Die beiden Marathonanwärter Sindy Meier und Dieter Oeckl befanden sich in einem hervorragenden Trainingszustand. Doch Sindy und Dieter hat's erwischt! Die eine mehr, den anderen weniger. Beide waren außer Gefecht: sie wegen einer Muskelverletzung, er wegen einer Grippe.

Nicht nur Hobbysportler, sondern auch Profis sind nicht gefeit vor Krankheiten und Verletzungen, mit denen jeder Sportler in seiner Karriere hin und wieder konfrontiert werden kann. Wichtig ist dabei eine gute medizinische Betreuung, um Folgeschäden oder sogar bleibende gesundheitliche Schäden zu vermeiden und um natürlich möglichst schnell wieder das Training aufnehmen zu können.

Die Grippewelle zog an Dieter Oeckl nicht spurlos vorbei. Eine Laufpause war angesagt, an die sich der 54-jährige Ludwigschorgaster klugerweise auch strikt gehalten hat.

Roulette mit dem Leben

Sport stärkt das Herz, aber wer mit einer Grippe trainiert, spielt Roulette mit seinem Leben. Die Gefahr einer Herzmuskelentzündung durch eine nicht auskurierte Grippe darf man nicht unterschätzen. Jüngstes trauriges Beispiel in der Geschichte der Leichtathletik ist René Herms († 9. Januar 2009). Er war einer der besten deutschen 800-Meter-Läufer. Der Olympiateilnehmer wurde nur 26 Jahre alt. Plötzlicher Herztod infolge einer virusbedingten Herzmuskelentzündung wurde als Todesursache festgestellt.

Eine Herzmuskelentzündung führt nicht immer direkt zu Herzrhythmusstörungen oder zu Organversagen. Ist der Herzmuskel entzündet, sendet der Körper Warnsignale. Müdigkeit, Leistungsabfall, Fieber, Atemnot, Schwäche oder länger anhaltende Schmerzen in der Brust sind klare Anzeichen, dass sich Viren am Herz eingenistet haben. Eine Trainings-Pause ist dringend erforderlich. Besser ist es, bei diesen Symptomen einen Arzt aufzusuchen.

Pro Fiebertag zwei Tage Pause

Oberarzt Herbert Mädl von der kardiologischen Abteilung des Klinikums Kulmbach warnt eindringlich davor, nach einer Grippe zu früh mit sportlicher Betätigung zu beginnen: "Erst, wenn man ganz gesund ist, sollte man langsam wieder anfangen." Als Faustregel gilt: "Pro Fiebertag sind mindestens zwei sportfreie Tage anzusetzen. Das heißt, vier Tage Fieber bedeutet, acht Tage nach dem letzten Fiebertag keinen Sport zu treiben."

Eine längere Ausfallzeit hat Sindy Meier hinter sich. Drei Wochen und drei Tage konnte sie keinen Schritt im Lauftempo zurücklegen. Am 26. Januar begann die Leidenszeit der 31-Jährigen, die während des Lauftrainings starke Schmerzen am linken Knie verspürte und das Training nach 20 Minuten abbrechen musste. "Da ist mir bewusst geworden, dass es so nicht weitergeht und ich deshalb zum Arzt muss", sagte Sindy.

Bei der manualmedizinischen und ärztlich-osteopathischen Untersuchung durch den Kulmbacher Sportorthopäden Florian Wenk wurde eine generalisierte muskuläre Überlastung im Oberschenkel- und Kniebereich festgestellt. "Bei Frau Meier besteht bereits durch das langdauernde Gehen und Stehen im Beruf eine hohe Belastung der unteren Extremitäten. In Kombination mit ihrer ambitionierten sportlichen Belastung während der Marathonvorbereitung traten dann die Überlastungsbeschwerden auf - das ist oftmals so. Dazu bedarf es nicht einmal einer übereifrigen Trainingsauffassung. Durch einen elastischen Tape-Verbandes können wir die Wirkung der funktionell-orthopädischen Therapie über mehrere Tage hinaus vortrefflich unterstützen", so der Arzt. "Begleitend wird nun regelmäßig unter physiotherapeutischer Betreuung auf die Entspannung der Beinmuskulatur abgezielt".

Eine harte Zeit

Das war eine harte Zeit für die am Klinikum Kulmbach beschäftigte Krankenschwester: "Von 100 auf null war für mich sehr schwer zu verstehen", resümierte Sindy Meier. Die einzige sportliche Betätigung war im Fitnessstudio muskelaufbauendes und muskelerhaltendes leichtes Krafttraining. Nicht nur körperlich, sondern auch seelisch hat die angehende Marathonläuferin gelitten. "Denn das Laufen gehört für mich mittlerweile zum Leben wie das tägliche Zähneputzen."

Leichtes Lauftraining geht schon wieder

Mittlerweile haben Sindy Meier und Dieter Oeckl, wieder beschwerdefrei, das Lauftraining aufgenommen und gemeinsam mit Trainer Michael Kraus schon das eine oder andere lockere Läufchen im Schnee hinter sich gebracht. Der Trainer ist trotz der Ausfallzeit, insbesondere der 31-jährigen Kupferbergerin, sehr zuversichtlich: "Wir haben ja im Dezember und bis Mitte Januar eine gute Basis durch das Grundlagentraining geschaffen. Davon kann man profitieren und eine längere Pause kompensieren."

Trotzdem ist jetzt ein behutsamer Aufbau ganz wichtig, weiß der erfahrene Läufer Michael Kraus. Und wenn alles gut geht, will man eventuell im Frühjahr einen kleinen Wettkampf in Angriff nehmen.