Der Knick, den der rote Strich südlich von Schimmendorf auf der Karte macht, ist deutlich zu sehen. Ein "V" zwischen Mastnummer 32 und 33. Dort soll nach den Planfeststellungen des Netzbetreibers Tennet dereinst die neue 380-kv-Stromtrasse verlaufen - und zwar anders als die alte. "Der Knick ist dem größeren Abstand zur Wohnbebauung geschuldet", sagt Mark Sprung, Teilprojektleiter für den Ostbayernring. Dann legt er ein digitales Maßband an. Für die rund 30 Bürger und Gemeinderäte, die gestern Abend zur Infoveranstaltung in die Aula der Mittelschule gekommen sind, zeigt der Fachmann die Distanzen zwischen Häusern und Leitung auf: Es sind knapp 200 Meter.

Eine Zahl, die hörbar Unmut unter den Anwesenden hervorruft, etwa bei Ortssprecher Siegfried Münch: "Ich dachte immer, man sollte mit dem Ersatzneubau 400 Meter Abstand einhalten - man wird hier die Sollgrenze also unterschreiten, oder?"

Beispiel Neuensorg

Anderswo werde darüber "nicht einfach hinweg gegangen", sagt Münch und berichtet von einem Runden Tisch, an dem Vertreter der Regierungen von Oberfranken und der Oberpfalz sowie des Bundeswirtschaftsministeriums demnächst sitzen sollen; das habe die CSU-Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner mitgeteilt. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), zugleich für die Energiewende zuständig, habe angekündigt, sich speziell um die Belange der Neuensorger Bürger auf Marktleugaster Gemeindegebiet kümmern zu wollen - wegen deren besonders naher Lage zur neuen Stromtrasse. Es geht dort um die Möglichkeit, die Leitung unter die Erde zu verlegen. Ein Vorschlag, den die Schimmendorfer für sich auch gerne geprüft sähen, so Münch.

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Gesetzgeber für eine einzelne Ortschaft eine Erdverkabelung festlegt", entgegnet Tennet-Bürgerreferentin Ina-Isabelle Haffke. "Wenn Neuensorg es möchte und bekäme, dann möchte es auch Mainleus, dann Schwandorf und so weiter. Das ist ja aus Ihrer Sicht verständlich, aber dann müssten wir den gesamten Ostbayernring daraufhin abklopfen. Unsere Planungen für hier gehen von Freileitungen mit einer Waldüberspannung aus, um weitere Forstschneisen zu verhindern."

Was Erdkabel überhaupt bedeuten? Mark Sprung macht eine wesentliche Unterscheidung: "Bei Gleichstromtrassen ist die Verkabelung bereits erprobt. Die aber rentieren sich für große Strommengen, die über lange Distanzen ab 300 Kilometern transportiert werden. Bei Wechselstromtechnik müssten wir an jeder Stelle, wo die Freileitung unter die Erde soll respektive wieder raus, jeweils fußballfeldgroße Kabelübergangsanlagen installieren - Übertragungsverluste inklusive. Das würde weitreichendere Eingriffe in landwirtschaftliche Flächen bedeuten als die Freileitung. Wir sind als Vorhabenträger gehalten, die Natur möglichst zu schonen."

"Der Mensch steht hinten dran"

Das wiederum brachte Jürgen Hübner auf den Plan. "Da wären wir wieder bei der oft zitierten besonderen Schutzwürdigkeit von Wald und Ackerflächen. Das mag ja alles richtig sein - aber was ist mit uns Menschen? Wir stehen ganz einfach hinten dran und fühlen uns als Bürger zweiter Klasse." Hübner äußerte Unverständnis darüber, dass Tennet zwar die betroffenen Grundstückseigentümer gehört habe, nicht aber die Anlieger.

Die werden künftig auf Masten schauen, die auf Gemeindegebiet zwischen 58 und 82 Meter hoch sind und damit im Schnitt sieben bis neun Meter höher. Allerdings falle, so Mark Sprung, die elektromagnetische Belastung deutlich geringer aus als beim Bestand: Man bleibe selbst bei Volllast mit 40 Mikrotesla unter den gesetzlichen Grenzwerten von 100 Mikrotesla, so der Referent.

Baubeginn sei 2020. 2022 soll die neue Trasse fertig, bis 2024 die alte komplett zurückgebaut sein.

Die Mainleuser Gemeinderäte ließen sich die Pläne anschließend erläutern (Bericht folgt).