Die Stimme des Kirchleuser Spielertrainers Sebastian Lerner ist immer noch ein wenig rau. "Die Feierlichkeiten zogen sich über einige Tage hin", verrät der 35-Jährige. Kein Wunder, denn Kirchleus kehrt nach dreijähriger Abstinenz in die Fußball-Kreisklasse zurück. Die Kirchleuser krönten eine starke Aufholjagd in der A-Klasse 6 Kulmbach mit dem 4:1-Sieg in einem dramatischen Saisonfinale um Platz 2 beim TSV Ködnitz, der damit in letzter Sekunde noch auf den Bronzeplatz zurückfiel. Und dann nutzten die Kirchleuser gleich ihre erste Relegationschance gegen den BC Leuchau, den sie vor 450 Zuschauern in Melkendorf mit 5:4 nach Elfmeterschießen niederrangen. "Sowas erlebt man nicht oft, ich muss meiner Mannschaft ein dickes Kompliment machen", sagt Lerner.

Aufstieg war kein Muss

Dabei war der Aufstieg nicht einmal ein Muss, erklärt der Spielertrainer: "Vor der Saison wollten wir nur so gut wie im Vorjahr oder etwas besser sein, sprich Platz 3 oder 4 erreichen. Denn in dieser Liga waren so viele Mannschaften, die sich als potenzieller Meister oder Aufsteiger angeboten haben."

Kirchleus erwischte dann auch noch einen ausbaufähigen Ligastart: "Wir kamen anfangs erstmal nicht richtig in Schwung. Aufgewacht sind wir nach der ersten Saisonniederlage gegen die Blaicher", meint Lerner. Danach gewann Kirchleus acht Spiele in Serie und etablierte sich auf dem 3. Rang hinter dem Führungsduo BSC Kulmbach und TSV Ködnitz.

Doch dann schien der FC innerhalb weniger Wochen sämtliche Aufstiegschancen zu verspielen. Sebastian Lerner blickt zurück: "Gegen Harsdorf und Rugendorf haben wir Anfang Oktober nach schwachen Vorstellungen verloren. Der Tiefpunkt war im November die 0:4-Pleite in der Blaich." Das Ziel sei dann "eigentlich nur noch der 3. Platz gewesen".

Doch im neuen Jahr gewann Kirchleus neun von zehn Spielen und holte ein Unentschieden (durch ein Last-Minute-Tor im Nachholspiel gegen Ködnitz). Dass der TSV Ködnitz immer wieder Federn lässt, damit hätte Sebastian Lerner nicht gerechnet: "Das war der Gipfel. Noch einmal die Chance bekommen und diese dann zu nutzen, ist unbeschreiblich."

Nur drei Tage später schon das nächste große Spiel gegen Leuchau. "Dieses verrückte Spiel spiegelt diese komplett verrückte Saison einfach perfekt wider", meint Lerner. Denn nach einem Eigentor eine Minute vor Schluss stand der FC kurz vor der ersten Niederlage im neuen Jahr. Doch mit einem direkten verwandelten Freistoß in der Nachspielzeit sorgte Spielertrainer Lerner selbst für das Comeback, das der FC im Elfmeterschießen mit dem Sieg krönte.

Gleich drei Top-Torjäger im Team

Am Ende hat sich der FC den Aufstieg auch deshalb verdient, weil er mit erzielten 124 Toren in 28 Spielen den mit Abstand besten Sturm der Liga stellte. Allein 97 Treffer gingen auf das Konto von Alexander Limmer (41 Saisontore), Christian Pöhlmann und Andre Leppert (je 28). "Mit ihnen hatten wir natürlich drei sehr kaltschnäuzige Torjäger", sagt Lerner. Bei aller Wertschätzung gegenüber diesem Trio dürfe man aber den Rest der Truppe nicht vergessen, meint Lerner: "Wir hatten gleichzeitig die zweitbeste Defensive der Liga. Außerdem haben in den entscheidenden Partien gegen die oberen Teams meistens andere Spieler die wichtigen Tore geschossen, weshalb hier ganz klar der kompletten Mannschaft ein Kompliment zu machen ist." In der kommenden Kreisklassen-Saison zählt für Lerner nichts anderes als der Klassenerhalt: "Diese Liga wird brutal schwer und ausgeglichen werden. Wir wollen so schnell wie möglich die 30-Punkte-Marke knacken."

Der Torhüter geht

Personell ändert sich beim FC nicht viel: "Wir haben ein paar potenzielle Neuzugänge im Gespräch, spruchreif ist aber nichts." Einziger Abgang ist Torhüter Pascal Meussgeier, der zum Ligakonkurrenten TSC Mainleus wechselt. Dieser Wechsel schmerzt allerdings sehr, denn bisher steht Kirchleus noch ohne Torhüter da: "Unser Stammtorhüter Marcel Hahn hat sich das Kreuzband gerissen und fällt aus. Wir müssen und werden deshalb auf dieser Position nachrüsten, können da aber noch nichts konkretes darüber sagen", verrät Lerner.