Zwei Aufsichtsräte - Radio-Reporter Günther Koch und Hanns-Friedrich Schamel - wollten die Führung um Sportvorstand Martin Bader und Finanzvorstand Ralf Woy stürzen, fanden aber in ihrem Gremium keine Zustimmung. Auch nicht die des Kulmbachers Christian Ehrenberg, der seit 2011 zusammen mit seinem Kollegen Ralf Peisl die Interessen der Club-Fans im neunköpfigen Aufsichtsrat vertritt. Der 41-Jährige äußerte sich am Rande einer Feier anlässlich des fünfjährigen Bestehens der Club-Freunde Oberfranken im Trebgaster Ortsteil Lindau zur Krise beim Club. Ehrenberg, der am am Dienstag, 30. September, als Aufsichtsrat wiedergewählt werden will, sagte: "Es war ein stürmische Woche. Der 4:0-Sieg in Berlin hat aber sehr viel dazu beigetragen, dass wieder Ruhe eingekehrt, weil man auch gesehen hat, dass man die Neuverpflichtungen, die für die neue Saison geplant waren, ganz spät bekommt."

Dass die letzten Tage für den Club äußerst turbulent verliefen, daraus macht das Mitglied des Aufsichtsrates kein Geheimnis. Chris Ehrenberg sagt: "Die Unruhe ist aus einer einer Sitzung des Aufsichtsrates erwachsen. Es gab unterschiedliche Meinungen, was bei Vereinen, die in der Krise sind, nicht unüblich ist." Ehrenberg bedauert aber, dass Internas aus der Sitzung nach außen gedrungen sind. Wer der "Maulwurf" war, will Ehrenberg nicht verraten.

Aufsichtsräte traten zurück
Nach den Differenzen im höchsten Club-Gremium traten die Aufsichtsräte Manfred Müller und Hanns-Friedrich Schamel zurück. Was Ehrenberg sehr bedauert: "Manni Müller war einer, der als ehemaliger Spieler viele interessante Aspekte in das Gremium brachte. Wir hatten ein sehr, sehr gutes Verhältnis. Ich kann ihn aber vollauf verstehen, weil ich seine Gründe kenne. Bei Herrn Schamel war es ebenso."

Christian Ehrenberg erklärt, warum der Club im Sommer Wolfgang Wolf als Sportdirektor geholt hat: "Es gibt viele Gründe, warum man in der Struktur was geändert hat. Einer ist sicherlich, dass die Aufgaben immer vielfältiger werden. Wir haben uns Bayern München nicht unbedingt als Vorbild genommen, aber wir haben erkannt, dass das eine Stelle ist, mit der wir in Nürnberg sportlich besser aufgestellt sind."

Doch wann kehrt beim 1. FC Nürnberg endlich wieder Ruhe ein? "Die Ruhe ist für einen Bundesligaabsteiger mit einem immensen Kaderumbruch - ich weiß nicht, ob es das schon einmal im Profifußball gegeben hat - nie gegeben." Und war der 4:0-Sieg in Berlin die sportliche Trendwende? Ehrenberg sagt: "Das Spiel bei Union Berlin zeigt nicht, dass der Umschwung schon geglückt ist. Genausowenig wie die Niederlage gegen Frankfurt gezeigt hat, dass alles gescheitert ist. Es wird jetzt auf die nächsten Wochen ankommen. Dann muss man den Kader und das Ziel Aufstieg bewerten."

Der Fan-Bezirkskoordinator Dieter Altmann ist seit 1960 Mitglied beim 1. FCN und hat schon alle Höhen und Tiefen des Vereins erlebt. "Ein richtiger Club-Fan ist leidensfähig und der geht durch Dick und Dünn. Ich weiß nicht, ob das ein Club-Fan braucht, aber ich brauche es. Das Auf und Ab verbindet." Einen auch mit dem Club."

Warum der Club zum achten Mal aus der Bundesliga absteigen musste, erklärt Altmann sich so: "Ich glaube, viele Spieler hatten keine Lust mehr, für den Club zu kämpfen. Ich schätze, dass sie damals schon Verträge von anderen Vereinen hatten." Die Vorsitzende des FCN-Fanverbandes Claudia Marsching betreut gegenwärtig 240 Fan-Clubs mit 18 400 Mitgliedern. Auch sie ist auf die Spieler der Abstiegsmannschaft nicht gut zu sprechen: "Das war schon teilweise Arbeitsverweigerung, was die Mannschaft geboten hat."
Mit Birgit Reichardt von der Kulmbacher Brauerei ernannten die Club-Freunde Oberfranken zum Jubiläum ein neues Ehrenmitglied.