Schweiß fließt übers Gesicht. Die Oberschenkel brennen, während sie das eigene Gewicht und das der Stange in der Hockposition halten. Dann dröhnen die Lied-Zeilen "Bring Sally Up" aus den Lautsprechern der Lagerhalle im Kulmbacher Gewerbegebiet. Das Signal dafür, dass zwölf Menschen ihre Beine durchdrücken, bis sie aufrecht stehen. Kurz darauf folgen beim Lied "Flower" von Moby die Zeilen "Bring Sally Down" und die Kursteilnehmer von Crossfit Kulmbach quälen sich zurück in die Hocke.

"Das Tolle an Crossfit ist, dass alle Muskelgruppen beansprucht werden", sagt Trainer Ralf Müller. Er leitet die Kulmbacher "Box", wie die Trainingshalle beim Crossfit heißt, seit vier Jahren. Das Training sei abwechslungsreich, mit einer großen Bandbreite an Übungen für Ausdauer, Kraft, Geschicklichkeit und Koordination. Crossfiter rudern, klettern Seile hoch und bewegen große Lasten. Sie setzen Gewichthebe- und Eigengewichttechniken ein, verwenden Stangen und Kugelhanteln. Tage nach dem ersten Training schmerzen dann so ziemlich alle Muskeln, als steckten kleine Dolche darin. Auch das hat Müller an der Sportart fasziniert: "Im Fitness-Studio habe ich stundenlang trainiert, um Fortschritte zu machen. Beim ersten Mal Crossfit war ich nach zehn Minuten ausgepowert."

Zuvor hat Müller mehr als 20 Jahre in Studios trainiert und professionelles Bodybuilding betrieben. Nach einer Auszeit wegen einer Verletzung testete er eine Crossfit-Box in Nürnberg und war sofort begeistert. Die Trainingsmethode kommt aus den USA und verbreitete sich Ende der 1990er-Jahre unter Polizisten und Soldaten. Einen großen Boom erlebt der Sport seit dem Jahr 2010. In Deutschland trainieren mittlerweile rund 25 000 Sportler in etwa 200 Boxen Crossfit. Ein gleichnamiges US-Unternehmen vertreibt die Lizenzen. Müller zahlte für seine rund 1000 Dollar. Dazu muss er 3000 Dollar im Jahr zahlen, um sich Crossfit-Trainer nennen zu dürfen. "Geschickt gemacht", fasst der nebenberufliche Finanzberater das Geschäftsmodell zusammen. Für ihn sei es aber ein guter Deal: "Ich durfte mein Hobby zum Beruf machen."


Wie eine kleine Familie

In seiner Box trainieren mittlerweile etwa 100 Teilnehmer, im ersten Jahr waren es 18. "Es ist in gesunder Art gewachsen, mehr brauche ich nicht. Anders als ein Fitness-Studio, dass möglichst viele Leute will, die möglichst selten kommen, sind wir eine kleine Gruppe aktiver Mitglieder, die zusammenhält." - "Wie eine kleine Familie", fügt Teilnehmerin Nina Riedel hinzu. Die 28 Jahre alte Kulmbacherin kommt seit zwei Jahren zu Müllers Kurs, drei bis fünf Mal in der Woche. "Es macht Spaß, man fühlt sich ausgepowert und gut." Die Faszination scheint geschlechtsunabhängig zu sein. Zumindest sind heute ebenso viele Frauen wie Männer beim Training. Sie feuern sich gegenseitig an, beglückwünschen sich zu überstandenen Strapazen und reden über ihre Fortschritte.


"Burpees" und "Deadlifts"

Darüber, dass einem beim ersten Crossfit-Versuch der Speichel bis zum Brechreiz in den Mund schießt, wird eher selten gesprochen. Im ersten Teil eines Trainings wärmen sich die Teilnehmer gemeinsam auf. Im Zweiten waren jeweils drei "Deadlifts" (Aufheben der Gewichtsstange vom Boden in den Stütz) und zehn "Burpees" (Liegestütze mit Strecksprung) über die Stange im Wechsel dran; zehn Mal je eine Minute. Die Mischung aus Kraft und Ausdauer verträgt zu Beginn nicht jeder Magen, daher der Name "Burpees" von englisch "to burp" für "aufstoßen."



Dieses Gefühl hat Johannes Schäfer nicht mehr. Er kommt seit zwei Jahren in die Box und nimmt am Samstag am "3. Battle of Kulmbach", dem jährlichen Crossfit-Wettbewerb teil. "Es ist abwechslungsreich und man lernt sich schnell kennen", beschreibt der 34-Jährige aus Neuenmarkt seine Begeisterung für den Sport. Außerdem schätze er die Professionalität des Trainers, der sehr auf die korrekte Ausführung der Übungen achte, um Verletzungen vorzubeugen. Das ist für Müller auch der Grund, höchstens zwölf Teilnehmer zu einer Trainingseinheit zuzulassen, "sonst verliert man den Überblick", erklärt er. Müller kümmert sich auch um den gemeinsamen Fortschritt: "Wenn jemand länger nicht kommt, rufe ich schon Mal an."

Infos zum "3. Battle of Kulmbach"

Der Crossfit-Wettbewerb "Battle of Kulmbach" findet am Samstag zum dritten Mal statt.

Was?
"Battle" nennt sich ein Wettbewerb beim Crossfit. In Kulmbach treten 90 Sportler aus 30 Boxen (u.a. München, Berlin, Dresden, Frankfurt, Köln, Hamburg) an.

Wann? Das "Battle of Kulmbach" findet am 23. September statt. Die ersten Workouts beginnen um 9.15 Uhr, die letzten um 15 Uhr. Die Siegerehrung ist um 19.45 Uhr,

Wie? Es gibt vier Klassen, in denen ein Sieger ermittelt wird. Die Männer und Frauen sind jeweils unterteilt in "RX" und "Scaled". "RX" ist die höhere Gewichtsklasse, die im normalen Training auch an der Tafel steht und vom Trainer vorgegeben wird, "Scaled" ist die niedrigere, die normalerweise frei wählbar, im Wettkampf aber ebenfalls festgelegt ist.

Wo? Der Wettbewerb findet in der Crossfit- Box von Ralf Müller am Bienenhofweg 15 in Kulmbach statt.