Dass Karin Becker einmal einen Meistertitel führen würde, hat sie sich als junges Mädchen sicher nicht vorstellen können: erst Realschulabschluss, dann verschiedene Jobs in der Gastronomie, die Geburt von vier Kindern und ein eigenes Gasthaus in Rheinland-Pfalz - das Leben hatte zunächst einen anderen Weg für die heute 46-Jährige vorgesehen.

Der Ehrgeiz war geweckt


Was nicht bedeutet, dass Karin Becker dem Thema Ausbildung ablehnend gegenüber stand. Das zeigte sich spätestens bei der Anstellung in einem Kinderheim. Obwohl sie keine Ausbildung dafür hatte, wurde ihr die Leitung der Hauswirtschaft übertragen. Und ihr Ehrgeiz geweckt. Binnen eines halben Jahres lernte sie den Stoff für die Gesellenprüfung zur Hauswirtschafterin nach, dessen Vermittlung im Normalfall zwei Jahre dauert. Und bestand die Prüfung in Koblenz problemlos. Gleiches galt für die Prüfung in Fachhauswirtschaft. Ebenso die Schwesternhelferinnenausbildung, die sie auch noch dranhängte.

Nach der Rückkehr nach Oberfranken arbeitete sie als Hauswirtschafterin in der Privatklinik "Goldene Adlerhütte", seit 2011 leitet sie die Hauswirtschaft in einem Seniorenheim in Bad Berneck.

Dass dort gerade Küche und Wäscherei neu aufzubauen waren und die Arbeit sehr zeitaufwändig war, konnte Karin Becker nicht davon abhalten, über das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Münchberg den Meisterkurs fortzusetzen, den sie schon im Herbst 2009 begonnen hatte. "Ich brauche eben meinen Stress", sagt die Kupferbergerin.

Die einzige aus dem Landkreis


In Münchberg und Kulmbach ließ sich Karin Becker ausbilden. Als einzige Teilnehmerin aus dem Landkreis bekam sie mit anderen Frauen aus ganz Oberfranken einmal pro Woche Vollzeitunterricht, absolvierte Seminare und arbeitete sich trotz der täglichen Belastung im Beruf immer weiter zur Meisterprüfung vor. Die sie letztlich auch mit Bravour bestand.

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