"Wir sind 120 Abiturienten, aber wir wissen, dass sich nicht alle typisieren lassen", schickte Saskia Matysiak, die mit im Organisationsteam war, voraus. Fest stand, dass 22 von achtzig Lehrern auch mitmachen wollten.
Schon morgens vor der eigentlichen Aktion wies Heinke Scholdei-Taut von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) die Schüler in das Prozedere ein. Denn vor der Speichelabgabe gab es viele Formalitäten und auch Hygienevorschriften zu berücksichtigen. Erst waren die Abiturienten selbst an der Reihe, dann kamen die Lehrer und die Eltern.

Gaby Vogt (55), Lehrerin am Caspar-Vischer-Gymnasium, war eine der ersten, die sich in der Turnhalle eingefunden hat. "Wenn man selbst oder in der nahen Familie betroffen ist, dann findet man diese Aktion nur fantastisch", kommentierte Vogt die Idee. "Ich muss überhaupt sagen. Dieser Abijahrgang ist klasse", sagte Vogt.

Spende nur bis 56 Jahre

Auch stellvertretender Schulleiter Dieter Fischer wollte zur Spende. Doch mit 63 Jahren fällt er bereits aus dem Raster. Nur bis zur Vollendung des 56. Lebensjahr kann Knochenmark gespendet werden, erklärten die jungen Experten.

Auch die Lehrerinnen Astrid Henning (36) und Tina Küfner (31) ließen sich nicht lange bitten. "Ich weiß, dass es einfach nötig ist. Meine Schwester hat auch schon einmal Knochenmark gespendet. Und wir haben in der Familie gerade ein vierjähriges Kind, das betroffen ist", sagt Astrid Henning. "Ich habe jetzt keinen persönlichen Fall, aber in der nähren Bekanntschaft gibt es Krebsfälle ", sagte auch Tina Küfner. "Mit dieser Aktion beweisen die Abiturienten, dass sie wirklich eine Reife erlangt haben. Sie werden positiv in die Schulgeschichte eingehen", sagte Astrid Henning.

"So eine Knochenmarkspende tut ja gar nicht weh. Man muss wirklich mal in der Öffentlichkeit sagen, dass so eine Spende nicht mit einer Riesen-Operation verbunden ist. In achtzig Prozent der Spendenfälle wird das Knochenmark einfach über das Blut abgezapft, ambulant, ohne Narkose", nutzte Christian Schröder (19) die Gelegenheit, um noch einmal aufzuklären.

Eine Premiere

Von der Zahl der Spender - 171 Schüler, Eltern und Lehrer erklärten sich bereit, sich in die Datei aufnehmen zu lassen - war auch Heike Scholdei-Taut von der DKMS positiv beeindruckt. "Wir haben noch nie eine Spendenaktion als Abiaktion durchgeführt. Aber eigentlich finde ich die Idee sehr cool", sagte die Expertin.

Und die Vertreterin der Deutschen Knochenmarkspenderdatei zeigte sich auch von der Ernsthaftigkeit der Abiturienten, mit der alle zu Werke gingen, beeindruckt. "Die haben sich das wirklich gut überlegt. Das ist auch wichtig, denn wir sind ja keine Partybegleitung. Das ist eine sehr ernsthafte Aktion", so Heike Scholdei-Taut.