Bundespolizei und verstärkte Polizeikontrollen am ZOB wegen der Gewalt-Eskalation in letzter Zeit - das passt vielen Kulmbacher Jugendlichen nicht. Am Samstag organisierten sie eine Spontan-Aktion und umarmten Passanten - als Friedensangebot.

"Umarmung", "Liebe", "Anti-Gewalt" und "Free Hugs!" stand auf den Schildern, die sich die Jugendlichen selbst gemalt hatten. Rund fünfzig Jugendliche, darunter auch die "Randale-Kids" selbst, wollten am Bahnhof ein Zeichen setzen. Sie möchten, dass die Streitigkeiten endlich aufhören. Eigentlich wollten sie im Bahnhof auf die Bahnreisenden zugehen und diese umarmen. Doch im Vorfeld hatte die Bahn das verboten.

Passanten spielten mit

Deshalb zogen die Kids von der Alten Spinnerei durch den ZOB bis zur gegenüberliegenden Straßenseite am Bahnhof und hielten dort ihre Schilder hoch. Und tatsächlich ließen sich auch einige Passanten umarmen.

Der Bereitschaftsleiter der Bundespolizei, Frank Pachel , und das Bereitschaftspolizei-Team klärten die Jugendlichen auf, dass sie nicht ins Bahnhofsgelände vordringen dürften. Unter den strengen Blicken von Jugendzentrumsleiter Stefan "Bonsai" Lerner hielten sich die Kids auch dran, ohne Probleme und Kommentar. Sie hielten einfach von der gegenüberliegenden Straßenseite aus ihre Schilder hoch - trotz des Regens.

"Das ist schon wichtig hier", sagte Jacqueline Kummer (17). Und auch ihre kleine Schwester Celina Kummer und Freundin Lisa Marie Tölch (13) waren mit dabei. Die Jugendlichen kennen die Situation am ZOB, und die ist nicht gut. "Ich hab die ganze Familie dabei, ich hätte auch meine Oma mitgenommen, aber es ist zu nass und zu kalt. Die ist ja schon über siebzig", sagt Pascal Luthardt und wünscht sich nur eins: Frieden am Bahnhof. "Ich finde die Aktion ist super", kommentierte Stadträtin Doris Stein von den Grünen und lobte vor allem die Friedlichkeit. Auch sie ließ sich umarmen.

"Wir wollen hier nicht mehr lauter Polizei. Sollen die Unruhestifter doch eine Beschäftigung bekommen", sagt die 20-jährige Lisa Schwabe. "Die, die das machen, bekommen dafür eh keine Anerkennung", sagt sie und hofft, dass die Betreffenden dies langsam selbst merken. Auch ihre Freundin Lena Schubert (17) wünscht sich Ruhe. "Es ist schon beschämend, wenn hier immer Polizei ist und wenn alle ständig über den ZOB berichten", sagt Lena.

"Gut, wenn's ernst gemeint ist"

Spontan hielt Eleonore Hohenberger mit ihrem Auto vor den Demonstranten an, öffnete die Tür und ließ sich knuddeln: ein Drive-in-Hug sozusagen. "Für Frieden seid ihr, das ist gut", kommentierte die Seniorin und frühere Stadträtin die Aktion und erzählte, dass sie auch selbst schon für Friedensdemos auf die Straße gegangen ist und dass dieses Demonstrationsziel wirklich unterstützenswert sei. "Natürlich nur, wenn das Anliegen auch ernst gemeint ist."

"Ich glaube nicht, dass sich an der Situation was ändert", fürchtet Kevin Frauenknecht (21), machte bei der Demo aber doch mit. Auch er fährt viel mit dem Zug und fühlt sich unwohl.

"Wir werten diese Demo als positives Zeichen, aber trotzdem werden wir in nächster Zeit weiter präsent bleiben"; kommentierte der Dienstgruppenleiter der Bereitschaftspolizei, Markus Trautmann, die Situation in Kulmbach und merkt an, dass sich Bus- und Bahnreisende wegen der Situation am Bahnhof eben durchaus beeinträchtigt fühlen und der Bahnhof teilweise schon gemieden wird. Das soll sich wieder ändern.