Der Nachwuchs der beiden derzeit besten deutschen Fußball-Vereine gab sich gestern in Neudrossenfeld di Ehre. Beim 3:1-Sieg der U17 des FC Bayern München gegen den RB Leipzig stand auch ein Kulmbacher auf dem Platz - der gerade 17 Jahre alt gewordene Nico Böhmer aus Trumsdorf (Gemeinde Thurnau) agierte als Abwehrchef der "Roten Bullen".


FC Bayern München - RB Leipzig 3:1 (0:1)
Für beide Juniorenteams war es der letzte Test vor dem Rückrundenstart am zweiten Februar-Wochenende. Der klare 3:1-Sieg der Münchner Bayern täuscht über den wahren Spielverlauf hinweg, denn die "RasenBallsportler" aus Leipzig waren mit einem bedingungslosen Pressing über weite Strecken des Spiels tonangebend.
In den ersten zehn Minuten war aber die Truppe von Tim Walter - er spielte früher beim Karlsruher SC in der Bundesliga - am Drücker und versäumte es in dieser Phase, durch Alexander Nitzl und Elias Kratzel in Führung zu gehen.

Danach kam allerdings Leipzig und hatte durch Noad Pablo Mekonnen und Nationalspieler Elias Abouchabaka Riesenmöglichkeiten, um in Führung zu gehen. Vor allem Abouchabaka zeigte in der 14. Minute, welches Talent in ihm steckt, als er gleich drei Bayern-Spieler wie Slalomstangen stehen ließ, aber dann in Bayern-Keeper Michael Wagner seinen Meister fand.

Es dauerte bis zur 32. Minute, ehe die Leipziger Junioren aus der Überlegenheit auch Kapital schlugen. Nico Böhmer, der aus dem Thurnauer Ortsteil Trumsdorf stammt, stand bei einem Eckball goldrichtig und ließ mit seinem platzierten Kopfball dem Bayern-Keeper keine Abwehrchance. Nur eine Minute hätte Elias Abouchabaka freilich das 2:0 machen müssen, als Lars Lukas Mai allzu sorglos agierte, doch Bayern-Keeper Wagner machte die Riesenchance mit einer tollen Parade zunichte.

Auch nach dem Wechsel hielt die Überlegenheit der "RasenBallsportler" an. Fontaine, Majetschak, Ludewig und Born vergaben nacheinander tolle Möglichkeiten. Kein Wunder, dass Bayerns-Trainer Tim Walter laut wurde und sein Team wach rief: "Wir sind doch nicht zum Spaß hier!" Bayern spielte jetzt aggressiver, wobei RB Leipzig zunehmend die Kräfte schwanden.

Dem Ausgleich in der 67. Minute durch Progon Maloku und dem 2:1 nur eine Minute später durch Oliver Batista Meier gingen herrliche Spielzüge voraus. Auch das 3:1 durch Marin Pudic entsprang einem blitzsauberen Konterangriff.

Die Bayern brachten den Sieg über die Zeit und Leipzig wurde damit weiter unter Wert geschlagen.

FC Bayern München: Wagner - Nitzl, Lungwitz, Jelisic, Mai, Pudic, Kratzer, Heiland, Batista Maier, Zylla Karatas - König, Haumer, Maloku, Brugger, Rausch, D`Almeida, Patoulidis
RB Leipzig: Krahl - Fontaine, Böhmer, Ludewig, Born, Krüger, Majetschak, Krauß, Hoppe, Abouchabaka, Mekonnen - Wehking, Treu, Urban, Bachmann, Böhme, Reinkober
Tore: 0:2 (32.) Böhmer; 1:1 (67.) Maloku; 2:1 (68.) Batista Meier; 3:1 (72.) Pudic. - Schiedsrichter: Potemkin (SV Friesen). - Zuschauer: 130.


Vom Club nach Leipzig

Mit Nico Böhmer (17), der beim TSV Thurnau das Fußball-Ein-Mal-Eins erlernte, stand ein Juniorenspieler im Kader des Bundesligisten RB Leipzig, der aus dem Thurnauer Ortsteil Trumsdorf stammt und dort auch noch sein Elternhaus mit seiner Familie und seine Freunde hat: "Mit 15 Jahren bin ich zunächst für zwei Jahre zum 1. FC Nürnberg gegangen und kam dann über Umwege zu RB Leipzig. Ich habe mir RB Leipzig einfach einmal angesehen und war von dem Nachwuchsleistungszentrum voll überzeugt. Ich bin daneben in einer Sportschule, die auch gut mit dem Verein koordiniert ist. Wenn wir zum Beispiel schulische Probleme haben, bekommen wir dort Nachhilfe angeordnet. Ich will in dem Jahr meinen Realschulabschluss machen und danach die Fachoberschule besuchen. Danach will ich im besten Fall so schnell wie es geht, irgendwie im Profifußball unterkommen.

