Es gibt immer weniger geprüfte Schiedsrichter, die sich Woche für Woche zur Verfügung stellen und die Fußballspiele in der Region pfeifen. Die Kulmbacher Schiedsrichter-Gruppe um Obmann Udo Konstantopoulos will als erste in Oberfranken das Problem offensiv angehen und hat deshalb zu einer Diskussionsrunde in die Gastwirtschaft Geuther eingeladen. Die Resonanz auf das Pilotprojekt war groß, denn nahezu alle Vereine folgten der Einladung, um gemeinsam mit BFV-Bezirksvorsitzendem Karlheinz Bram (Marktzeuln) und Bezirksschiedsrichter-Obmann Siegfried Brehm (Kemmern) nach Lösungen zu suchen.

Diskutiert wurden die Einführung des Vereinsschiedsrichters, die Rückkehr zum Reserve nspielbetrieb von der A-Klasse bis zur Kreisliga oder das "finnische Modell" mit 9 gegen 9.


31 "Karteileichen"

Die Schiedsrichtergruppe Kulmbach verfügt derzeit über 98 ausgebildete und aktive Schiedsrichter, als passive Schiedsrichter sind 46 notiert. Weitere 31 Schiedsrichter sind zwar noch gemeldet, kämen aber zu keinem Lehrabend mehr, pfeifen keine Spiele und wollten eigentlich nur den Ausweis. "Das ist schade, denn wir wollen keine Karteileichen haben. Sie lassen ja auch die Vereine im Stich", kritisierte Udo Konstantopoulos.

Die 98 Schiedsrichter müssen Woche für Woche für 60 bis 80 Spiele eingeteilt werden. Da nicht jeder der Unparteiischen immer Zeit habe, gäbe es oft Besetzungsprobleme. Konstantopoulos hält nichts von dem Vorschlag eines Vereinsvertreters, die Spiele in der Kreisliga nicht mehr mit Linienrichter zu besetzen: "Unsere jungen Schiedsrichter, die noch kein Auto haben und die ich noch keine B- und A-Klassenspiele pfeifen lassen kann, sollen als Assistenten bei unseren erfahrenen Schiedsrichtern etwas lernen. Da sehen sie, wie der richtige Umgang auf dem Platz und mit den Vereinsvertretern ist."

Udo Konstantopoulos machte deutlich, dass der Schiedsrichtermangel derzeit nur damit gelöst werden könne, weil manche Kollegen am Wochenende im Doppeleinsatz sind: "Wenn sie das nicht machen würden, dann würdet ihr als Vereinsvertreter öfter einmal ein E-Mail bekommen, dass ihr eure Spiele selber pfeifen müsst. In anderen Schiedsrichtergruppen ist das teilweise bereits in den B- und A-Klassen der Fall. Udo Konstantopoulos sagt: "Ich möchte schon zu jedem Spiel einen Schiedsrichter hinschicken, auch wenn es heißt, die Vereine sind in der Bringschuld. Sie müssen uns geeignete Kameraden schicken, die wir ausbilden und auch einteilen können." Doch er weiß auch, dass viele Vereine mehr denn je Probleme haben, überhaupt eine Mannschaft auf die Beine zu stellen.


Bonus für die Vereine?

Konstantopoulos brachte auch einen (finanziellen) Bonus für Vereine ins Spiel, die sich um Schiedsrichter-Nachwuchs bemühen. Als positive Beispiele nannte der Obmann die Vereine FC Ludwigschorgast, SV Motschenbach und TSV Harsdorf. Konstantopoulos versteht im Übrigen nicht, dass die Vereine Strafgelder für fehlende Schiedsrichter ausschließlich an den BFV zahlen müssen. "Die Schiedsrichtergruppe hat nichts davon, denn wir bekommen keinen Cent davon." Eine weitere Möglichkeit wäre der Einsatz von lizenzierten Übungsleitern, die im Besitz der Schiedsrichterprüfung sind oder von Jugendbetreuern. Schließlich hofft Konstantopoulos, dass sich mehr Spieler nach ihrem verletzungsbedingten Karriereende zum Schiedsrichter ausbilden lassen.

BFV-Bezirksvorsitzender Karlheinz Bram sagte: "Wir müssen unbedingt Nachwuchs bekommen. Nachwuchs bedeutet aber nicht nur 14- und 15-Jährige." Auch Bram will nach dem Motto "tausche Spielerpass gegen Schiedsrichterausweis" verstärkt ehemalige Aktive ansprechen. Einen finanziellen Bonus für Vereine, die sich im Schiedsrichterwesen engagieren, sieht Bram dagegen skeptisch. Ebenso bezeichnete es Bram als problematisch, Vereinen mit einem Punkteabzug zu drohen, die das Sollmaß an Schiedsrichter nicht erfüllen. "Das ist rechtlich keine einfache Sache."


Brehm lobt Kulmbacher Gruppe

Bezirksschiedsrichter-Obmann Siegfried Brehm lobte die Idee des Sportlerstammtisches und die Kulmbacher Gruppe: "Ich hätte nie gedacht, dass es nach manchen Querelen so hervorragend läuft. Udo Konstantopoulos ist wirklich sehr aktiv mit seiner Mannschaft."

In der anschließenden Diskussion sparten die Vereinsvertreter zwar auch nicht mit Kritik an den Schiedsrichtern, übten aber auch Selbstkritik. Jörg Hinsche vom TSV Harsdorf forderte die Rückkehr zur Reserverunde: "Die Probleme wachsen, denn wir haben Schiedsrichter- und auch Spielermangel." Ähnlich sahen es auch Hans-Günther Neugebauer vom SV Cottenau, Stefan Kollerer vom FC Kupferberg und Willi Wölfel von der SpVgg Wonsees. Oliver Popov vom SSV Peesten schlug vor, dass sich Schiedsrichter-Obmann Udo Konstantopoulos bei den Vereinen für Nachwuchs wirbt.

Manfred Rodler vom SV Grafengehaig/FC Frankenwald kritisierte die Respektlosigkeit gegenüber den Schiedsrichtern an. Hier müsse bereits im Jugendfußball angesetzt werden. Rodler übte aber auch Kritik am Auftreten mancher Schiedsrichter: "Manche denken, sie sind die Herrgötter in Schwarz.Ich habe das selber am eigenen Leib erfahren. Ein Schiedsrichter stellte in seinem Sonderbericht fest, dass ich ihm Schläge angedroht habe, was überhaupt nicht stimmte."