Die Würzburger Kickers gastieren am Mittwoch beim Bezirksligisten SSV Kasendorf. Im Kader des Drittligisten steht auch ein Kulmbacher.Wenn der Fußball-Drittligist FC Würzburger Kickers am Mittwoch (18 Uhr) in der 2. Runde des Toto-Verbandspokals in Kasendorf antritt, ist es nicht nur für den gastgebenden Bezirksligisten ein besonderes Spiel. Der fiebert, wie SSV-Vorsitzender Volker Täuber sagt, dem "größten Pflichtspiel in der Vereinsgeschichte" entgegen. Auch Dominik Meisel freut sich auf die Partie. Zum einen stammt der 20-jährige Mittelfeldspieler der Kickers aus dem Kulmbacher Stadtteil Forstlahm, zum anderen darf er mit seinem zweiten Einsatz in der Profitruppe hoffen.

Dominik Meisel hat seit 1. Juli einen Profivertrag beim unterfränkischen Drittligisten. Er ist einer von 28 Spielern (vier Torhüter) im Kader der Kickers. In vier von fünf Saisonspielen der 3. Liga sowie im DFB-Pokalspiel gegen den Bundesligisten TSG Hoffenheim hat es der Kulmbacher immerhin in den 18er-Kader geschafft. Gebracht hat ihn Trainer Michael Schiele allerdings bislang noch nicht. "Ich weiß, dass ich mich als Jungprofi hinten anstellen muss und schon mal mit ein paar Minuten Einsatzzeit zufrieden sein muss", sagt der Forstlahmer, der aber wie viele andere Reservisten und Rekonvaleszenten in der 1. Verbandspokalrunde beim Kreisligisten SV Mosbach zum Einsatz kam.

Allerdings bekleckerte sich der zweite Anzug der Kickers beim Pokalsieger des Kreises Nürnberg/Frankenhöhe nicht gerade mit Ruhm. Schon nach einer Minute lagen die Würzburger mit 0:1 zurück, dann hieß es 1:3, ehe Dominik Meisel mit dem 2:3 in der 59. Minute die Wende einleitete. Am Ende hieß es 5:3 für den Favoriten. "Das war über 60 Minuten eine absolut schlechte Leistung, so dürfen wir uns nicht mehr präsentierten", gesteht Dominik Meisel, der weiß, dass er die wenigen Gelegenheiten nutzen muss, um sich bei Cheftrainer Michael Schiele anzubieten. "Denn auch wir Jungen wollen ja über kurz oder lang in der 3. Liga spielen."

Vom ATS zum Club

Dominik Meisel wurde in der Jugend des ATS Kulmbach ausgebildet. Nach sieben Jahren beim ATS wechselte er 2011 zur SpVgg Bayern Hof. Drei Jahre später erfüllte er sich den Traum, an ein Bundesliga-Nachwuchsleistungszentrum zu wechseln. Der 1. FC Nürnberg wurde auf den Kulmbacher aufmerksam. Gemeinsam mit Elia Bifano, der inzwischen unter seinem Vater Fulvio beim Bayernligisten SpVgg Bayern Hof kickt und Lukas Beszczynski, der wieder zu seinem Heimatverein VfR Katschenreuth zurückgekehrt ist, spielte Meisel mit dem Club-Nachwuchs in der Jugend-Bundesliga. Chef der Club-Jugendabteilung war damals Ex-Profi Rainer Zietsch, inzwischen Co-Trainer bei den Würzburger Kickers.

2016 musste Dominik die erste große Enttäuschung seiner Karriere verkraften - als Michael Köllner Chef des Nachwuchsleistungszentrums beim FCN wurde, wurde Meisel aussortiert. "Es mussten damals extrem viele Spieler gehen, nur drei oder vier durften bleiben", erinnert sich der Forstlahmer. Die Nürnberger Zeit habe ihn aber immerhin "athletisch weitergebracht", wie er rückblickend sagt: " In der B-Jugend-Bundesliga habe ich gelernt, körperlich dagegenzuhalten, ich war ja damals eher schmächtig."

Mit Abitur nach Würzburg

Der damals 17-Jährige kehrte zu Bayern Hof zurück und kickte mit den A-Junioren in der Landesliga. Der geringere sportliche Aufwand hatte auch sein Gutes. "Da konnte ich mich auf mein Abitur konzentrieren."

Mit dem Abschluss in der Tasche ging's dann nach Würzburg. Dominik Meisel fasste bei der Reserve der Kickers in der Bayernliga Fuß im Herrenbereich. Und nebenbei nahm er ein Studium der Wirtschaftswissenschaften auf. Das hat er derzeit aber wieder auf Eis gelegt. Denn er will sich unbedingt im Bezahlfußball durchsetzen. "Ich will nicht beides so halb machen. Studieren kann ich immer noch, wenn es mit der Profikarriere nicht klappt", sagt Meisel.

