Der TSV Thurnau kehrt nach zweijähriger Abstinenz in die Kreisliga Bayreuth/Kulmbach zurück, der man bereits zwischen 2005 und 2012 angehörte. Zuvor hatten die "Schwarz-Weißen" sogar vier Jahre in der Bezirksliga gekickt. Damals wie heute dabei: Simon Ries. Der Stürmer schoss den TSV 1998 mit zur Kreisliga-Meisterschaft und kehrte jetzt in der Winterpause vom ATS Kulmbach nach Thurnau zurück. Als nunmehr 38-Jähriger steuerte Ries in zwölf Spielen immerhin noch sechs Treffer zum Titelgewinn bei. Nun will Ries aber aufhören.

Spieler wie Simon Ries sind genau die Zielgruppe, die der TSV Thurnau auch künftig ansprechen will. "Wir bauen auf die eigene Jugend, wollen aber auch immer wieder Ehemalige zurückholen", bestätigt TSV-Vorsitzender Roland Härtel, dass der Verein sich auch nach dem Kreisliga-Aufstieg treu bleiben wird. "Wir werden nicht das Spinnen anfangen."

Überragende Vorrunde

Den Grundstein zur Meisterschaft legten die Thurnauer mit einer überragenden Vorrunde. Zur Saisonhalbzeit hatte der TSV 42 von 45 möglichen Zählern geholt und sich acht Punkte Vorsprung auf den TSV Harsdorf erarbeitet. Doch nach der Winterpause war die Thurnauer Dominanz urplötzlich dahin. Überraschende Niederlagen beim VfB Kulmbach II (0:1), beim SSV Peesten (1:2), gegen den TSV Bindlach II (2:3) oder gar beim Schlusslicht SV Hutschdorf (2:3) ließen den zwischenzeitlich auf satte elf Punkte angewachsenen Vorsprung wie Eis in der Sonne schmelzen.

Spielertrainer Marco Dreßel führt die Schwächephase zum einen auf die Ausfälle zweier wichtiger Spieler zurück. Daniel Wiesel (Kreuzbandriss) und Kai Mönch (Schienbeinbruch, Kreuzbandriss) standen wegen schwerer Verletzungen im neuen Jahr nicht mehr zur Verfügung. Dreßel führt aber auch den Faktor Glück an: "Wir waren schon in der Vorrunde nicht immer die bessere Mannschaft. Doch da haben wir manche Spiele 2:1 gewonnen, die wir in der Rückrunde 1:2 verloren haben."

So kam der TDC Lindau, der sowohl in der Vor- als auch in der Rückrunde (3:0, 4:2) die Thurnauer bezwingen konnte, immer näher und durfte bis zum letzten Spieltag vom Titel träumen. Und die "Trimmer" taten mit dem 3:2-Sieg beim VfR Katschenreuth II ihr Möglichstes.

Thurnau musste also gegen die SG Rugendorf/Losau einen Punkt holen, um Platz 1 zu verteidigen. Nachdem Spielertrainer Marco Dreßel das 1:0 erzielt und André Rosenbusch in der 73. Minute für die Gäste ausgeglichen hatte, wurden die Beine des Spitzenreiters wacklig. Mit Müh' und Not retteten die Thurnauer das Remis über die Zeit - der Schlusspfiff erlöste das Team von Marco Dreßel. Der sagt: "Die letzten Minuten waren Wahnsinn, da ist eine Riesenlast von uns abgefallen. Letztlich haben wir uns aber für die ganze Saison belohnt."

Aufbruch nach Schocksituation

Paradoxerweise musste ein Schreckensmoment her, um die Wende zum Besseren einzuläuten. Es passierte im Verfolgerduell beim TSV Harsdorf: Nach nur zwei Minuten krachten die Thurnauer Simon Ries und Allesandro Statile schwer mit den Köpfen zusammen und mussten verletzt raus. "Nach diesem Schock ist ein Ruck durch die Mannschaft gegangen, und wir haben in Harsdorf noch einen wichtigen 3:2-Sieg geholt", sagt Marco Dreßel rückblickend.

Den Titelgewinn bezeichnet der Spielertrainer als "Triumph des Kollektivs". Man habe nicht "die herausragenden Einzelspieler gehabt", sondern von der Geschlossenheit gelebt. Dreßel avancierte mit zehn Treffern zum zweitbesten Torschützen hinter René Strohwald, der 19 Mal einnetzte. Doch eigentlich wollte der 39-Jährige gar nicht mehr spielen, sondern sich auf die Trainerarbeit konzentrieren. Die Verletzungsmisere "bescherte" Dreßel dann aber doch 27 Saisoneinsätze.

Die Erfahrung von ihm und von Simon Ries hatte die junge Mannschaft vor allem in der Krise bitter nötig. "Simon haben wir in vielen Spielen als Führungsspieler dringend gebraucht", sagt Dreßel.

In der Kreisliga Bayreuth/Kulmbach wollen sich die Thurnauer "erst einmal wieder etablieren", so das Ziel des Vorsitzenden Roland Härtel. Er ist überzeugt, dass die Meistermannschaft die Qualität für den Klassenerhalt mitbringt. Dennoch führe man derzeit Gespräche mit zwei, drei Spielern, um das Team punktuell zu verstärken. "Spruchreif ist aber noch nichts", sagt Härtel.

Marco Dreßel weiß, dass der Grundstein für eine erfolgreiche Saison in den ersten Spielen gelegt wird: "Entscheidend wird sein, wie man in der Liga ankommt und dass alle Spieler fit bleiben."

Während mit Daniel Schuhmann (18) ein wieselflinker Mittelfeldspieler aus der eigenen Jugend hinzukommt, verlassen der aus Kirchlein stammende Alexander Barth (zum FC Burgkunstadt) und Jugendspieler Christoph Geiger (TDC Lindau) den Verein.

Der TSV hat für die neue Saison auch eine Reserve gemeldet, die in der B-Klasse einen Neuanfang starten soll. Die Verletzungsprobleme der "Ersten" waren Schuld, dass der TSV II die Serie in der A-Klasse nicht zuende spielen konnte und kurz vor Saisonende aus der Wertung genommen wurde. "Der Aufstieg der Ersten hatte Priorität, das konnte man auf die Zweite keine Rücksicht mehr nehmen", bedauert Härtel.

Die Meistermannschaft

Pierre Aepfelbach (29 Spiele/4 Tore), Markus Amschler (25/2), Alexander Barth (19/1), Thorsten Baum (4), Florian Bergmann (26), Marc Bergmann (22), Ralf Bergmann (11), Patrick Bernreuther (1), Johannes Butz (2), Lukas Butz (1), Christian Deller (28/6), Marco Dreßel (27/10), Alexander Hiesch (26/6), Thomas Lauterbach (30/5), Kai Mönch (18/3), Daniel Peukert (4/1), Andreas Reuther (28/6), Simon Ries (12/6), Christian Schrüfer (30), Daniel Schuhmann (12), Alessandro Statile (18), Rene Strohwald (28/19), Daniel Wiesel (6/1), Tobias Wohland (4/2).