Ohne Zweifel: Der TSV Neudrossenfeld hat ein Stürmerproblem. Bis zur Winterpause hat die Truppe von Trainer Peter Schmidt in 22 Spielen der Fußball-Landesliga Nordost gerade einmal genauso viele Tore geschossen. Nur der Vorletzte FC Burgkunstadt hat noch weniger Treffer erzielt (21). Dass die Neudrossenfelder trotzdem Tabellensiebter sind, haben sie der besten Abwehr und Keeper Matthias Küfner zu verdanken, die im Gegenzug erst 18 Tore zugelassen haben.

Trotzdem befindet sich der TSV derzeit nicht auf der Suche nach neuen Angreifern. "Wir haben nicht die finanziellen Möglichkeiten, einen Topmann zu holen. Deshalb haben wir uns vor der Saison dazu entschieden, es mit unseren jungen Spielern zu versuchen", erklärt Manager Gerald Weinrich. Daran habe sich nichts geändert. "Und selbst wenn, wären wir gar nicht dazu bereit, Unsummen auszugeben, wie es uns von außen nachgesagt wird. Wir wollen den Verein nicht herunterwirtschaften, nur um irgendwann einmal sagen zu können, dass wir vier Jahre in der Landesliga gespielt haben", ergänzt der ehemalige Zweitligaspieler der SpVgg Bayreuth.


Mannschaft ist stark genug

Zudem würden Investitionen keinen Sinn machen, weil die aktuelle Mannschaft zu stark sei, um noch in Abstiegsgefahr zu geraten und Relegationsplatz 2 bei derzeit zwölf Punkten zu weit entfernt sei. "Was würde es bringen, wenn wir statt Siebter Vierter werden?" meint Weinrich. Deshalb richte der TSV den Fokus auf die neue Saison, ohne aber den Fehler zu machen, jetzt schon abzuschalten. Denn der Manager hat schlechte Erinnerungen an sein erstes Trainerjahr: "Da waren wir zur Winterpause Vierter und sind noch abgestiegen. Wir sollten nächstes Jahr in den ersten drei oder vier Spielen schnell sechs bis acht Punkte holen."

Dabei hatten die Neudrossenfelder insgeheim schon gehofft, zur Winterpause im Bereich von Platz 2 zu liegen, nachdem die Mannschaft zum ersten Mal seit Jahren fast komplett zusammengehalten und mit Marcel Mayr und Sebastian Lattermann von der SpVgg Bayreuth verstärkt werden konnte. "Nach der Relegation hatten wir im Sommer nur zwei Wochen Pause. Und das Scheitern war für die Spieler ein Genickschlag, auch wenn die anderen Vereine in der Bayernliga nicht glücklich werden. Das Mentale spielt eine große Rolle", versucht Weinrich zu erklären, warum es nicht besser läuft.


Heimbilanz eine "Katastrophe"

Eine "Katastrophe" so Weinrich sei die Ausbeute auf eigenem Gelände, wo der TSV sechs Zähler weniger als auswärts geholt hat. "Wir haben unsere Zuschauer nicht gerade mit Punkten verwöhnt", so der Manager, der aber zu bedenken gibt: "Wir waren in den letzten vier, fünf Jahren nur erfolgreich. Da muss man die Kirche im Dorf lassen, wenn es in einer Saison einmal nicht so läuft."

Oft sei er gefragt worden, ob er sich Gedanken über die Trainer mache. "Sehr wohl, und zwar deshalb, weil ich weiter mit ihnen zusammenzuarbeiten will. Vom Engagement der Trainer und Spieler kann man nicht mehr erwarten", sagt Weinrich. Der jugendliche Ehrgeiz und die theoretische Ausbildung von Coach Peter Schmidt und die Erfahrung und die distanzierte Sicht von "Co" Joachim Riedel würden sich perfekt ergänzen.
Während der TSV-Manager hofft, dass nach der Winterpause bei dem einen oder anderen Stürmer wie Hannes Küfner der Knoten noch platzt, gibt es an der Abwehr trotz des langen Ausfalls von Alexander Bayer nichts auszusetzen. "Auf Steffen Taubenreuther ist Verlass, und Marcel Mayr hat der Viererkette noch mehr Stabilität verliehen", sagt der Gerald Weinrich, der auch mit den zwei "Sechsern" sehr zufrieden ist. "Hinten gut zu stehen, reicht aber halt nicht."

Während der 7. Platz der 1. Mannschaft also eher enttäuschend ist, sei das Abschneiden der "Zweiten" sensationell. Die Neudrossenfelder Reserve belegt als Aufsteiger in der Bezirksliga Ost Rang 5. "Wir haben vor ein paar Jahren in der Kreisliga beziehungsweise A-Klasse angefangen, jetzt stehen wir im Landkreis Kulmbach an erster und zweiter Stelle. Das ist unglaublich", freut sich Gerald Weinrich. Außerdem habe sich die Zusammenlegung des Trainings bezahlt gemacht, nachdem nur noch eine Liga die beiden Teams trennt. Das hebe die 2. Mannschaft auf ein ganz anderes Niveau.