Sieben Treffer erzielte der Mittelfeldspieler in der abgelaufenen Saison für die von Rainer Zietsch trainierte U23 der Kickers in der Bayernliga. Im Winter durfte er mit den Profis ins Trainingslager nach Spanien, trainierte die komplette Rückrunde mit dem Profikader("Da habe ich wahnsinnig viel gelernt") und in der Rückrunde vier Mal auf die Bank bei der 1. Mannschaft. Meisel sagt: "Das war auch für mich sehr überraschend." Ebenso wie die Abmeldung der 2. Mannschaft kurz vor Saisonbeginn. Viele mussten gehen, er. "Ich bin dankbar, dass ich bleiben durfte", meint der Kulmbacher, der sich im Mittelfeld am wohlsten fühlt, aber auch als Rechtsverteidiger eingesetzt werden kann.

3. Liga ist ein Traum

Die 3. Liga mit vielen Traditionsvereinen (neun ehemaligen Bundesligisten, sechs frühere DDR-Erstligisten) ist für Dominik Meisel ein Traum. Doch er will natürlich die tollen Stadien wie den Betzenberg oder das Grünwalder Stadion nicht nur von der Bank aus genießen, sondern während der 90 Minuten auf dem Rasen. "Natürlich hat man Hoffnungen, eingewechselt zu werden, auch wenn es sicher noch nicht sein wird, um ein Spiel umzubiegen." Aber selbst fünf Minuten wären für Dominik Meisel schon ein Anfang - und der nächste Schritt zum gestanden Profi. Auf dem Weg dahin wäre natürlich eine Blamage für die Reservisten bei den vier Klassen tiefer angesiedelten Kasendorfern fatal. Für Dominik Meisel auch unter dem Gesichtspunkt, dass viele alten Bekannte und natürlich die gesamte Familie zuschauen. Vater Michael Meisel (47) hat sogar eine Kasendorfer Vergangenheit. Denn in den neunziger Jahren kickte er eine Saison für den SSV, damals in der fünftklassigen Bezirksoberliga.

Kasendorf hofft auf Standards

Der SSV Kasendorf schwimmt auf der Erfolgswelle - drei Siege in Serie in der Bezirksliga Ost, dazu der 1:0-Coup im Verbandspokal gegen den Bayernligisten DJK Bamberg und am Mittwoch (18 Uhr) das Duell mit dem Drittligisten Würzburger Kickers als Zuckerl. Für SSV-Trainer Christoph Wächter ist es "eine coole Geschichte, was meine Jungs im Pokal erreicht haben". Und auch gegen den haushohen Favoriten aus der 3. Liga werde sein Team "wieder alles geben", verspricht Wächter. An Träumereien will er sich aber nicht beteiligen: "Natürlich will man als Fußballer jedes Spiel gewinnen, aber da müsste schon alles perfekt laufen. Selbst wenn die Reservisten der Kickers spielen, sind es noch zwei oder drei Klassen Unterschied. Aber vielleicht geht ja was über Standards."

Am meisten Kopfzerbrechen bereitet Christoph Wächter die Frage, wen er spielen lässt: "Es würden natürlich alle gerne in so einer Partie auflaufen, aber von den 18 Mann im Kader kann ich nur 14 bringen."

Die Würzburger Kickers nehmen die Partie jedenfalls sehr ernst, wollen sie doch ihren Titel im Bayernpokal verteidigen und wieder in die 1. DFB-Pokalhauptrunde einziehen, wo es viel Geld zu verdienen gibt. Deshalb wird Trainer Michael Schiele im Vergleich zum Mosbach-Spiel zwei drei Stammkräfte mehr in die Anfangsformation beordern. "So wie in der ersten Runde werden wir kein zweites Mal auftreten", verspricht Schiele.

SSV erwartet 600 Zuschauer

Der SSV Kasendorf ist für eine große Kulisse gewappnet. Sogar einen privaten Sicherheitsdienst musste der Bezirksligist engagieren, wobei aus Unterfranken keine "bösen Buben" zu erwarten sind. SSV-Vorsitzender Volker Täuber hofft auf mindestens 600 Zuschauer und sagt: "Der ganze Verein fiebert dem Spiel entgegen." Das 1:0 gegen die DJK Bamberg bezeichnet er als den "größten sportlichen Erfolg in der Vereinsgeschichte". Letztmals in den neunziger Jahren hätten die Kasendorfer im Pokal für Furore gesorgt, als sie erst im Kreisfinale am Bayernligisten SpVgg Bayreuth gescheitert waren.

Täuber hofft, dass die besonderen Gesetze des Pokals auch am Mittwoch gelten: "Vielleicht halten wir lange ein 0:0, dann ist alles möglich..."

SSV Kasendorf am Mittwoch um 18 Uhr gegen Würzburger FV (Aufgebot): Cukaric, Böhnlein - Buchta, Deller, Fuchs, Geldner, Grasgruber, Geldner, Gunzelmann, Gick, Hacker, Korzendorfer, Mullen, Philipp, Pistor, Schmittlein, Schorn, Schubert, Jahrsdörfer. - Es fehlen: Dippold (Oberschenkelverletzung), Schmeußer (privat verhindert), Stübinger, Friedrich (beide Kreuzbandriss).