Keinen Sieger gab es am Samstag im Kulmbacher Stadtderby der Fußball-Bezirksliga. Doch mit dem 1:1 konnte am Ende weder der VfB noch der ATS wirklich zufrieden sein. Und auch die Zuschauer kamen nur bedingt auf ihre Kosten. Einzig eine sensationelle Parade von Samuel Flieger am Ende war ihr Eintrittsgeld wert.

Die Partie lief dabei von Beginn an zugunsten der Metzdorfer. Nach zuletzt zwei Heimsiegen in den beiden letzten Jahren ging der Matchplan erneut perfekt auf. Während noch zahlreiche Zuschauer auf Parkplatzsuche um das Stadion herum waren, traf Tobias Schneider nach einem nur unzulänglich geklärten Ball zur schnellen VfB-Führung. "Das war natürlich günstig für uns", sagte Coach Klaus Eichhorn hinterher, "da wir damit tief stehen und unser Spiel durchziehen konnten."

Die Gäste aus Weiher mühten sich redlich, den kompakten Defensivriegel der Blau-Weißen zu knacken - aber erfolglos. Torchancen für die Schützlinge von Armin Eck in Halbzeit 1: Fehlanzeige. Doch auch die Metzdorfer blieben vor dem Cukaric-Gehäuse harmlos. Der hatte lediglich bei einem Freistoßgeschenk des Unparteiischen einzugreifen, als er Seners 16-Meter-Versuch parierte (32.).

Ansonsten zeigten sich beide Abwehrreihen höchst präsent und aufmerksam, ließen nichts zu. Was schlussendlich für die Gastgeber ärgerlicher war. Schließlich verpassten sie es in der ein oder anderen Situation, den finalen Ball in die Nahtstellen der sehr hoch agierenden ATS-Abwehr zu spielen und damit in ihr Tempospiel über die Außenbahnen zu kommen. Zu clever agierten Patrick Werther und Co.: Immer wieder war am Ende ein ATS-Abwehrbein in den VfB-Angriffsversuchen und blockte diese.

Da seine Mannen es weiterhin nicht schafften, den VfB-Abwehrverbund über direktes Kurzpassspiel zu knacken und sich in langen Bällen verzettelten, reagierte Armin Eck. Mit Izzet Nacak brachte er dabei den Dosenöffner. Der zuletzt sechs Wochen lang verletzte und erst einmal voll trainierende Ex-Neudrossenfelder sorgte für Tempo und Kreativität im Kampf gegen die allmählich müder werdenden Gastgeber, die dem hohen Laufaufwand der ersten Stunde Tribut zollen mussten.

Stellte Paul Konovs Fallrückzieher nach einem Eckball nur eine vorsichtige Torannäherung dar, wurde es minütlich brenzliger für die Metzdorfer, die sich aus der fast schon an ein Handballspiel erinnernde Dominanz der Gäste kaum mehr befreien konnten. Die ATS-Akteure ließen das Spielgerät um den Strafraum zirkulieren, einzig der letzte Pass kam nicht.

Nach 72 Minuten machte Christopher Klaszka erstmals auf sich aufmerksam, als er knapp verpasste. Es war jedoch offensichtlich, dass die Gastgeber dem Dauerdruck der nur noch mit einer Dreierkette agierenden Gäste nicht mehr lange standhalten würden. Und so kam es dann auch zum Ausgleich. Der allerdings ein äußerst wohlwollendes Gastgeschenk war. Nach einem Auner-Freistoß durfte Christopher Klaszka völlig alleine gelassen einköpfen.

Für lange Gesichter beim VfB hätte Levin Pauli sorgen können. In der Schlussminute tauchte er alleine vor Samuel Flieger auf, scheiterte aber an einem sensationellen Reflex des VfB-Keepers. Den wieder vor seine Füße prallenden Ball setzte er unbedrängt am langen Pfosten vorbei.


