In vielen Ländern beneidet man den Deutschen JKA-Karate-Bund um einen Karatelehrer wie Sensei Hideo Ochi. Der japanische Großmeister war nun zum 25. Mal Gast bei einem Lehrgang in Kulmbach. Der Leiter der hiesigen JKA-Karateschule, Henry Landeck, konnte dazu gut 200 Sportler aus dem gesamten Bundesgebiet begrüßen.
Der 76-jährige Hideo Ochi ist seit 1970 in Deutschland als Shotokan-Karatelehrer tätig, Europabeauftragter der Japan Karate Association (JKA) und Bundestrainer beim Deutschen JKA-Karatebund. Ochi Sensei wohnt in Bottrop, wenn er nicht gerade unterwegs ist, um bundes-, europa- oder weltweit Karatelehrgänge zu leiten.


Ein Lehrer von Landeck

Henry Landeck legte 1982 bei ihm seinen 1. Dan ab und wurde zehn Jahre später von Ochi zu einer Japan-Trainingsreise eingeladen.
Wie Henry Landeck feststellte, hat der Karate-Sport in der Bierstadt nach wie vor großen Zulauf: "Man kann sich nicht beklagen. Karate ist kein reiner Kampfsport, sondern eine Kampfkunst, die der Charaktervollendung dient. Die jungen Leute, die zu uns kommen, wollen natürlich Wettkämpfe bestreiten und bereiten sich im Training auch darauf vor." Für die älteren Mitglieder sei aber Karate eher eine Lebensphilosophie. Landeck: "Das heißt, sie machen den Sport, um zu einem körperlichen Wohlbefinden zu kommen mit einer inneren Ruhe und Ausgeglichenheit. Sie bringen damit Körper und Geist in Einheit."


Vorbereitung auf die EM

Zu den erfolgreichsten Kulmbacher Karatesportlern zählen derzeit Daniel Bergmann (20) und Christoph Röthlein (23). Christoph Röthlein kam über Umwege zum Karatesport: "Ich habe früher Fußball gespielt und irgendwann gemerkt, dass ich auf Grund einer Allergie Probleme mit der Luft hatte. Da war Fußball für mich nicht so das Richtige. Ich habe dann ein Schnuppertraining im Karate besucht, es hat Spaß gemacht, und ich bin dabeigeblieben."


Karate fördert die Disziplin

Seit nunmehr 1998 betreibt Christoph Röthlein Karate und ist inzwischen mehrfacher Deutscher JKA-Meister sowie Vize- und Europameister. "Karate ist für mich mehr als Sport. Es geht für mich dabei auch um Disziplin, die sich auf mehrere Situationen im Leben übertragen lässt", sagt Röthlein.

Daniel Bergmann ist wie Christoph Röthlein Mitglied im JKA-Nationalkader und wurde vom Bundestrainer für die Europameisterschaften im April in Dublin nominiert. Bergmann sagt: "Wenn es geht, wird täglich trainiert." Er ist natürlich stolz, für sein Land starten zu dürfen. "Das ist schon was anderes, als wenn es auf eine kleine Meisterschaft geht."


Ein bescheidener Großmeister

Der japanische Großmeister Sensei Hideo Ochi kam mit 14 Jahren zum Karate. "Während meiner Studienzeit an der Takushoku Universität in Tokio beschäftigte ich mich intensiv mit Karate, welches ich neben der Wirtschaftswissenschaft als zweites Fach belegt hatte."

Ochi schloss 1962 nach vierjährigem Studium diese erste Phase seiner Karateausbildung erfolgreich ab. In dieser Zeit sammelte er in der Universitätsmannschaft der Takushoku seine ersten Erfahrungen im Kumite-Shiai. 1964 wurde Ochi, damals Träger des 4. Dan, JKA-lnstructor und unterrichtete fortan in Tokio im Zentral-Dojo. In den Jahren 1965 bis 1969 errang Sensei Ochi seine großen Wettkampferfolge bei den All Japan Championships.

Im Jahr 1970 kam Ochi nach Deutschland, um im DKB die Nachfolge von Bundestrainer Kanazawa anzutreten. Die DKB-Nationalmannschaft führte er in den folgenden Jahren in Europa von Sieg zu Sieg. 1976 belegte er bei den Japanischen Meisterschaften den 1. Platz im Kata Shiai.

Noch immer hat sich Sensei Hideo Ochi mit Leib und Seele dem Karatesport verschrieben. Der Großmeister sagt: "Karate hat mich von Anfang an fasziniert. Karate kann jeder machen, er muss nur geduldig sein. Und man kann den Sport bis ins hohe Alter betreiben."


1993: Neuer Verband entsteht

Anfang der neunziger Jahre suchte Ochi neue Wege, um dem traditionellen japanischen Karate in Deutschland neue Impulse zu geben und einer drohenden Versportlichung entgegenzuwirken. So verließ er gemeinsam mit treuen Schülern 1992 den DKB und gründete ein Jahr später den Deutschen JKA-Karate-Bund.
Seine freundliche und bescheidene Art im Umgang mit den Sportlern haben ihn so beliebt gemacht. 1997 erhielt Sensei Ochi für sein Lebenswerk den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.