Rosaria Ferrara aus Positano kommt seit 13 Jahren regelmäßig nach Thurnau - und das vor allem wegen der Menschen. "Es ist die Herzlichkeit. Jeder Wunsch wird uns hier von den Augen abgelesen. Die Thurnauer geben uns das Gefühl, etwas ganz Besonderes zu sein" , erklärt die Italienerin mit Hilfe eines Übersetzers. "Es ist wie eine Familie. Walther und Birgit Hofmann, bei denen ich immer übernachte, sind für mich wie Geschwister geworden."

Seit 13 Jahren besteht die Städtepartnerschaft zwischen Thurnau und Positano, und seitdem findet ein reger Austausch statt. Rosaria Ferrara kommt zwei bis drei Mal pro Jahr. Und jedes Jahr bereist eine ganze Delegation die Partnerstadt, einmal kommen die Italiener, einmal macht sich ein Bus von Thurnau aus auf den Weg in den Süden. Private Besuche kommen dazu.

Derzeit ist eine 43-köpfige Delegation aus der italienischen Stadt zu Gast in Thurnau - es ist ein Treffen unter Freunden. Die Italiener schlafen bei Gastfamilien, und abends wird gemeinsam gefeiert - zum Beispiel beim "Europäischen Abend" am Montag im Kutschenhaus des Schlosses - mit Livemusik und gutem Essen. "Ich mag viele deutsche Gerichte", so Rosaria Ferrara. "Klöße, Bratwürste, das ist sehr lecker. Nur Sauerkraut..." sagt sie und verzieht das Gesicht. Umgekehrt kommt das italienische Essen bei den Thurnauern ohnehin gut an. Rosaria Ferrara hat auch schon Kochkurse in der Töpferstadt gegeben.

Ihren Ursprung hat die Städtepartnerschaft im Jahr 2000. Damals haben die Bürgermeister beider Gemeinden und auch Landrat Klaus Peter Söllner einen Partnerschaftsvertrag unterschrieben. Doch mit einer Absichtserklärung ist es natürlich nicht getan. Walther Hofmann war gemeinsam mit vielen anderen bei der ersten Delegation dabei. "Ein Stück Papier macht keine Partnerschaft aus. Wir mussten die Vereinbarung mit Leben füllen."
An diese Anfangszeit kann sich auch Rosaria Ferrara noch gut erinnern. "Schon nach kurzer Zeit gab es in beiden Gemeinden neue Bürgermeister, denen die Partnerschaft nicht mehr so wichtig war. Da haben wir das - ganz unpolitisch - einfach selbst in die Hand genommen."

Rosaria Ferrara hat die Töpfergemeinde das erste Mal gemeinsam mit ihren beiden Söhnen besucht, die bei der ersten Delegation nach Thurnau in der Jugendkapelle Positano mitgespielt haben.
Die Musik war von Anfang an ein verbindendes Element der Freundschaft, erinnert sich auch Walther Hofmann. "Wir sind mit dem Musikverein Thurnau nach Positano gefahren und haben gemeinsam musiziert, italienische und deutsche Lieder. Die Kapellen haben sich dann regelmäßig gegenseitig besucht. Das hat von Anfang an gut geklappt."

Musik verbindet Völker. Die sprachliche Kommunikation hingegen war schließlich gerade am Anfang alles andere als einfach. Die Italiener können kein oder zumindest kaum Deutsch und umgekehrt. Also wurde sich mit einem - oft sehr notdürftigen - Englisch beholfen. Doch je häufiger man sich besuchte, desto besser wurde die Verständigung. Nicht zuletzt, weil Volkshochschul-Kurse in der Sprache des Partners boomen. Heidi, eine Bayreutherin, die vor 40 Jahren nach Positano gezogen ist, hilft als Übersetzerin, wenn mal gar nichts mehr geht.
Die beiden Gemeinden rücken zusammen. Nur eines fehlt laut Bürgermeister Dietmar Hofmann noch: "Ein deutsch-italienisches Paar, eine Hochzeit und dann noch ein Baby, das beide Städte verbindet. Das wäre doch toll."