Landrat Klaus Peter Söllner kann ganz allein entscheiden, ob es zu einer Wiedereinführung des Kennzeichen SAN kommt oder nicht. Doch das möchte er nicht tun. Am Freitag wird sich der Kreisausschuss mit dem Thema befassen.

"Stadtsteinach hat nicht die Macht, darüber zu entscheiden, ob die alten SAN-Kennzeichen wieder eingeführt werden oder nicht. Aber wir können mitdiskutieren", sagte Bürgermeister Roland Wolfrum (SPD) und stieß am Montag im Stadtrat eine umfassende Debatte an. Wolfrum persönlich hat gegen die Wahlfreiheit nichts einzuwenden und sieht durch das SAN-Kennzeichen als Chance, dass die "lokale Identität" gestärkt werde. "Wir sollen dem Landrat signalisieren, dass die Bahn frei gemacht wird für eine Wiedereinführung", so Wolfrum.

"Dass man mit dem SAN-Kennzeichen das Image verbessern kann oder gar den Fremdenverkehr unterstützen kann, glaube ich nicht. Das ist naiv. Aber wer für so einen etwas naiven Lokalpatriotismus zahlen möchte, der soll das tun", erklärte Wolfgang Martin (SPD/OL) seine Position.

Franz Thierauf (FW) bemängelte, dass die Vergabe der alten SAN-Kennzeichen nicht auf den tatsächlichen alten Landkreis beschränkt werden soll. Auch ein Thurnauer könnte sich ein SAN-Kennzeichen ans Auto machen. "Das ist doch Quatsch", so Thierauf.

Hof zieht nicht mit

"Das können ja doch nicht alle machen. Die Enchenreuther können es nicht tun, die hatten früher auch SAN. Aber jetzt gehören sie zum Landkreis Hof, und der hat die Wiedereinführung der alten Kennzeichen schon abgelehnt", sagte Wolfgang Heiß (CSU). Und noch einen Punkt brachte der CSU-Stadtrat ein: Diejenigen, die Oldtimer besitzen und noch ein "echtes" altes SAN-Kennzeichen haben, haben dann keine Rarität mehr. "Und dass das Ganze einen Wert für den Fremdenverkehr hat, kann ich mir nicht vorstellen", so Heiß.

"Hat der Stadtrat denn keine anderen Themen, mit denen er sich beschäftigen kann?", fragte Adolf Hildner (CSU) in die Runde. Er zweifelt die Qualität der Erhebungen, die von der Universität Heilbronn vorgenommen worden sind, an. Dabei hatten sich 69 Prozent aller Bayern für die Wiedereinführung ausgesprochen. In Stadtsteinach wurden 200 Menschen befragt. Bei den 18- bis 30-jährigen waren zwei Drittel für eine Wiedereinführung, auch bei den anderen Altersgrupppen. Nur die Über-Sechzigjährigen zeigten sich mit nur 45 Prozent Befürwortung skeptisch.

"Das Gesetz kann doch gar kein Schwachsinn sein, weil es von einem CSU-Minister kommt. Wenn man mit so wenig Aufwand den Bürgern einen Wunsch erfüllen kann, warum nicht", kommentierte Fraktionssprecher Klaus Witzgall (CSU) die Sachlage ganz locker. Auch Knud Espig (SPD/OL) zeigte sich liberal und votierte dafür, dass jeder selbst wählen könne. "Ich finde auch, jeder soll selbst entscheiden können, ob er sich die Kennzeichen etwas kosten lässt", sagte Andy Sesselmann (Freie Wähler).

Fünf Stadtsteinacher Räte dagegen

Obwohl Winfried Hempfling (SPD) dazu aufrief, geschlossen für die Wiedereinführung zu stimmen, um dem Landrat ein positives Signal zu entsenden, stimmten doch fünf Stadträte aus Stadtsteinach gegen die Wiedereinführung.