Diesmal soll es die große Runde vom Marktplatz Richtung Knollenstraße und wieder zurück werden. Doch es kommt anders.

"Als ich beim Heimatmuseum um die Ecke gebogen bin, kam mir eine Frau mit zwei Hunden entgegen. Ein Hund riss sich los, rannte auf mich zu", erzählt Thompson. Der Stadtsteinacher nimmt seinen Chihuahua auf den Arm, dreht sich weg, um den angreifenden Hund nicht noch weiter zu provozieren, und drückt sich gegen eine Mauer: um sich und seinen Hund zu schützen.

Gleichgewicht verloren

Doch der Angreifer, ein Mischling, springt den 44-jährigen Stadtsteinacher an. Barry-John Thompson verliert das Gleichgewicht, fällt hin. "Der Hund hat mir mehrmals in den rechten Oberschenkel gebissen und hat nicht aufgehört", erzählt Thompson. "Die Frau hat mich dann gefragt, was sie tun soll", erinnert er sich. Und schließlich gelingt es ihr, die Leine des Hundes wieder zu fassen und das Tier wegzuziehen.

Auf den ersten Blick hat Barry-John Thompson mehrere Striemen und blaue Flecken, Kratzer und tiefe Einbisslöcher im Bein. Ihm geht es so schlecht, dass er sich sofort ins Krankenhaus bringen lässt. Zunächst wird die Wunde ambulant versorgt.

Doch bei einer Nachkontrolle beim Unfallarzt stellt sich heraus, dass der Biss zentimetertief und innerlich verbunden ist. Eine echte Gefahr: Denn in der Wunde hat sich Luft angesammelt: Entzündungsgefahr. Die Wunde wird also mehrmals gespült, verbunden. Thompson muss Schmerzmittel und Antibiotika nehmen. Doch die Wunde ist infiziert und kann nicht heilen.

Drei Operationen

So erfolgt am Dienstag nach dem Biss die erste Operation, eine Vakuumpumpe wird eingesetzt. Dann wird die Wunde geöffnet, um noch Schlimmeres zu verhindern.

Insgesamt drei Operationen muss der Stadtsteinacher über sich ergehen lassen, elf Tage lang ist er im Klinikum Kulmbach. "Mein Mann musste innerhalb von fünf Tagen drei Vollnarkosen verkraften. Das ist bei seiner Muskelkrankheit besonders schlimm", erzählt seine Frau Martina.

Inzwischen ist die Wunde so weit verheilt, dass keine akute Gefahr mehr besteht. Doch noch immer ist das Bein taub. Barry-John Thompson kann fast nicht mehr laufen. Und die Fäden konnten auch noch nicht vollständig entfernt werden.

Barry-John Thompson hat mit seiner Frau bei der Polizei in Stadtsteinach Anzeige gegen die Hundehalterin erstattet.

Erst wenige Monate vorher gab es mit den Hunden derselben Halterin - fast an derselben Stelle - eine Beißerei: Hund gegen Hund. Daraufhin entbrannte in Stadtsteinach eine heiße Diskussion, ob alle Hunde über fünfzig Zentimeter Schulterhöhe angeleint werden sollten. Der Stadtrat hat dieses Ansinnen aber - nach einem Brief eines Stadtsteinacher Tierarztes - abgelehnt.

Trotzdem hat für exakt diesen Hund Anleinpflicht bestanden. Das wurde nach der Beißerei zwischen den Hunden vor einigen Monaten auf den Weg gebracht. Nun wurde ein Mensch das Opfer. "Eigentlich ist der Vorfall ein Beweis, dass eine Anleinpflicht nichts bringt", kommentiert Bürgermeister Roland Wolfrum (SPD) den Vorfall, bedauert den Unfall aber zutiefst.

Staatsanwalt ermittelt

"Bei uns ist Anzeige erstattet worden. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Körperverletzung", bestätigt die Polizei in Stadtsteinach. Der Vorfall wurde von der Polizei weitergeleitet, die Stadtverwaltung hat zusätzlich für diesen Hund neben der weiter bestehenden Anleinpflicht einen Maulkorbzwang verhängt.

Indes kocht in Stadtsteinach die Diskussion wieder hoch, ob eine Anleinpflicht für große Hunde nicht doch sinnvoll gewesen wäre. "Wir haben für den Erlass einer Anleinpflicht gestimmt, und ich denke, dass es eben doch Hundeführer gibt, die nicht vernünftig sind und ihre Hunde nicht in Griff haben. Aber die Abstimmung ist jetzt gelaufen. Wir werden darauf schauen, dass der jetzt verhängte Maulkorbzwang eingehalten wird. Sonst kann man nichts mehr machen", kommentiert Franz Schrepfer (FW) die Situation.

Anwalt eingeschaltet

Das Opfer indes lässt sich jetzt anwaltlich vertreten. "Wir versuchen mit einer Haftpflichtversicherung der Halterin, soweit eine vorhanden ist, in Kontakt zu treten und werden auch Schadensersatz, Schmerzensgeld und die Unkosten geltend machen", sagt Rechtsanwalt Tobias Herrmann.

Die Hundehalterin war für eine Stellungnahme telefonisch nicht zu erreichen.