Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erfordert einen Ausbau des Stromnetzes, um den aus dezentralen regenerativen Erzeugungsanlagen eingespeisten Strom aufnehmen und transportieren zu können. Das stellt den Netzbetreiber vor große Herausforderungen und macht beträchtliche Investitionen nötig. Dies wurde bei einem Pressegespräch im Netzcenter Kulmbach deutlich.

225 000 Menschen in 64 Kommunen der Landkreise Kulmbach, Lichtenfels und Bayreuth leben im Versorgungsgebiet des Netzcenters, so Rolf Freudenberger, der beim Bayernwerk für die Region Oberfranken zuständig ist. Die Bayernwerk AG trat im Juli 2013 die Rechtsnachfolge von Eon Bayern als Netzbetreiber auf der Mittel- und Niederspannungsebene an, nachdem der Gesetzgeber eine deutliche Trennung von Netz- und Vertriebseinheiten beschlossen hatte.

"Eine Besonderheit im Netz des Bayernwerks ist der hohe Anteil an regenerativer Energie. Die in unser Netz integrierten EEG-Anlagen haben eine Leistung von 6900 Megawatt. Das Gros davon geht mit 5300 Megawatt auf Photovoltaik zurück. Rund 240 000 Photovoltaik-Anlagen speisen in das Netz ein. Damit transportieren wir heute schon mehr als 50 Prozent regenerativen Strom."

Eines der anstehenden Erweiterungsprojekte ist die Erschließung des neu geplanten Gewerbegebiets in Unterbrücklein. "Hierfür wird eine neue Trafostation errichtet, und zudem werden rund 1500 Meter Nieder- und Mittelspannungskabel sowie 250 Meter Gasleitung verlegt", sagt Thomas Balzar, Leiter Netzbau Kulmbach. Rund 120.000 Euro werden dafür investiert.

Mit dem Kabel durch die Wand

Die mit 400.000 Euro teuerste Einzelmaßnahme fällt im Zuge der Verbesserung des Hochwasserschutzes der Flutmulde am Weißen Main in Kulmbach an. In der Blaich werden dafür rund 9500 Meter Mittelspannungskabel tiefgelegt und damit auch ein Teil der oberirdischen Freileitung durch ein Erdkabel ersetzt.

Die Stromkabel werden in einer etwa drei Kilometer langen Trasse zwischen der Berliner Brücke und der Brücke in Richtung Kronach verlegt. "Den Main unterqueren wir dafür mit dem umweltfreundlichen Spühlbohrverfahren", so Balzar. Die besondere Herausforderung: Das Wasserwirtschaftsamt errichtet wasserdichte Spundwände, die verhindern, dass der Damm aufweicht: "Aber wir müssen da durch, um den Strom in die Stadt zu bringen", erläutert Konrad Walter, Leiter der Netzdienste Oberfranken. "Das Umspannwerk Blaich steht unmittelbar hinter dem Damm. Daraus ergibt sich eine hohe Zahl an Kabeln, die auf die andere Seite des Mains geführt werden müssen." Im Zuge der Verkabelung müssen auch zwei neue Stahlmasten errichtet werden, um eine Verbindung zwischen der Freileitung und den Erdkabeln zu schaffen.