In Zeiten der Energiewende gehen der 50-jährige Diplom-Ingenieur und sein Bruder Thomas (42) ganz bewusst bis an die Grenzen des Machbaren. Der Bau am "Plus-Energie-Haus" hat begonnen. Im Wohngebiet "Flürlein" in Stadtsteinach.

Schon seit Jahren entwirft und baut der Stadtsteinacher Architekt Wohnhäuser und Zweckbauten unter besonderer Berücksichtigung der Energieeffizienz. Für sein eigenes Wohnhaus an der Mozartstraße hat er vor Jahren nahezu alle verfügbaren Quellen erneuerbarer Energie wie Photovoltaik, Pelletheizung oder die direkte Sonneneinstrahlung zur Beheizung von Wänden angezapft. Honoriert wurde diese Vielfalt nicht nur durch Energieeinsparung, sondern auch mit dem "Umweltpreis der Kulmbacher Brauerei für ökologisches Bauen im Privatbereich ohne Komfortabstrich".


Leimfrei verbundenes Holz

"Ausgezeichnet", so Spindler, sind seine Erfahrungen mit Massivholz-Systembau. "Wohngesund" nennt er die Ergebnisse, weil sich mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz nahezu schadstofffrei bauen lasse. "Beim System Thoma, das wir anwenden, werden Massivholz elemente eingesetzt, die durch ein spezielles Patent leimfrei verbunden werden", erklärt Spindler und verweist darauf, dass alle Stämme nach dem Mondphasenkalender geschlagen werden. "Das Raumklima, das dadurch entsteht, ist einzigartig. Die Bauweise ist ökologisch und ermöglicht ein gesundes Wohnen - auch für Allergiker."

All seine bisherigen Erfahrungen in Sachen Energieeffizienz kombiniert der 50-Jährige nun mit dem Massivholz-Systembau in einem Musterhaus im Flürlein. Das Projekt, das zugleich Startschuss für eine kleine Öko-Siedlung auf fünf weiteren Parzellen sein soll, ist insofern bemerkenswert, als weder fossile Brennstoffe wie Gas und Öl noch eine Pellet- oder Hack schnitzelheizung zum Einsatz kommen. "Die gesamte Energie, die im Haus benötigt wird, erzeugen wir über eine Photovoltaikanlage, die dann beispielsweise auch die Wärmepumpe für die Heizung mit Strom versorgt", erläutert der Architekt.


"Das Thema schlechthin"

Und das Musterhaus am Flürlein soll noch mehr können: Nicht benötigter Strom wird in Batterien der neuesten Generation gespeichert. Diese wiederum versorgen das Haus mit Elektrizität, sobald die Photovoltaikanlage nicht mehr liefert, also nachts oder an Schlechtwettertagen. Sind die Batterien voll, so Rainer Spindler, gibt die Anlage ihren Strom an das öffentliche Netz ab oder - und das sieht der Diplom-Ingenieur als sinnvoller an - sie speist die Speicher von Elektrofahrzeugen.

Dass das System bislang noch nicht 100-prozentig funktionieren dürfte und in Spitzenlastzeiten trotzdem Energie aus dem Netz geholt werden muss, ist laut Spindler der Tatsache geschuldet, dass es noch keine ausreichenden Speichermedien gibt. "Das ist das Thema schlechthin", sagt der Architekt und ist zuversichtlich, dass der Fortschritt der Technik auch diese Lücke immer kleiner werden lässt.

"Beim Thema Ökologie geht es nicht nur um ein bisschen Holz", betont Rainer Spindler. "Schadstoffrei mit der Natur bauen und in der Natur leben, ohne sie belasten. Und das auch noch in einem bezahlbaren Rahmen", ist sein Ziel. Oder anders formuliert: "Mit Holz und Sonne leben."