Jacob Schramm ist "bereit wie nie". Unter diesem Motto steht jedenfalls seine frisch gestaltete Internetseite. Und das Skitalent aus dem Frankenwald zeigt sich vor allem mutig wie nie, formuliert es doch richtig forsche Ziele. "In spätestens fünf Jahren will ich im Weltcup fahren." Und dann setzt Jacob noch eines drauf: "Und dann will ich bei den übernächsten Olympischen Spielen dabei sein."

Rums - das sind mal Ansagen eines jungen Mannes, der bislang als schüchterner Bursche rüberkam und nach eigener Aussage eher den Mut hat, mit Tempo 130 die steilsten Pisten hinunterzurasen als eine fremde Person auf der Straße anzusprechen.

Doch der aus Eppenreuth bei Grafengehaig stammende Jacob Schramm ist reifer geworden. Der Ende 2018 erlittene Kreuzbandriss hat ihn nicht in die Knie gezwungen, sondern stärker, ehrgeiziger und auch professioneller werden lassen. Davon zeugt unter anderem seine komplett selbst erstellte nagelneue Internetseite (www.jacobschramm.de). Auf ihr wirbt der amtierende Deutsche Jugend-Meister im Super-G offensiv um Sponsoren, um etwa einen Individualtrainer finanzieren zu können. "Das würde vieles erleichtern", sagt der Feldjäger der Sportfördergruppe der Bundeswehr, der derzeit sein Leben vom Sold und der Sporthilfe bestreitet und gerade so über die Runden kommt.

Gletscher-Training

Jacob Schramm legt gerade in seiner Wahlheimat Oberbayern die Grundlagen für eine erfolgreiche Wintersaison 2019/20. Das Training bestreitet der 20-Jährige weitgehend auf eigene Faust. Nur ab und zu - wie kürzlich in Norwegen - trainiert Schramm gemeinsam mit dem C-Nationalkader, dem die besten deutschen Nachwuchstalente bis 21 Jahre angehören. Auf einem Gletscher hoch im Norden machte Jacob die ersten Schwünge nach sechswöchiger Skipause. "Jeder Tag im Schnee hilft, wieder Vertrauen ins Knie zu bekommen, vor allem im Riesenslalom, wo mein Kreuzbandriss passiert ist. Je mehr man sich traut über die Grenze zu gehen, die man sich selber steckt, desto besser wird es", sagt er.

Mentale Stärke ist Grundvoraussetzung für einen Profisportler. Seine Angst zu überwinden, könne man aber nicht lernen, meint Schramm: "Ein Skirennläufer muss von Haus auf mutig sein."

Ein bisschen Angst vor Stürzen und Verletzungen fährt trotzdem immer mit, gibt der Eppenreuther zu. "Vor allem dann, wenn schwierige Schneebedingungen herrschen oder die Veranstalter nicht gescheit präpariert haben. Dann wird man schon mal wütend."

Risiko lässt sich minimieren

Doch das Risiko, zu stürzen und sich zu verletzen, lasse sich auch durch Fitness und eine professionelle Vorbereitung (Aufwärmtraining) minimieren. "Im Moment dürfte eigentlich nichts passieren, weil ich körperlich wieder gut drauf bin", sagt Schramm, der auch gelernt hat, das Training richtig zu dosieren: "Es geht nicht darum, 20 Fahrten zu machen, wenn man schon nach zehn müde ist, sondern sechs qualitativ gute", sagt der Eppenreuther, der versucht, "immer professioneller zu werden".

Auch wenn die Zeiten, als man in Kitzbühel die Strecke mit gefrorenen Strohballen abgesichert hat, zum Glück vorbei sind, bleibt Skifahren weiter gefährlich. Immerhin sind inzwischen Rückenprotektoren Pflicht. In der kommenden Saison will Jacob Schramm sogar wie die Weltcup-Fahrer einen Airbag tragen. Damit lassen sich vielleicht gefährliche Situationen, wie sie der Eppenreuther bei einem Super-G-Training erlebt hat, vermeiden. "Da bin ich beim Sturz auf den Hinterkopf gefallen und habe eine Woche nicht gewusst, was überhaupt passiert war."

Stürze und Verletzungen kann er in dieser Saison jedenfalls überhaupt nicht gebrauchen. Deshalb strebt er das "perfekte Sommertraining" an, um zum Saisonhöhepunkt topfit zu sein. Bei der Junioren-Weltmeisterschaft - der dritten und letzten für ihn - in Norwegen im Frühjahr 2020 "gibt es nur ein Ziel, Metall", sagt Jacob Schramm selbstbewusst. Dafür will er bereit sein, wie nie.