Dies bestätigte Ulrich Wagner, der bei der Kulmbacher Aufsichtsbehörde für Bauleitplanung, Bauordnung und Denkmalpflege zuständig ist. Die Genehmigung für die Landwirtsfamilie Haas beziehe sich aber zunächst nur auf den Erdaushub, die Fundamentierung und die Rohbauarbeiten für den Legehennenstall im Ortsteil Hohenreuth. Die Art und Weise der Beseitigung des Niederschlagswassers, das vom Dach des Gebäudes kommen werde, müsse hingegen noch geklärt werden.

Das Landratsamt, so Wagner, habe einen unabhängigen Gutachter mit einer Expertise beauftragt, derzufolge das Vorhaben genehmigungsfähig sei. Unter anderem sei der Antragsteller gegenüber der ursprünglichen Planung von 150 auf 230 Meter von der Wohnbebauung weggerückt - weit mehr als gesetzlich vorgegeben sei. Das Gutachten widerspreche auch den von der Bürgerinitiative geäußerten Befürchtungen in Bezug auf Bio-Aerosole und Geruchsbelästigung. "Wir stellen die Teilbaugenehmigung sämtlichen Nachbarn zu, die Einwendungen vorgebracht haben, damit sie prüfen können, ob sie gegen das Vorhaben Klage einreichen wollen. Knapp 50 Leute werden das Schreiben bekommen."

Wagner verweist auch auf ein kürzlich stattgefundenes Gespräch im Landratsamt mit Vertretern der Bürgerinitiative, bei dem Fragen hinsichtlich der Zufahrt und der Wasserversorgung geklärt worden seien. "Der Bauantrag liegt uns seit 11. Januar vor. Dass der Bauherr langsam die Faxen dick hat und sagt, er müsse jetzt endlich Geld verdienen, ist ja verständlich", sagte Wagner.

Die Bürgerinitiative "Mannsflur gegen Massentierhaltung" will das freilich nicht hinnehmen. Laut Sprecherin Dagmar Knade ist Rechtsanwalt Stefan Kollerer aus Kulmbach beauftragt worden, ein gerichtliches Eilverfahren in die Wege zu leiten mit dem Ziel, die bereits begonnenen Erdarbeiten zu stoppen. "Um nicht vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, wollen wir einen Baustopp, bis die Sache vor Gericht geklärt ist", betont Dagmar Knade. Weiter erklärt sie, dass die Bürgerinitiative ein Gegengutachten in Auftrag gegeben hat, das die Expertise des Landratsamt "zerpflückt" habe. Das Gespräch im Amt, das am 7. September stattgefunden habe, sieht sie etwas anders als Ulrich Wagner: "Da sind noch einige Geschichten, die dringend geklärt werden müssen", ärgert sie sich und führt eine Planänderung in letzter Minute" ins Feld. Demnach sei das Kotlager weiter in Richtung Wohnbebauung gerückt worden. Unklar sei ebenfalls die Abwassersituation, weil es sich bei der Baufläche um ein ausgewiesenes Quellgebiet handle.

Völlig unverständlich, so Knade, sei für sie, dass in dem Gutachten des Antragstellers die Daten über die Windverhältnisse aus dem Jahr 2009 stammten und von einer Wetterstation in Wunsiedel ermittelt worden seien. "Was Wunsiedel mit der Mannsflur zu tun hat, erschließt sich uns nicht. Papier ist geduldig, aber die Windrichtung kommt nun einmal von dort oben."

Zum Vorwurf der Bürgerinitiative, Haas habe mit den Erdarbeiten bereits begonnen, als die Genehmigung noch nicht erteilt war, stellt Ulrich Wagner fest, dass zur Vorbereitung einer Baumaßnahme Mutterboden geschoben werden darf. Weil Haas aber "etwas mehr gemacht hat als erlaubt", sei das Landratsamt von Rechtsanwalt Kollerer aufgefordert worden, die Arbeiten zu stoppen. Wagner: "Ich war auch nicht glücklich darüber, aber das wäre unverhältnismäßig gewesen. Die Entscheidung, dem Antragsteller eine Teilbaugenehmigung zu erteilen, sei intern schon am vergangenen Donnerstag gefallen. Deshalb haben wir den Baustopp abgelehnt."

Bauherr Stefan Haas ist angesichts dieser Entwicklung nicht gerade gelassen, aber doch froh, dass vom Landratsamt ein erstes grünes Licht gegeben wurde. Er ist optimistisch, dass die Frage der Niederschlagswasserbeseitigung im Einvernehmen mit dem Wasserwirtschaftsamt gelöst werden kann. Dennoch beklagt er, dass offenbar bei ihm "Sachen verlangt werden, die anderswo nicht verlangt worden sind". Er bezieht sich dabei auf den befürchteten zu hohen Nitrateintrag durch die Hühner, was er absolut nicht nachvollziehen kann: "Das Gegenteil ist der Fall. Früher, als wir die Fläche noch landwirtschaftlich bearbeitet haben, wurde doch viel mehr Gülle aufgebracht." Dies habe das Landwirtschaftsamt dem Wasserwirtschaftsamt auch so mitgeteilt. "Da sind sich ja schon die Ämter nicht einig."

Stefan Haas versteht grundsätzlich nicht, warum die Bürgerinitiative sein Projekt verhindern will. "Die sollten sich mal mit anderen Problemen befassen, die auf unserer Welt bestehen. Ich war kürzlich in Norddeutschland, da haben sie Ställe mit 300 000 bis 800 000 Hühnern. Da wohnen auch Leute, und die leben alle noch."