusche sowie ein separates Zimmer verfügen. Im Frühjahr soll das Gebäude stehen, Döring und Rottler wollen das Objekt dann schon vermarkten. Beide wissen, dass die Nachfrage anfangs nicht groß sein wird, weil der Lehrbetrieb erst im Herbst 2020 startet. Döring: "Wenn wir im kommenden Jahr 20 bis 30 Appartements vermieten, wären wir zufrieden."

Der Mietpreis ist gedeckelt

Der Mietpreis ist aufgrund der Zuschüsse mit 200 Euro gedeckelt. Döring rechnet damit, dass die Warmmiete einschließlich aller Nebenkosten bei 300 bis 320 Euro liegen wird "und damit etwa 100 Euro unter dem durchschnittlichen Kulmbacher Mietpreis", wie er betont.

Hype ist "obskur"

Dass es Döring und sein Partner schwer haben werden, die Wohnungen zeitnah zu vermieten, davon ist Josef Tost überzeugt, der den Hype auf Baumaßnahmen zu einer Zeit, in der die Uni noch in den Startlöchern steht, als obskur bezeichnet. Er werde die Entwicklung verfolgen, 2022/23 eine Bewertung vornehmen. Das Wohnheim des Studentenwerks mit 120 Appartements auf dem Campusareal liege erstmal auf Eis. 50 bis 60 Wohnungen seien denkbar, allerdings nur dann, wenn sie tatsächlich vonnöten sein sollten. "Wir bauen nicht über Bedarf, weil es Steuergelder sind, die verwendet werden."

Würden die in Kulmbach geplanten privaten Bauvorhaben realisiert, wäre ein großer Leerstand programmiert. Tost bezweifelt, dass die Investoren die Appartements auf dem freien Markt vermieten können, wenn ohne Förderung gebaut werden müsste und dann die Studenten fehlen. "Denn welcher Kulmbacher will denn in einer 1-Zimmer-Wohnung leben?"

Stadt: Wohnungen sind gesucht

Wie die Stadt Kulmbach die Entwicklung bewertet? Bei den Studentenwohnprojekten, die derzeit gebaut oder geplant werden, handele es sich ausschließlich um private Vorhaben, wie Pressesprecher Simon Ries betont. Es sei anzunehmen, "dass sich die Bauherren Gedanken darüber gemacht haben, ob ihr Engagement sinnvoll ist". "Wir sehen es positiv, dass zusätzliche Wohnungen in Kulmbach geschaffen werden, denn es wird zur Entlastung auf dem heimischen Wohnungsmarkt beitragen", stellt Ries fest und führt an: "Abgesehen von dem, was kommt, gibt es auch schon im Moment viele junge Leute von außerhalb, etwa am Beruflichen Schulzentrum, an der Lebensmitteltechnikerschule und an der Krankenpflegeschule, die auf der Suche nach passenden Wohnangeboten sind."

In Bayreuth lange Warteliste

Für Wolfgang Döring und Hans Rottler sind das keine potenziellen Mieter. Ihre Appartements dürfen, da sie staatlich gefördert werden, nur an Studenten vermietet werden, die eine Bedürftigkeit nachweisen müssen. Die Bayreuther haben übrigens schon einmal ein Studentenwohnheim errichtet - 2014 am Röhrensee in Bayreuth. Dort sind alle 59 Wohnungen vermietet. "Wir haben, was Bewerber anbelangt, sogar eine lange Warteliste", sagt Döring, der aber selbst weiß, dass Kulmbach nicht Bayreuth ist.