Wenn die deutsche Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft spielt, dann fiebert Vincent Hammond mit - inklusive Deutschland-Trikot und allem drum und dran. Doch wenn die DFB-Elf wie am Donnerstagabend gegen die US-Boys antritt, dann hat es Hammond schwer. Er ist Halbamerikaner.

Der 21-Jährige ist selbst Fußballer, spielt als Außenverteidiger seit fast drei Jahren beim SSV Peesten. Sein Vater Douglas, geboren in Maine, Amerika, kam als junger Mann mit der Army nach Deutschland, genauer gesagt nach Bamberg. Dort war er als Sanitäter stationiert und lernte Vincents Mutter kennen. "Mein Vater hat in der Jugend Rugby und Basketball gespielt, Fußball war aber nicht dabei", sagt Hammond. Ihn aber trieb es zum Fußball. Bevor er nach Peesten wechselte, schnürte er für den SSV Kasendorf als Jugendspieler seine Schuhe.

Gute Verbindung in die USA

Mit Amerika verbindet den 21-Jährigen vor allem die Verwandschaft: "Ich habe zwei Onkel, fünf Cousins und Cousinen und mehrere Großonkel. Das sind insgesamt schon viele." Auch das amerikanische Essen hat es ihm angetan, so wie es im Wirtshaus seiner Eltern in Azendorf serviert wird. Egal ob Burger, Hot Dogs oder Spare-Rips - Vincent kann nicht genug davon kriegen.

Sein Fußball-Herz schlägt heute Abend für beide Mannschaften: "Am liebsten wäre mir eigentlich ein Unentschieden, denn dann wären beide Teams weiter", sagt Hammond. Spannend dürfe es aber schon sein - ein 2:2 oder 3:3. Wer will sich schon ein langweiliges 0:0 ansehen? Trotz allem denkt Hammond, dass das deutsche Team die Amerikaner schlagen wird. "Fußball ist in den USA einfach noch nicht so weit entwickelt. Da hat Deutschland Vorteile."

Sollten die US-Boys das Achtelfinale erreichen, dann sei alles drin, sagt Hammond: "Der Kampfgeist der Mannschaft stimmt. Sie hat auf jeden Fall das Potenzial, auch noch ins Viertel- oder sogar ins Halbfinale zu kommen." Sein Vater träume indes vom Finale Deutschland gegen USA. Um für alle Fälle gerüstet zu sein, hat sich Hammond - zusätzlich zu seinem deutschen Leibchen - kürzlich noch ein Trikot der US-Boys im Internet bestellt.
Auch wenn Hammond nicht alle Spieler der Amerikaner kennt, hat er doch seine Favoriten. Julian Green zum Beispiel, der beim FC Bayern München spielt, oder Timothy Chandler, der in der vergangenen Saison für den Club spielte. Besonders Schade findet Hammond, dass Landon Donovan nicht nominiert wurde. Jürgen Klinsmann hatte ihn vor der WM aussortiert.

Der Auftaktsieg der US-Mannschaft gegen Ghana in diesem Jahr hat Hammond besonders gefreut, denn er erinnert sich noch gut an die WM 2006: Mit Bruder und Vater war er damals beim Public Viewing auf dem Zeppelinfeld in Nürnberg dabei und musste mit ansehen, wie die Afrikaner die Mannschaft der USA aus dem Turnier warfen.

In diesem Jahr sieht es besser aus, die Viertelfinal-Teilnahme ist den Amerikanern so gut wie sicher. Gegen Portugal hätte die Mannschaft schon alles perfekt machen können, kassierte aber in der Nachspielzeit noch den Ausgleich. "Das war richtig bitter", sagt Hammond. Die Portugiesen haben nicht nur den Amerikanern den Tag versaut, sondern auch Hammonds Vorhersage beim vereinsinternen Tippspiel: "Ich hatte auf einen 2:1-Sieg der USA getippt. Deshalb war das Ergebnis für mich doppelt ärgerlich", sagt er und lacht. Damit das mit der Qualifikation noch klappt, darf den Amerikanern gegen Deutschland kein Ausrutscher passieren. Hammond wird die Partie um 18 Uhr auf jeden Fall live im Fernsehen verfolgen. Doch das Deutschland-Trikot bleibt bei ihm heute Abend im Schrank.