Celina Bär aus Himmelkron war die große Überraschung bei der Deutschen Fitnessmeisterschaft in der Dr.-Stammberger-Halle. Die 13-Jährige holte auf Anhieb den Titel in der Damenklasse - und das souverän.In keiner Disziplin war sich die Jury ihrer Sache so sicher.

Dabei durfte Celina Bär nur mit einer Ausnahmegenehmigung bei den Damen starten, denn sie erreicht erst am 20. November das Mindestalter von 14 Jahren. Nach ihrem Triumph unterhielt sich unsere Mitarbeiterin mit Celina Bär, die in Bayreuth die 8. Klasse des Markgräfin-Wilhemine-Gymnasium besucht.

BR: Was ist das für ein Gefühl, Deutsche Meisterin geworden zu sein?
Sehr schön, ich freue mich sehr. Ich bin ja schon einmal Erste geworden bei der Deutschen Newcomer-Meisterschaft im April. Aber dieses Mal hatte ich schon stärkere Gegnerinnen.

Warst Du aufgeregt?
Sehr. Es ist einfach etwas ganz anderes, wenn man nur vor seinem Trainer oder vor Teamkolleginnen die Kür zeigt oder vor so vielen Leuten wie in der Dr.-Stammberger-Halle. Meine Eltern waren auch da, das hat mich eher beruhigt. Wenn es nicht geklappt hätte, hätten sie mich wieder aufgebaut.

Hat irgendwas nicht so geklappt , wie Du Dir das vorgestellt hast?
Ja, es gab kleine Patzer. Beim Anfang saß ich zum Beispiel falsch herum. Und am Ende war die Kür auch nicht so perfekt, wie ich mir das gedacht hatte. Aber ich habe improvisiert und man hat das nicht gemerkt.

Seit wann betreibst Du Sportfitness?
So ziemlich genau seit einem Jahr. Ich trainiere in der Bärenhalle in Bindlach bei Markus Kittner.

Was ist Deine Stärke?
Ich denke, ich lerne ziemlich schnell.Viele Sachen schaue ich mir im Internet ab. Man muss die Übungen halt immer wieder machen, dann klappt das alles auch ganz gut.

Was ist Deine Schwäche?
Viele machen tänzerische Sachen in ihrer Kür, das kann ich gar nicht. Das schaut bei mir immer irgend wie komisch aus. Und meine Sprungkraft ist auch nicht die Allerbeste, finde ich. Die muss ich noch üben.

Musst Du auf die Ernährung und Gewicht achten?
Ich bin 1,65 Meter groß und ich wiege 46 Kilo. Ich denke, das ist ganz normal. Bis jetzt muss ich noch gar nicht auf Ernährung und Gewicht achten.

Hast Du Dich speziell auf die Meisterschaft vorbereitet?
Eigentlich habe ich gar nichts Spezielles gemacht, nur eben ein bisschen mehr trainiert. In den letzten zwei Monaten habe ich drei Mal pro Woche trainiert.

Kannst Du Dir vorstellen, irgendwann auch in einer anderen Klasse zu starten?
Nein, eher nicht. Ich finde es nicht so schön, wenn man als Frau so viele Muskeln hat. Deswegen sind die Bikiniklasse oder die Figurklasse nicht so meines. Aber Sportfitness möchte ich unbedingt weiter machen.

Was sind Deine nächsten Meisterschaften?
Ich freue mich schon auf die Jugend-Weltmeisterschaft Anfang Oktober in Belgrad und die Weltmeisterschaft im November in Dublin. Für die Meisterschaften bekomme ich ein paar Tage schulfrei. Ich bin aber gut in der Schule. Wenn ich mal ein oder zwei Tage nicht da bin, ist das nicht so schlimm.

Unterstützen Dich Deine Eltern?
Ja, sehr. Aber nach Belgrad fahren meine Eltern nicht mit. Auch von den anderen Jugendlichen sind die Eltern nicht dabei. Nach Irland fliegt meine Mutter mit.

Was haben Deine Eltern zu Deinem Erfolg gesagt?
Sie waren total erstaunt und haben sich mit mir gefreut. Wir haben ein bisschen gefeiert - auch am Sonntag.

Wie kam die Idee zu Deiner Choreographie?
Die erste Minute habe ich mir ausgedacht, auch meine Eltern haben mir geholfen. Den Rest habe ich mir dann mit den Trainern ausgedacht. Bei so einer Kür sollten in jedem Fall Liegestütze und Kraftelemente dabei sein, Pflichtelemente gibt es nicht. Ich habe zwei oder drei Kraftelemente dabei gehabt wie den "Breast Stand", den hatten die anderen nicht. Man muss halt ziemlich dehnbar sein im Rücken, um das hinzubekommen. Aber so schwer ist das nicht. Das kommt so nach und nach.

Welche Note hast Du im Schulsport?
Eine Eins - aber ich habe mich darüber sehr gewundert. Denn eigentlich hatte ich zwei Dreier. Basketball, Volleyball, Fußball kann ich gar nicht. Mag ich auch nicht.

Hast Du noch andere Hobbys?
Ich reite noch. Aber ich habe kein eigenes Pferd, aber bald eine Reitbeteiligung. Dann will ich das Reiten ausbauen so auf zwei oder drei Mal pro Woche.

Welches Ziel möchtest Du erreichen?
Wenn ich Weltmeisterin werden würde, wäre das schon cool. In der Jugend sowieso, aber auch bei den Erwachsenen wäre der Titel toll. Und wenn's bei diesen Meisterschaften nicht klappt, probiere ich es einfach das nächste Mal wieder. So schnell gebe ich nicht auf.

Soll der Sport einmal ein Beruf werden?
Ich glaube, Sportfitness soll eher Hobby bleiben. Wenn man das als Beruf macht, dann müsste man jeden Tag trainieren und hätte keine Zeit mehr für Freunde und Familie. Und als Fitnessmodell will ich gar nicht tätig sein, Bikiniklasse ist nicht so meines.

Welche Chancen rechnest Du Dir gegen erfahrene Sportler aus?
Von der Beweglichkeit hätte ich schon gute Chancen, aber die anderen haben eben mehr Erfahrung und können vielleicht bessere Sprünge - also Rückwärtssalti oder so was. Sprünge muss ich noch üben. Dafür, dass ich das alles erst ein Jahr mache, bin ich zufrieden. Aber besser zu werden, ist schon schön.

Manche Jugendliche in deinem Alter chillen lieber. Was treibt Dich an, Sport zu machen?
Mir macht das einfach sehr viel Spaß und ich will was erreichen. Wenn man Weltmeisterin wird, dann lohnt sich das Training doch auch. Der Deutsche Meistertitel ist zwar nicht mit einem Geldpreis verbunden. Aber das brauche ich auch nicht. Es gibt eben einen Pokal. Und der steht schon auf meinem Regal in meinem Zimmer. Ich kann das alles noch gar nicht fassen.

Das Gespräch führte unsere Mitarbeiterin Sonny Adam