Eine große Kulisse wäre am Samstag Top-Spiel der Fußball-Landesliga Nordost garantiert gewesen. Auf bis zu 2000 Zuschauer hatte der Spitzenreiter FC Eintracht Bamberg (55 Punkte) für das Oberfrankenderby mit dem Dritten TSV Neudrossenfeld (51) gehofft - doch jetzt werden es höchstens 50. Und die zahlen nicht einmal Eintritt. Denn der Bayerische Fußball-Verband (BFV) hat dem Verein im ersten Heimspiel des Jahres 2019 ein "Geisterspiel" verordnet.

Lediglich zwölf Personen jedes Vereins gestattet der BFV am Samstag den Zutritt zum Fuchs-Park-Stadion des FC Eintracht. Außerdem dürfen akkreditierte Pressevertreter sowie Schiedsrichter und Trainer mit gültigem Ausweis ins Stadion. Dass die Auflagen genau eingehalten werden, dafür sorgt vor Ort Landesliga-Spielleiter Volker Beck.

Den Zuschauerbann - nebst Punktabzug und Geldstrafe - haben die Domstädter ein paar sogenannten Fans zu verdanken, die bei Spielen wiederholt negativ aufgefallen sind. Unter anderem hatten sie mehrmals mit Pyrotechnik gezündelt.

Auch der FC Eintracht Bamberg hat Konsequenzen gezogen und sechs Stadionverbote gegen negativ auffällige "Fans" verhängt, die für die Dauer von einem bis drei Jahren gelten. Zudem will der Verein zivilrechtlich gegen die Übeltäter vorgehen und sie für entstandene Strafen, Verfahrenskosten sowie Umsatzausfall zur Kasse bitten.

TSV-Vorsitzender ist enttäuscht

In der Bringschuld sind auch die Neudrossenfelder Kicker am Samstag. Grund ist das jüngste 0:4-Debakel im Verfolgerduell gegen den SC Schwabach, der nach dem 3:2-Sieg der Neudrossenfelder im Hinspiel den am Ende bei Punktgleichheit entscheidenden direkten Vergleich gewonnen hat. TSV-Vorsitzender Gerald Weinrich hat seinen Fußballern in dieser Woche nach dem Training unverblümt seine Enttäuschung über die Leistung vom vergangenen Samstag kundgetan. "Selbst wenn der Gegner zwei Ex-Profis hat und spielerisch überlegen ist - dann muss ich ihn aber wenigstens läuferisch und kämpferisch bearbeiten. Dazu waren unsere Spieler von der ersten Sekunde an nicht bereit." Dabei habe sein Team durch die Bank deutliche körperliche Vorteile gegenüber den Mittelfranken gehabt. Der 52-Jährige weiter: "Ich habe der Mannschaft klar gesagt, dass es nicht geht, dass der Gegner mehr läuft, aggressiver ist und eine bessere Körpersprache hat." Auch Trainer Werner Thomas und sein "Co" Sebastian Brand waren laut Weinrich nach der 0:4-Schmach frustriert: "Beide haben sich gefragt, was sie falsch gemacht haben."

Bleiben die Trainer?

Vor genau fünf Jahren, im April 2014, warf der TSV Neudrossenfeld als Tabellenerster der Landesliga völlig überraschend seinen Trainer Joachim Riedel raus. Sein Nachfolger Peter Schmidt brachte den lange ersehnten Bayernliga-Aufstieg unter Dach und Fach. Die Geschichte wird sich diesmal aber nicht wiederholen, verspricht Gerald Weinrich. "Im Gegenteil, wir wollen Werner Thomas und Sebastian Brand über die Saison hinaus halten, denn wir schätzen ihre Arbeit. Selbst wenn wir Dritter oder Vierter werden, geht die Welt nicht unter." Auch nicht bei einer Niederlage am Samstag vor der Geisterkulisse im ehrwürdigen Bamberger Volkspark nicht. Doch Weinrich will wenigstens eine andere Einstellung seiner Spieler sehen: "Ich erwarte, dass die Mannschaft am Samstag bereit ist, alles in die Waagschale zu werfen und nach dem Spiel fix und fertig ist."