RB-Trainer Sebastian Hoeneß (34) ist seit fünf als lizenzierter Fußballtrainer tätig und seine Trainerstationen führten über Hertha Zehlendorf zum RB Leipzig: "Ich arbeite jetzt seit dreieinhalb Jahren in Leipzig im Juniorenfußball. Die Entwicklung, die der Verein gegenwärtig vor allem im Seniorenbereich nimmt, ist gut und positiv. Ralf Rangnick ist bei RB Leipzig der wichtigste Mann, das steht außer Frage. Er ist der Architekt des Erfolgs. Ich habe noch bei Hoffenheim unter ihm gespielt. Er ist auch im Juniorenbereich überall präsent.

Bayern-Trainer Tim Walter (41) sagt: "Der Spielort in Neudrossenfeld ist für uns sehr angenehm, weil für beide Vereine der Fahrtweg in etwa gleich ist. Es ist mein zweites Jahr beim FC Bayern München. Ich war zuvor zehn Jahre beim Karlsruher SC. Es ist schade, dass der KSC nicht mehr hochkommt, denn er ist ein Verein mit großer Tradition, der mir immer noch Herzen hängt. Wir trainieren beim FC Bayern einmal am Tag. Die Jungs sind an der Eliteschule und haben dort zweimal die Woche noch vormittags Training. Es ist eine Eliteschule des DFB, mit der wir kooperieren. Die Jungs sind zwar pflegeleicht, weil sie wissen, was sie wollen. Aber es ist schon immer auch eine Frage des Alters, denn sie sind trotzdem auch wie andere Jungs in der Pubertät und haben auch andere Bedürfnisse. Die Zusammenarbeit mit Tobias Schweinsteiger als Co-Trainer ist top, wir profitieren gegenseitig voneinander."


Stimmen zum Spiel

Bayern-Trainer Tim Walter: Leipzig war uns allein körperlich haushoch überlegen. Wir waren allein von der Körpergröße bei weiterem unterlegen. Da muss man versuchen, es fußballerisch zu lösen. Und das haben wir in der Schlussviertelstunde ganz gut gemacht. Was den Spielaufbau angeht, war es von unserer Seite gut. Es ist schwierig gegen so eine Mannschaft, die so eine körperliche Präsenz hat, immer mutig zu sein und immer cool zu bleiben, keine Bälle zu schlagen, sondern zu zocken und das haben sie meiner Meinung nach gut gemacht. Ich bin mit den Jungs zufrieden.
RB-Trainer Sebastian Hoeneß: Es lag nicht nur an der Auswechslung, dass wir in der Schlussviertelstunde eingebrochen sind. Wenn man 1:0 führt, das zweite Tor nicht macht und aus dem Gefühl der Dominanz dann ein bisschen nachlässt, dann entsteht so eine Niederlage. Plötzlich war das erste Gegentor da und dann auf einmal Verunsicherung. Das Pressing-Spiel ist bei RB Leipzig eine durchgängige Grundphilosophie.
Ex-Bayern Spieler Dieter Hoeneß: Leipzig hätte nach dem 1:0 noch das 2:0 und 3:0 machen müssen, denn es waren Chancen ohne Ende da. Bis zum 1:1 hat Leipzig das Spiel komplett dominiert, danach muss man sagen, sind die Bayern mit guten Ballstafetten zum Sieg gekommen. Auch wenn mein Sohn RB Leipzig trainiert, sind es immer noch meine Bayern. Im Herzen bin ich immer noch Rot.
Bayern-Fan und Landrat Klaus Peter Söllner: Wir haben ein Spiel auf einem tollen Niveau gesehen, wobei auch ich als Bayern-Fan sage, dass bis zur 65. Minute wirklich die Zeichen klar auf Leipziger Sieg standen. Ich freue mich für Neudrossenfeld, denn die Investition in den Kunstrasenplatz lohnt sich. Wieviele Spiele dort an einem Winterwochenende stattfinden, ist gigantisch.
Stellvertretender Landrat Dieter Schaar: Es war spielerisch und läuferisch wirklich ein klasse Spiel. Irgendwo hat man auch gesehen, dass die Philosophie der beiden Bundesligamannschaften 1 zu 1 von oben nach unten durchgereicht wird, so dass alle Jugendmannschaften offenbar das gleiche System spielen. Und solange Leipzig die Kraft hatte, das Pressing zu spielen, waren sie auch auch besser als Bayern.