Pfingstliche Tonfahrt gen Himmel in sphärische Höhen: Im markgräflichen Kirchenambiente zu Melkendorf (Stadt Kulmbach) konnte man einen genussvollen Abend erleben, bei dem sich der Beifall von Stück zu Stück steigerte und in einer frenetischen Jubelorgie endete. Zu Recht, denn das Konzert des Cello-Meisterkurses aus dem Haus Marteau übertraf alle Erwartungen, füllte das Gotteshaus mit einer imponierenden Klangpracht und einer Klangreinheit, die staunen machte.

Seit knapp einer Woche probten sie zusammen, die Bachelor-und Masterstudenten der Musik unter der Leitung von Professor Reiner Ginzel, präsentierten sich dann zum Auftakt ihrer Konzertreihe "Haus Marteau auf Reisen" auf den Punkt genau topfit, überzeugten ihr Publikum mit einer niveauvollen Vorstellung. Das Quartett mit dem Münchner Christopher Pickelmann, dem Thailänder Meng-Hsuan Shieh und den beiden Südkoreanerinnen Seungyeon Elisa Hong und Yumin Lee aus Seoul hatte gleichermaßen im Ensemble wie als Solisten treffliche Qualität. Das bunt gefächerte Programm mit Kompositionen von Johann Sebastian Bach, Max Reger und Pyotr Tschaikowsky bis Edvard Krieg und Johann Strauß, offenbarte reichlich Talent und eine vielversprechende Zukunft der jungen Cellisten.

Die mit schnellem, sicheren Strich, mit schillernden Läufen und Empathie mehrere Ausrufezeichen setzten. Großartig diese flirrenden, schnarrenden Tonfolgen, diese zuweilen Kammermusik in tänzerischer Virtuosität, diese koketten Zupfpassagen. Der perfekte rhythmische Takt in "Asturias" von Isaac Albéniz, das mächtige dunkle, berauschende Stark-Klangbild in der Polonaise de Concert op. 14 von David Popper. Und diese tief ins Herz dringende Schwere eines Johannes Sebastian Bach, die Interpreten schöpften da aus ihrer musikalischen Seele. Die Soli von Christoph Pickelmann, Yumin Lee und Seungyeon Elisa Hong verbreiteten Würde und Erhabenheit, im Gigue spielerische Leichtigkeit und schwärmerische Verklärtheit, Meng-Hsuan Shieh krönte das noch. In der Solo-Sonate op. 25 N. 3 von Paul Hindemith spielte er jeden Ton in höchster Ausprägung, machtvoll oder in zarter Hingebung. Ihm reichte sein Professor in bewegender Zuneigung lange die Hand.

Und dann noch unterhaltsam Leichtes zum Finale: Die Tritsch-Tratsch-Polka von Johann Strauß und "Die Julischka aus Budapest" von Fred Raymond. Man hätte am liebsten die Vier vorne auf der Bühne für ihren bravourösen und in koketter Leichtigkeit dargebotenen Schlusspart umarmt. Genau so wie bei der Zugabe "Tico, Tico", diesem mexikanische Ohrwurm, was nicht endend wollenden Beifall heraufbeschwor. Dieser Auftritt war auch eine Premiere, wie es Dekan i.R. Hans Peetz ausdrückte. Der Vorsitzende des "Vereins Markgrafenkirchen": "Wir wollen diese wunderbaren Gotteshäuser bei uns mit ihrer besonderen Ausstattung und Atmosphäre künftig verstärkt für kulturelle Veranstaltungen nutzen. Solche Konzerte soll es häufiger geben". Der Meisterkurs Cello hat dafür jedenfalls den verheißungsvollen Auftakt inszeniert.