Ganz oben, wo sich der Wipfel der mächtigen Weißtanne verjüngt, turnt ein Mann herum. Mit geübtem Griff pflückt er die Zapfen des Baums, packt sie in einen Sack, ist wenige Minuten später schon wieder am Boden: Torsten Wechsler arbeitet als Zapfenpflücker - eine anspruchsvolle Aufgabe.

Derzeit sind Torsten Wechsler und seine Kollegen in den Wäldern des Frankenwalds unterwegs. Die Weißtannen dort tragen dieses Jahr so viele Zapfen wie lange nicht mehr. Aus den Samen können Millionen kleiner Tannenbäume werden und dieser Baumart zu einer nachhaltigen Rückkehr in unsere Wälder verhelfen.

Die Weißtanne (Abies alba) war im 16.Jahrhundert die häufigste Nadelbaumart im Frankenwald und ist heute fast eine Rarität. Ihr Anteil am gesamten Baumbestand im Einzugsbereich des Forstbetriebs Nordhalben soll von einem auf künftig sechs Prozent gesteigert werden. "Das Jahr 2013 bietet dafür mit einem außerordentlichen Zapfen-Behang an den Alttannen eine große Chance", sagt der Leiter des Forstbetriebs, Fritz Maier. Schon im Frühjahr habe sich abgezeichnet, dass 2013 ein gutes Jahr für die Tanne werden würde, so Maier. "Die Blüte an den Altbäumen war hervorragend." Die hohen Niederschläge im Sommer hätten die Entwicklung der Samen und Zapfen ebenso begünstigt wie die anschließende Wärme. "Und jetzt zeigen fast alle älteren Tannen reichlich Zapfen in ihren Baumkronen."

Die Zapfen der Weißtanne stehen auf den Ästen senkrecht nach oben. Von dort trägt der Wind die Samen davon. Der Zapfen zerfällt, übrig bleibt - nur die sogenannte Spindel.

Mehrere Tonnen

Wenn man die Samen als Saatgut gewinnen will, müssen als Zapfenpflücker ausgebildete Waldarbeiter die Tannen in dafür zugelassenen Waldbeständen besteigen und die noch geschlossenen Zapfen pflücken. Dies geschieht im Forstbetrieb Nordhalben sowohl durch den Pflanzgarten der Bayerischen Staatsforsten in Bindlach bei Bayreuth als auch durch private Forstpflanzenerzeuger. "Wir ernten in diesem Jahr mehrere Tonnen Tannenzapfen", sagt Maier. Daraus werden durch Trocknung und Reinigung Samen für Hundertausende von Tannenpflänzchen gewonnen. Diese werden später im Staatswald gepflanzt oder an Waldbesitzer verkauft, die ihre Wälder mit Tannen anreichern wollen.

Für die Zukunft der Wälder des Frankenwaldes kann aber die natürliche Verjüngung der Tanne eine weit größere Rolle spielen, betont der Forstbe triebsleiter. "Durch Zapfenpflücker wird nur ein Bruchteil der Tannenzapfen geerntet." Von Hunderten von Alt-Tannen würden in den nächsten Wochen Millionen von Tannensamen auf den Boden fallen. "Das macht es möglich, dass im nächsten Frühjahr auf großen Waldflächen viele Tannensamen keimen und daraus kleine Tannenpflanzen werden."

Damit die auch groß werden, muss die Witterung passen. Nagetiere dürfen nur einen Teil der Samen fressen und in den nächsten Jahren müssen die Jäger mit der Erlegung von Rehwild dazu beitragen, dass die Tannen unbeschädigt wachsen können. Wo ganz wenige Tannen vorkommen ist auch ein Schutz der jungen Pflanzen mit Schafwolle oder anderen Verbiss-Schutzmitteln sinnvoll.

Und dann müssen die Förster und Waldbesitzer die jungen, heranwachsenden Tannen über lange Zeit pflegen - damit sie zu großen, alten Tannen heranwachsen können.