Noch vor Weihnachten werden die Maschinen in der Kuspi endgültig stehen bleiben: Am Dienstag teilte Insolvenzverwalter Bastian Messow den Beschäftigten in einer Betriebsversammlung mit, dass die Kulmbacher Spinnerei nicht mehr zu retten ist. Einziger Lichtblick: Die Färberei, um die es auch nicht gut steht, wird zunächst weiterlaufen.

Die Nachricht hat die Spinnerei-Mitarbeiter nicht geschockt. Sie hatten längst geahnt, dass das Aus besiegelt ist. "Das war uns schon klar, als zum zweiten Mal Insolvenz angemeldet wurde", sagt ein langjähriger Beschäftigter, der wie 35 bis 40 Arbeitskollegen seinen Job verlieren wird. Der Mann, der anonym bleiben will, ist stinksauer. Seine Wut ("Und die aller, die jetzt zum Arbeitsamt müssen") richtet sich allen voran gegen Marco Marchetti, den Schweizer Investor, der die Spinnerei 2011 übernommen hatte. Der habe große Versprechungen gemacht, aber nichts investiert. "Wir sind uns verarscht vorgekommen. Ernsthafte Bemühungen, den Betrieb zu retten, hat er wohl nie unternommen", erklärt der Mann, der über Geschäftsführer Jürgen Knecht sagt: "Er war immer da. Marchetti hat sich in Mainleus fast nie sehen lassen."

Dass die Belegschaft die Entscheidung gerade vor Weihnachten hart trifft, das weiß auch Insolvenzverwalter Messow. "Aber bevor man den Leuten Hoffnungen macht, ist es besser, mit der Wahrheit offen umzugehen." Die Beschäftigten hätten auf die Schließung der Spinnerei "mit großer Traurigkeit reagiert, obwohl wir die Hoffnung klein gehalten haben".

Als Grund für das Aus der Spinnerei - über 30 Beschäftige in der Färberei werden ihren Job behalten - nennt Messow fehlende Aufträge. "Es war nicht möglich, mit den vorhandenen Aufträgen kostendeckend weiter zu arbeiten." Zwar werde es einen Sozialplan geben, aber ob Geld an die Mitarbeiter fließen wird, sei nicht sicher. Messow hat Masse unzulänglichkeit bei Gericht angezeigt. Das bedeute, dass kein Geld für Abfindungen da sei. "Für die Zeit, die die Leute gearbeitet haben, bekommen sie aber ihr Geld." Jetzt gehe es in die Ausproduktion, die noch vor Weihnachten beendet sein soll. "Dann werden die Maschinen zum Stillstand kommen", sagt Messow.

"Letztlich haben wir verloren"

Und die Aussichten bleiben weiter schlecht, auch für die Färberei, erklärt Geschäftsführer Jürgen Knecht. "Der Hauptabnehmer stellt komplett auf Indonesien um." Und auch die Automobilindustrie stehe auf der Bremse - mit Folgen für die Zulieferer wie die Kuspi. "Wir werden im Januar sehen, ob wir die Färberei fortführen können." Das Mengengerüst sei im Vergleich zum September um 30 Prozent gesunken. "Ich habe den Mitarbeitern gesagt, dass wir gekämpft haben - gegen die Globalisierung, die Energiekosten und den Einbruch des Marktes. Und letztendlich haben wir verloren", so Knecht.

Die Mitarbeiter haben wortreiche Erklärungen satt. Die Ausproduktion, von der Messow spricht, sei schon seit Wochen im Laufen. "Es hat doch nur noch eine Restfertigung stattgefunden", klagt der langjährige Mitarbeiter, der in den nächsten Tagen seine Kündigung erhalten wird. Er und die meisten seiner Kollegen verlieren mit dem Aus der Spinnerei nicht nur ihren Arbeitsplatz - für die meisten, die dort gelernt und Jahrzehnte gearbeitet haben, war die Spinnerei ein wichtiger Teil ihres Lebens.