Wie setzt man eine medizinische Naht? Am Hautnaht-Trainer des Kulmbacher Klinikums erfahren die beiden Iraker Fadil Khalid (18) und Quaidi Saad (22), wie es geht. Für die jungen Männer ist die Aufgabe, die ein operationstechnischer Assistent aus dem Effeff können muss, Neuland. Darauf angesprochen, welchen Beruf sie einmal ergreifen möchten, kommen gleich mehrere Antworten. "Etwas Handwerkliches, wie Maler, Lackierer, Tischler oder Automechaniker", meint Fadil, während Khalil "Schreiner und Automechaniker" als Berufswunsch anführt. Aber auch einer Arbeit am Klinikum Kulmbach sind die beiden nicht abgeneigt.

Das ist der Grund, weshalb sie am Samstag bei der 29. Kulmbacher Ausbildungsmesse im Beruflichen Schulzentrum am Stand des Krankenhauses vorbeischauen. Die beiden zählen zu den Unentschlossen, die auf die Frage nach ihrem Lieblingsberuf, noch nicht so recht wissen, wo die berufliche Reise einmal hingehen soll. Eine Schneise durch das Dickicht aus Hunderten von Ausbildungsberufen, Berufsfachschulen und dualen Studiengängen schlägt, wie alle Jahre wieder, die Kulmbacher Ausbildungsmesse. Veranstaltet wird sie vom Landkreis Kulmbach und dem Arbeitskreis Schule-Wirtschaft. "Sie gibt Schülern Orientierung bei den Fragen ‚Was mache ich?‘ und ‚Wo gehe ich hin?‘", sagt Landrat Klaus Peter Söllner. Zusammen mit Vorsitzendem Michael Pfitzner vom Arbeitskreis Schule-Wirtschaft und Schulleiter Alexander Battistella eröffnet er die Messe.

Die Zahl der Aussteller ist in diesem Jahr von 123 auf 127 gestiegen. "Das ist ein Allzeithoch", schwärmt Söllner. Auch die Volks- und Raiffeisenbank Oberfranken Mitte ist wieder mit einem Stand vertreten. Die 16-jährige Jana Stöcker schnappt sich eine witzige Brille und macht ein Selfie von sich. Was sie einmal werden möchte? Darauf angesprochen antwortet die Kulmbacher Mittelschülerin: "Einen Beruf im Bereich E-Commerce." Aber nur auf diesen Bereich will sich die junge Frau nicht fokussieren: "Ich könnte mir vorstellen, auch auf einem anderen Gebiet, ein Praktikum zu machen." Bei der Ausbildungsmesse, will sie sich nach entsprechenden Möglichkeiten umschauen.

Der 12-jährige Luca Korn schnuppert am Stand des Kulmbacher Unternehmens "Dornhöfer" Stahlbauerluft. Mit Feile und Schraubstock macht er, assistiert von der Auszubildenden Maryann Jannek, aus einem schnöden Stück Edelstahl einen schicken Flaschenöffner. "Auf der Tastatur eines Computers herumzutippen, ist mir zu langweilig. Ich sehne mich nach einem Beruf, bei dem ich mich körperlich verausgabe", sagt der Kulmbacher. Metallbauer ist nicht der einzige Beruf, den der Messebesucher interessant findet. "Der Job eines Brauers und Mälzers würde mich ebenfalls reizen."

Die kaufmännische Richtung will Romina Schulze einschlagen. Die 17-Jährige aus Kulmbach möchte einmal Industriekauffrau oder Kauffrau für Büromanagement erlernen. "Von der Warenbeschaffung über die Buchhaltung bis hin zum Verkauf - Kaufleute haben einen äußerst abwechslungsreich Job", meint die junge Frau.

Flanieren, informieren und ausprobieren - das ist es, was Hunderte von Jugendlichen, begleitet von ihren Eltern und Großeltern, unternehmen. Die Vielzahl der Stände, die allesamt dicht umlagert sind, lässt so gut wie keine Berufswünsche offen. Fachvorträge und Workshops runden das Angebot ab.

In der Schreinerwerkstatt wird eifrig gesägt und gehämmert. Die jungen Leute sind mit Feuereifer bei der Sache. "Das Arbeiten mit Holz macht mir Spaß", sagt Ljupche Jovanovski. Auch der Beruf des Kfz-Mechatronikers käme für den 16-Jährigen in Frage. Der Kulmbacher findet es gut, dass es die Ausbildungsmesse gibt. "Hier kann ich meine eigenen Fertigkeiten und Fähigkeiten sowie Stärken und Schwächen erkennen", sagt er.