Er ist (noch) kein Bundestagsabgeordneter und Gedanken darüber, was im günstigsten Fall eventuell passieren könnte, macht er sich auch nicht. Doch dem jungen Kulmbacher Bundestagskandidaten Simon Moritz ist beim SPD-Bezirksparteitag am Wochenende in seiner Heimat ein Erfolg gelungen, der so nicht zu erwarten war: Der 28-Jährige hat sich immerhin gegen den früheren Coburger Bundestagsabgeordneten Carl-Christian Dressel durchgesetzt und für den Bundestagswahlkreis Kulmbach den zweiten Männerplatz geholt.

Bisher keine Perspektive


"Damit", so Moritz, "hat Kulmbach zumindest eine Perspektive bei der Bundestagswahl im nächsten Jahr. Das ist ja schon mal ein Fortschritt." Denn bei den letzten Wahlen habe Kulmbach "von vornherein keinerlei Perspektive" gehabt.

Beim Parteitag der SPD im Mönchshof-Bräuhaus (Bericht gestern, Seite 3) ging es darum, getrennt nach Frauen und Männern, eine Reihenfolge der fünf oberfränkischen Kandidaten aus den fünf Bundestagswahlkreisen festzulegen - und damit die Weichen zu stellen für deren Platzierung auf der Landesliste.

Wenn man davon ausgeht, dass die SPD kein Direktmandat holt, können die Kandidaten den Einzug in den Bundestag nur über die Landesliste schaffen. Kurz gesagt: je weiter vorn - desto größer die Chancen.

Die letzte Entscheidung trifft der SPD-Landesparteitag, der mit den Empfehlungen der Sozialdemokraten aus den sieben bayerischen Bezirken die Landesliste zusammenstellt.

Bei den Frauen in Oberfranken belegt Anette Kramme, Bayreuth, Platz 1 vor Petra Ernstberger, Hof. Es gilt als ausgemacht, dass beide als Bundestagsabgeordnete über die Liste abgesichert werden. Kramme unter den ersten sieben Kandidaten in Bayern und Ernstberger auf den Plätzen 8 bis 14.

Der Dreikampf


Weitaus spannender geht es bei den oberfränkischen SPD-Männern zu. Denn, wer hier die Nummer eins ist, kommt in die dritten Gruppe (15 bis 21). Sollte die SPD nach ihrem desaströsen Abschneiden 2009 mit 16,8 Prozent zulegen können, wären auch dies noch einigermaßen aussichtsreiche Listenplätze. Klarer Sieger im Dreikampf: der Strullendorfer Bürgermeister Andreas Schwarz (Wahlkreis Bamberg-Forchheim) mit 45 Delegiertenstimmen vor Carl-Christian Dressel (23) und Simon Moritz (13). Um den zweiten Platz bewarben sich die beiden unterlegenen Kandidaten - und der Ex-MdB aus dem Wahlkreis Coburg-Kronach zog überraschend den Kürzeren: nur 35 Stimmen für Dressel, aber 48 für Moritz.

Der Kulmbacher erklärt sich den Erfolg so: "Offenbar habe ich bei meiner Vorstellung viele Delegierte überzeugen und auf meine Seite ziehen können." In den acht Minuten spricht er davon, dass er etwas für die Jungen tun will und dass die Region Kulmbach-Lichtenfels wieder besser vertreten sein muss.

Landtagsabgeordnete Inge Aures meint, dass er gut angekommen ist: "Der Simon weiß, wovon er redet. Er macht kein Palaver drumrum, und das hat die Delegierten zu recht überzeugt." Das Ergebnis freut sie: "Es ist eine deutliche Verbesserung für die Kulmbacher SPD, da wir ja sonst eigentlich immer mit dem letzten Listenplatz Vorlieb nehmen mussten." Und Aures hofft, dass die SPD an frühere Erfolge anknüpfen kann - als man zu Günter Verheugens Zeiten (1983 bis 1999) in Oberfranken schon mal vier SPD-Abgeordnete hatte.

Zwischen Platz 22 und 28


Simon Moritz wird sich am Ende auf einem Platz zwischen 22 und 28 wiederfinden. Er weiß: "Damit bin ich nicht abgesichert." Wenn es für den Bundestag reichen soll, müsste die Partei schon ein sensationelles Ergebnis hinlegen. Denn es gilt die Faustformel: Jedes Prozent in Bayern bedeutet für die SPD einen Abgeordneten.
Mit seinen Chancen, mit Eventualitäten oder Ausgleichs mandaten will sich Moritz (noch) nicht beschäftigen. "Wir müssen zulegen", lautet sein Motto.