"Herr Heinrich saß am Vogelherd, als man ihm bracht des Reiches Schwert". So heißt es in dem Lied "Heinrich der Vogler" von Carl Loewe, der ein Gedicht von Johann Nepumuk Vogl vertont hat. Auf der berühmten Darstellung Walthers von der Vogelweide ist ein solcher Vogelbauer abgebildet.

Singvögel gefangen

Fanganlagen der erwähnten Art hat es auch in Kulmbach gegeben - und so finden wir den Namen Vogelherd noch immer in Ortsbezeichnungen. Diese so benannten Gebiete sind auch in anderer Hinsicht geschichtlich interessant.

Der Vogelfang wurde das ganze Mittelalter hindurch in Deutschland gepflegt. Gefangen wurden Wacholderdrosseln, Lerchen und Finken, um diese in Käfige zu sperren.

Der in einer Hütte oder einem Unterstand lauernde Vogelsteller oder Vogler bediente ein Schlagnetz. Sobald die Vögel auf dem "Herd" eingefallen waren, konnte das Netz mit einem Ruck an der Zugleine geschlossen werden. Auch mit Schlingen und Leimruten in den Fallen fing man die gefiederten Freunde.

Höhenzug auf Sandstein

Im Buchwald, gleich hinter der Plassenburg bei den Königseichen, gibt es Örtlichkeiten, die noch heute die Bezeichnung Vogelherd tragen. Ein anderer Abschnitt, zwischen Tennach und Leuchau gelegen, wird "Steinerner Vogelherd" genannt. Das Zentrum dieses Abschnittes liegt auf einem elliptisch geformten Sandstein-Höhenzug. Von diesem fallen drei Seiten ziemlich steil ab.

Der bekannte Kulmbacher Heimatforscher Hugo Hesse (1855 - 1923) hat in den Jahren 1912 bis 1914 in Eigeninitiative Grabungen am "Steinernen Vogelherd" nahe Tennach durchgeführt, weil ihm bei seinen vielen Wanderungen dort Dinge aufgefallen waren, die geologisch sonderbar erschienen.

Auf der höchsten Stelle dieses Vogelherdes befinden sich etwa acht große runde, abgestufte Löcher. Deutlich lassen sich weitere Bearbeitungsspuren feststellen. Abräume an den Rändern des Hügels weisen auf einen Steinbruch hin.

Nach Süden hin führen Einschnitte den Abhang hinunter. Hier konnten die Steine zu dem am Fuß des Abhangs befindlichen Fahrweg transportiert worden sein. Sollte sich an der Stelle die Fanganlage befunden haben, die dem Gebiet den Namen gab? Die Frage lässt sich ohne eine nähere Untersuchung nicht so leicht beantworten.

Mühlsteine gebrochen?

Denkmalschutzexperten erklärten, es handele sich um einen alten Bruch zur Herstellung von Mühlsteinen. Aber warum sollten im Nachhinein die Bruchstellen im verbleibenden Fels fein sauber bearbeitet worden sein? Rein zum Spaß macht doch keiner eine solch sinnlose Arbeit. Daneben befindet sich eine kleine Schlucht mit einer etwa sechs Meter hohen, rund 25 Meter langen, senkrechten, sorgfältig behauenen Felswand.

Das Auffallendste ist dabei, dass diese Felswand nach 17 Metern in Form eines sauber ausgehauenen Viertelkreisbogens zurückgesetzt parallel weiterläuft, um dann im rechten Winkel ein Eck zu bilden, in dem der gewachsene Fels in Form eines altarähnlichen Podestes stehengelassen wurde. Auf dem gemeißelten, podestförmigen Block ist auf der einen Fläche die Jahreszahl 1672 und auf der rechten Seite die Inschrift "T.K. 16.72" zu lesen. Die Felsen sind mit einer Spitzhacke abgerundet worden.

Möglicherweise hat sich hier oder in der Nähe eine Bärenfalle befunden. Die anschließende Waldabteilung heißt "Beerrangen" ...

Die erwähnte Jahreszahl fällt in die Regierungszeit des Markgrafen Christian Ernst, in dessen Besitz sich die Wälder befanden.

Geeignetes Gelände zur Jagd

Eine Vermutung, dass die Schlucht und der "Steinerne Vogelherd" als geeignetes Gelände zur Jagd verwendet wurden, geht auf eine Jagdbeschreibung zurück. Markgraf Christian veranstaltete im August 1648 am "Steinernen Vogelherd" eine große Hirschjagd. Bereits mehrere Tage zuvor waren unter Anleitung des Oberforstmeisters Christoph von Thüma großartige Vorbereitungen getroffen worden.

Hierzu waren nahezu 2000 Treiber aufgeboten, die das Wild aus den umliegenden Waldbezirken gegen den in der Abteilung "Steinerner Vogelherd" aufgerichteten Hirschlauf zusammentreiben mussten. Das nahm vier Tage und Nächte in Anspruch.

Zur Jagd selbst ritt die Jagdgesellschaft nun auf ein gegebenes Zeichen hinaus zu dem Hirschlauf, fröhliches Weidwerk und Hornfanfaren begleiteten den überaus stattlichen Zug. Als das Treiben auf Hornruf begonnen hatte und die Hirsche hereingehetzt worden waren, fiel Schuss auf Schuss - und manch Sechzehnender von nahezu sechs Zentnern stürzte vom tödlichen Blei getroffen.

Festliches Jagdmahl

Die älteren Jäger und Burschen schlugen den gefällten Hirschen die Gehörne aus und trugen sie dem Oberforstmeister zu, während das Wild von den Wildmeistern abgezählt und verzeichnet wurde. Hierauf versammelte sich die ganze Gesellschaft auf der Anhöhe des "Steinernen Vogelherdes" zum üblichen festlichen Jagdmahl.

Der Volksmund erzählt, dass im Hussitenkrieg, im Bundesständischen Krieg und im Dreißigjährigen Krieg hier die Bewohner der umliegenden Dörfer mit ihrem Vieh und ihrer Habe Zuflucht gesucht hätten. Diese Darstellung scheint umso glaubwürdiger, als sich in der Nähe eine Quelle befindet.

Um aktuelle Fotos für diesen Bericht zu machen, besuchten wir die Stelle im Wald nach drei Jahren wieder und waren überrascht, wie schnell die Natur vieles überdeckt hat.