Was er etwa in George Gershwins Soloversion der "Rhapsody in Blue" auf engstem Raum an Anschlagsveränderungen bewältigt, wie er jedes schon verhauchende Pianissimo mit einem Decrescendo ins Verstummen führt, das alles hört man selten so intensiv, wie am Samstagabend bei der Eröffnung des Himmelkroner Kultursommers.

Tempokonstanz kennt Peréz dagegen nicht unbedingt, er variiert gerne, aber immer im Zusammenhang, schlüssig und nachvollziehbar und für den Zuhörer vor allem ungemein spannend.

Auch nach den expressivsten Ausbrüchen setzt er sein Spiel geradezu unberührt fort. Was für Gershwins Rhapsody gilt, das betrifft bei Peréz ganz besonders auch die impressionistische Musik eines Claude Debussy oder die donnernden Kompositionen eines Sergej Rachmaninoff. Bei Rachmaninoffs "Glocken von Moskau", dem Prelude Nr. 3, Nr. 2, arbeitet er die Themen plastisch heraus und beim verträumten Clair de Lune von Debussy zeigt Samuel Peréz, dass er seinen Ruf als Supervirtuose nicht umsonst hat.

Kraftvoll, aber nicht unangemessen donnernd, spielt der 61-Jährige am Yamaha-Flügel der Begegnungsstätte an der Autobahnkirche auf. Die Stärke von Samuel Peréz ist weniger die akribisch durchdachte Interpretation. Aufgesetzte Effekte in Klang und Diktion hat der Pianist nicht nötig, was etwa seine Interpretation von so populären Kompositionen wie dem Liebestraum von Franz Liszt oder zwei der "Lieder ohne Worte" von Felix Mendelssohn Bartholdy zeigen.

Rein technisch ist das Spiel des Puertoricaners zweifellos von hoher Qualität. Doch der Pianist möchte mehr. Er moderiert den Abend auf deutsch und vermittelt so immer auch etwas an musikalischem Wissen.

Doch damit nicht genug. Zunächst stellt er Franz Liszts "Bagatelle ohne Tonart" vor, eine vergessene und späte Komposition Liszts. Das Stück ist freilich nicht atonal, wie die Musik Arnold Schönbergs, verläuft aber extrem chromatisch, so dass selbst Experten beim ersten Hören kaum auf Liszt tippen würden. In der Interpretation von Samuel Peréz zielt der Pianist auf einen freien deklamierenden Stil ab, und dort, wo Effekte in den Noten stehen, spielt sie Peréz auch gerne aus.

Immer wieder fasziniert der virtuose Zugriff von Samuel Peréz bei gleichzeitiger scheinbar außergewöhnlich pianistischer Leichtigkeit, so auch in der Komposition mit dem Titel: "Partita Jibara" des zeitgenössischen puertoricanischen Komponisten Luis Manuel Alvares.

Der ist ein Freund von Samuel Peréz und genauso wie er an der dortigen Musikhochschule tätig. Nach den Worten des Pianisten erklingt das tonale, fast schon melodiöse Drei-Minuten-Stück zum ersten Mal in Deutschland. Ob Himmelkron damit in die Musikgeschichte eingeht, werden spätere Generationen zu beurteilen haben.
Lebendig, flüssig, drängend, um sein Spiel zu charakterisieren gäbe es viele geeignete Adjektive. Der Pianist besitzt aber in jedem Fall die perfekte Technik, eine glasklare Artikulation und eine beeindruckende Musikalität, so auch bei den beiden Zugaben, Gershwins "That certain feeling" und des Folksongs "El Coqui" seines Landsmannes Jose Quinton.

Bürgermeister Gerhard Schneider, der den Kultursommer zuvor offiziell eröffnet hatte, erinnerte am Ende noch einmal daran, dass der Yamaha-Flügel im Begegnungszentrum ausdrücklich dem Pianisten Samuel Peréz zu verdanken sei.

Peréz, der seit vielen Jahren in der Region regelmäßige Kontakte zu Musikfreunden pflegt, hatte zur 725-Jahr-Feier der Gemeinde eine Spendensammlung für ein derartiges Instrument angeregt.