Der 6. August 2013 hat Heiko Hohners Leben auf einen Schlag verändert. Gerade eine Minute war er mit seinem Gleitschirm in der Luft, an der "Radspitze" bei Marktrodach. Dann machte die starke Thermik den Flug auch für den erfahrenen Piloten unkontrollierbar. "Ich war etwa 100 Meter in der Luft. Nicht hoch genug, um den Rettungsschirm schmeißen zu können", erzählt Hohner. "Wie in einer Spirale kam ich immer weiter runter. Die letzten 20 Meter stürzte ich senkrecht auf einen Waldweg." Seitdem ist der langjährige Fußballspieler des FC Ludwigschorgast querschnittsgelähmt.

Nicht nur mit dem Fußball, auch mit seiner Zeit als Keyboarder bei den Bands "Funny Hill" und "Gnadenlos" war es vorbei. Doch Heiko Hohner gab nicht auf. Schon nach der Operation überraschte er seine Besucher. "Als man die Tür zu meinem Krankenzimmer öffnete, dachten wahrscheinlich die meisten, da liegt jemand im Bett und weint den ganzen Tag." Stattdessen zeigte er seiner Familie und seinen Freunden von Beginn an eine positive Lebenseinstellung. Nach sieben Monaten in der Klinik Hohe Warte in Bayreuth und anschließender Reha suchte er sich direkt einen neuen Sport. "Ich wollte unbedingt etwas machen", sagt er bestimmt.


Hohner feiert früh große Erfolge

Gemeinsam mit einem Freund, den er in der Klinik kennenlernte, schloss er sich dem Rollstuhl-Sport-Verein (RSV) Bayreuth an. "Ich hatte mit dem Tischtennis von Null angefangen und merkte sehr schnell, dass mir der Sport hilft, wieder zu einem besseren Lebensgefühl und mehr Fitness zu kommen. Für einen Querschnittsgelähmten ist Bewegung ganz wichtig; und auch unter Leute zu kommen." Wenig später nahm er am Spielbetrieb teil, der RSV startete in der Regionalliga Süd-Ost. Hohner qualifizierte sich für die Deutsche Meisterschaft im Rollstuhl-Tischtennis, wo er in seiner Wettkampfklasse den elften Platz erreichte. Mit dem RSV stieg er in die 2. Bundesliga auf, im vergangenen Jahr hielt er die Klasse. "Das werden wir auch in dieser Saison schaffen", so der stets optimistische Spieler.

Hohner spielt mittlerweile nicht nur im Bayreuther Rollstuhl-Verein, sondern auch beim TSV Stadtsteinach. "Heiko ist ein Glücksfall für uns. Er passt zu unserer Leistungsstärke und alle Aktiven schätzen seine zuverlässige, unkomplizierte und hilfsbereite Art", sagt TSV-Abteilungsleiterin Heidi Zahner. Hohner hat einen Stammplatz in der 2. Mannschaft und hilft auch in der Ersten aus.
Hohner hat nicht nur zurück in den Sport, sondern auch wieder in die Arbeit gefunden. Der gelernte Energieanlagen-Elektroniker und Kälteanlagenbauer-Meister ist in Kulmbach beim Heizungs- und Kühlsystem-Herstteler "Glen Dimplex" als Meister beschäftigt. Im Jahr 2015 begann er mit der Eingliederung, "ich bin sehr dankbar, dass ich an meine alte Arbeitsstelle zurückkonnte. Das war ganz wichtig und hat mich wieder aufgebaut, denn ich war eine große Sorge los und konnte mich auf andere Sachen konzentrieren", sagt Hohner.

Den größten Halt, sein Schicksal zu meistern, gaben ihm jedoch seine Freunde und seine Familie. Besonders dankbar ist er seiner Zwillingsschwester Tanja: "In unserer Kindheit waren wir teilweise wie Hund und Katz, aber was Tanja mir dank ihrer Energie alles auf die Beine gestellt hat, um mir die Ankunft in meinem Zuhause so angenehm und reibungslos wie möglich zu machen, ist wirklich kaum zu toppen. Ihre Hilfsbereitschaft hält bis heute an und ich kann mich zu jeder Tages- und Nachtzeit auf sie verlassen. Das ist wahnsinnig schön."