Fritz Taubenreuther hat seit vielen Jahren die Melkendorfer Störche im Blick: Taubenreuther, der im Burghaiger Weg wohnt, hat in diesem Jahr eine doch ungewöhnliche Beobachtung gemacht: Die beiden Jungstörche haben im September die Reise ins Winterquartier angetreten, die Eltern sind allerdings bis dato auf dem Horst geblieben, der sich auf einem alten Schornstein befindet. "Das ist das erste Mal, dass die Weißstörche in Melkendorf überwintern wollen", sagt Taubenreuther, der wie viele Autofahrer gestaunt hat, die Meister Adebar in den letzten Wochen in den Rotmainauen bei der Nahrungssuche gesehen haben.

Besorgte Naturfreunde

Ob Weißstörche nicht unter der Kälte leiden? Viele besorgte Naturfreunde erkundigen sich in diesen Tagen beim Landesbund für Vogelschutz, ob die Zugvögel den Winter in Bayern überleben können. Die Naturschützer geben weitgehend Entwarnung: Erst wenn es wochenlang sehr kalt werden und eine dicke Schneedecke die Nahrungssuche unmöglich machen würde, werde das Futter für die Störche knapp, sagt LBV-Kreisvorsitzender Erich Schiffelholz.

Waren es im vergangenen Jahr rund 200 Vögel, so geht der Verband davon aus, dass 2014 noch mehr Weißstörche in unseren Breiten überwintern. Wenn überhaupt, dann würden sie erst bei Einbruch einer harten winterlicher Witterung eine so genannte Winterflucht hinüber zum Bodensee oder ins Elsass machen, sagt Schiffelholz.

Vögel finden genug Nahrung

"Dem Storch als großem Vogel macht die Kälte kaum etwas aus, da er die Wärme wesentlich besser speichern kann als kleine Singvögel wie Meise und Spatz, die immer bei uns überwintern", weiß Diplompädagogin Oda Wieding vom LBV. Störche würden ihre Umgebung im Umkreis von 30 Kilometern ganz genau kennen. Sie würden momentan noch genug Nahrung wie Mäuse, Regenwürme und Fische finden. Außerdem hätten die größeren Vögel ja ihre Daunenjacke schon an, so dass sie wie Graureiher und der zunehmende Silberreiher problemlos in Bayern überwintern könnten.

Keine Futterstellen einrichten

Die Einrichtung einer Futterstelle sei der falsche Weg, weil sich die Störche so an das Futter gewöhnen würden. Sie würden von einer Fütterung abhängig gemacht, während sie andernfalls ihrem Instinkt folgen und bei Nahrungsknappheit dann doch einen sogenannten Teilzug bis zum Bodensee oder ins klimatisch günstigere Rheintal antreten würden.
Der LBV ruft die Bevölkerung dazu auf, überwinternde Störche dem Naturschutzverband zu melden. So könne die jeweilige LBV-Kreisgruppe zusammen mit Fachleuten die überwinternden Einzeltiere überwachen.

Klassischer Zugvogel

Der Weißstorch als klassischer Zugvogel verbringt laut Wieding normalerweise das Winterhalbjahr in Afrika. Als Segelflieger meiden die Störche das Mittelmeer und fliegen entweder als sogenannte Ostzieher über Türkei, Israel und Ägypten nach Ost- und Südafrika oder sie wenden sich als Westzieher über Spanien und Gibraltar nach Westafrika. Einige dieser Störche haben in den letzten Jahren einen neuen Trend geprägt, sparen sich den Flug über die Meerenge von Gibraltar und überwintern einfach in Spanien.

Andere bleiben, wie das Beispiel der Melkendorfer Störche zeigt, in Bayern. Die Störche, die den Horst beim Altdrossenfelder Brauereigasthof Schnupp aufsuchen, haben sich übrigens schon im September in Richtung Winterquartier verabschiedet: sowohl die Eltern als auch die drei Jungvögel.