Vom Patienten zum Punktgaranten

Der 20-jährige VfB-Schlussmann Samuel Flieger rettete in der Schlussphase mit einer starken Parade seinem Team den Punkt im Derby. Dabei lag der 20-Jährige von Sonntag bis Dienstag noch mit einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus - Einsatz im Derby ungewiss. Zum Glück für die Metzdorfer konnte er. Schließlich weilt Claudio Dresel in China, Torwart Nummer 3, Michael Hein, weilte beruflich in Bamberg, weshalb Platzwart Matthias Grampp auf der Bank Platz nahm.

Während VfB-Trainer Klaus Eichhorn bis auf die beiden langfristig verletzten Niko Gierlich und Tobias Müller und den beruflich bedingt in China weilenden Ersatztorwart Claudio Dresel alle Mann an Bord hatte, musste ATS-Coach Armin Eck erneut eine ellenlange Ausfallliste vermelden. Die allerdings lichtet sich so langsam: Christopher Klaszka stand etwas überraschend wieder zur Verfügung, Christian Auner wie geplant. Und zu guter Letzt konnte nach sechswöchiger Verletzungspause auch Izzet Nacak in der Schlussphase wieder mitwirken - und dem Spiel die entscheidende Wende verpassen.

Die Gäste beklagten sich vor allem in Hälfte 1 über den ein oder anderen Pfiff. Vermutlich war es aber mehr der Ärger über die eigene Leistung. Bis auf einen höchst zweifelhaften Foulpfiff - Konov soll Wagner gefoult haben, es war wohl andersherum - gab es wenig am Unparteiischen auszusetzen. Was sich auch daran zeigte, dass nach dem Spiel kein einziger auch nur ansatzweise dessen Leistung thematisierte.


Trainerstimmen

Klaus Eichhorn (VfB Kulmbach): Ich bin aufgrund der Schlussphase zufrieden, aös uns Samuel Flieger mit einer sensationellen Parade den Punkt noch festhält, auch wenn Lewin Pauli den Nachschuss natürlich machen muss. Der frühe Treffer war für uns günstig, so konnten wir unser Spiel einfacher durchziehen und tief stehen. 60 Minuten lang haben wir das richtig gut gemacht und den ATS vom Tor weggehalten. Danach waren wir läuferisch am Ende, der hohe Aufwand hat sich bemerkbar gemacht. Es ärgert mich, dass wir in der ein oder anderen Kontersituation den letzten Ball nicht auf die Außen gebracht haben. Noch mehr ärgert mich aber der Ausgleich. Die Zuteilung war klar. Und ich kann vielleicht jeden so zum Kopfball kommen lassen. Aber halt nicht Christopher Klaszka.
Armin Eck (ATS): Aufgrund der letzten 15 Minuten gehe ich eher mit einem negativen Gefühl aus dem Spiel. Da hatten wir zwei, drei hochkarätige Dinger, das Spiel noch zu entscheiden. Bis zur 70. Minute haben wir das Spiel zwar bestimmt, waren aber relativ ungefährlich, da haben wir die Zielstrebigkeit und den Willen vermissen lassen. Das frühe Tor kam dem VfB Kulmbach natürlich zugute, da läufst du hinterher. Ich bin ein bisschen hin- und hergerissen. Schließlich hätte das Spiel auch 1:0 für den VfB ausgehen können. ab




VfB Kulmbach -
ATS Kulmbach 1:1 (1:0)
VfB Kulmbach: Flieger - Sener (85. Höfner), Limmer, Lauterbach, Potzel, Wachter, Reuther (75. Braunersreuther), Wohlfart, Wagner, Krauß, Schneider (62. Kalburan).
ATS Kulmbach: Cukaric - Pauli, Auner, Löhrlein (53. Nacak), Münch, Klaszka, Günther, Dippold (70. Carl), Konov, Werther, Förster (79. Maiser).
Tore: 1:0 Schneider (4.), 1:1 Klaazka (83.). - Schiedsrichter: Mäusbacher (Fürth am Berg). - Zuschauer: 600.