Die Vandalen sind abgezogen, am Kulmbacher Bahnhof herrscht seit einiger Zeit wieder Ruhe. Niemand mehr, der auf Krawall gebürstet wäre. Die Zeiten, als im Januar und Februar eine Gruppe von Jugendlichen und jungen Männern dort randaliert und Passanten angepöbelt hat, sind vorbei. Offenbar hat die massive Präsenz der Bundespolizei ihre Wirkung nicht verfehlt.

Auch wenn die Randalierer abgezogen sind, beschäftigen sich Landkreis und Stadt Kulmbach weiter mit dem Thema. Das gemeinsame Ziel ist es, das Problem dauerhaft zu lösen. Es geht darum, dass ein Sozial arbeiter auf der Straße unterwegs ist und sich mit den auffälligen Jugendlichen beschäftigt. Wir haben mit dem Kulmbacher Landrat Klaus Peter Söllner darüber gesprochen, wie weit man beim Streetworker-Projekt ist.

Am Kulmbacher Bahnhof ist nach dem Remmidemmi im Januar und Februar wieder Ruhe eingekehrt. Wie schätzen Sie aktuell die Lage ein?
Klaus Peter Söllner: Kulmbach ist mit Sicherheit kein extremer Brennpunkt. Wir beobachten in vielen Städte, auch in Mittelstädten, dass es ähnliche Erscheinungsformen gibt. Das ist stark personenabhängig. So war es mit Sicherheit auch in Kulmbach der Fall, so dass jetzt wieder relative Ruhe herrscht.

Wie weit sind Landkreis und Stadt beim Thema Streetworker?
Wir haben viele Gespräche geführt, neben Stadt und Landkreis war die Kulmbacher Polizei eingebunden. Unser Jugendamtsleiter Klaus Schröder hat sich stark eingebracht, und auch der Oberbürgermeister und ich waren ständig in Kontakt. Wir nehmen die Sache ernst, auch wenn jetzt Ruhe herrscht. Wir neigen nicht dazu, weil jetzt kein Krawall mehr ist, nichts mehr zu machen. Das wäre nicht der richtige Weg. Das Thema ist für uns auf der Agenda.

Haben Sie einen Sozialverband gefunden, der den Streetworker anstellen würde? Und welche Kosten müssten Landkreis und Stadt tragen?
Wir stehen mit zwei renommierten Trägern aus unserem Landkreis in Kontakt. Eine Option ist dabei ziemlich vielversprechend. Bei dieser besonders günstigen und auch zielführenden Lösung wurden bereits die Förderanträge gestellt, um Europa- beziehungsweise Bundesmittel zu bekommen. Damit kämen auf den Landkreis und auf die Stadt Kulmbach sehr übersichtliche Kosten für ein dreijähriges Modellprojekt zu. Wir haben uns besprochen, der OB und ich sind uns einig, dass das eine gute Lösung wäre. Man muss jetzt abwarten, ob es tatsächlich klappt.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass der Streetworker kommt?
Der erwähnte Träger hat bayernweit Erfahrung mit solchen Projekten. Wir glauben, dass es ganz gut ausschaut. In vier bis sechs Wochen sehen wir klarer. Wenn diese Lösung nicht zum Tragen käme, müssten wir neu überlegen. Es gibt noch andere Optionen.

Wird sich der Streetworker auch um andere Brennpunkte kümmern, zum Beispiel um den Busbahnhof, wo es immer wieder zu Zwischenfällen kommt?
Wir gehen davon aus, dass der Streetworker für ganz Kulmbach zuständig ist. Gegebenenfalls könnte er bei Bedarf auch überörtlich zum Einsatz kommen.