Und passend zum Sud mit 17,3 Prozent Stammwürze und 7,2 Prozent Alkoholgehalt gab es starke Sprüche zur Welt im Großen und Ganzen sowie zu Stanich und einigen auffälligen Personen im Speziellen.

Zum Auftakt zapfte Zweiter Bürgermeister Franz Schrepfer gekonnt das erste Fass mit einem Schlag und einem kleinen Nachschlenkerer an, ohne dabei eine Sauerei vor der Bühne anzurichten. Den Ersten Bürgermeister, dem diese Aufgabe eigentlich von Amts wegen zustand, entschuldigte Schützenmeister Reinhard Kraus eingangs, da dieser zur gleichen Zeit die Stadt bei der Jägervereinigung repräsentieren müsse, "aber wohl eher, weil es dort umsonst was zum Essen gibt," wie Kraus laut vermutete.

Roland Wolfrum (SPD) traf verspätet ein, aber doch rechtzeitig, um sich als "roten Lumpen" bezeichnen zu lassen - wenn auch im Zusammenhang mit der Absicherung eines Holztransports hinten. Verpasst hatte Wolfrum aber die Unterhaltung von "Aische und Ekrem" (die Geschwister Peter aus Neuenmarkt), die - nach einer Schweigeminute für die SPD - die politischen Höhepunkte der Gegenwart betrachteten, und zwar aus dem Blickwinkel von Deutschländern (in Deutschland lebende Türken) beziehungsweise Deutschen mit türkischem Migrationshintergrund.

Die beiden ließen sich auch über geschlechtsneutrale Sprachregelungsversuche aus und fanden schließlich das absurdeste Wort ("Frauenmannschaft") als doch recht ausgeglichen. Dazu plädierten sie für ein Sexualrecht nach schwedischem Vorbild, nach dem man "vorher" alles in einem Formular vereinbaren müsse - in dreifacher Ausfertigung auch für die örtlichen Sexualbeauftragten und einen Notar, wie so etwas in Deutschland rechtssicher zu handhaben ist.

In einer zweiten Nummer später ließen sich Mona-Isabelle und Nicolas Peter - nun auf gut Fränkisch - über eben ihren Dialekt aus, in dem lange Vokale kurz und kurze Vokale lang gesprochen werden. Schweiften zur Ernährungsumstellung ab (Nicolas: Hab ich schon umgestellt, das Bierglas steht jetzt rechts, nicht mehr links) und dann zu "Untersteinach 21", weil doch die Brücke der Umgehung über die Bahn für eine Elektrifizierung zu niedrig ist.

Und hatten dabei einen politisch noch nicht diskutierten Vorschlag parat: doch die später elektrifizierte Bahn auf die dann weniger befahrene Ortsdurchfahrt zu verlegen. "Da ist Platz, und wegen Lärm kann sich niemand beschweren, weil's doch elektrisch ist." Mit einer Kaskade von Witzen und witzigen Begebenheiten brillierten Thomas Ramming und Hansi Hümmer. Letzterer sobald er sich eine zeitlang von seiner schneidigen Unterhaltungsmusik mit dem Akkordeon loseisen konnte.

In einer Episode gab Hümmer den recht blödköpfigen Hocker, der unfähig war, ordentliche Sachfragen eines Meinungsforschers (Thomas Ramming) auch ordentlich zu beantworten. In einer Szene am Stammtisch schossen beide mit Witzen um sich, die sie auf "auffällige Personen" in Stanich umgemünzt hatten. Und dabei verschonten sie auch Schützenmeister Reinhard Kraus nicht.

Nachdem dieser demnächst in den Ruhestand geht, dichteten sie ihm eine neue Karriere als Pornodarsteller an; nicht die Hardcore-Rolle, sondern die des Ehemannes, der vor der eigentlichen Handlung zur Arbeit geht.

Dezent aber spitz schoss schließlich Werner Reißaus als "echter Franke" seine Pfeile unter anderem auch Richtung Amtsinhaber in Stanich und Umgebung. Er wusste, wenn Landrat Klaus Peter Söllner drei Sätze ankündigt, er zu langen Ausführungen anhebt.

Stadtrat Knut Espig gratulierte er zum "100. Leserbrief in der Zeitung" und berichtete, dass Roland Wolfrum als TSV-Vorsitzender nun zehn Fahrräder ausgegeben habe, auf dem der TSV die letzten 15 Minuten im Training übe, "damit man sich schon mal ans Absteigen gewöhnt." (Buh-Rufe im Saal).

Und von Schützenmeister Kraus berichtete er, dass dieser, demnächst im Ruhestand, eine Neuanstellung zu Hause in der "GmbH" seiner Frau bekomme ("Geh, mach‘, bring‘, hol‘").