Das war's für die alte Mälzerei Müller: Demnächst rückt der Abrissbagger bei dem historischen und stadtbildprägenden Backsteinbau an. Der Stadtrat gab gestern grünes Licht für das Megaprojekt des Rosenheimer Investors Drösel, der in der Pestalozzistraße einen Komplex mit 157 Wohneinheiten - 120 für Studenten, 37 für Senioren - bauen will. Dazu auch unser Kommentar.

Nach kurzer Debatte stimmten OB Henry Schramm, CSU, SPD, WGK und Grüne am Donnerstag in seltener Einigkeit überein, dass das Mälzereigebäude nicht erhaltenswert sei. Dagegen war nur einer: Thomas Nagel von der FDP. Über seine Beweggründe erfuhr man aber nichts.

KZ-Öfen für Auschwitz

Erhalten bleibt nur der Darrturm, der entkernt wird und als Treppenhaus dienen soll. Hier hätte man sich auch schwer getan: Denn das siebengeschossige Backsteingebäude in neugotischen Formen steht unter Denkmalschutz. Es wurde 1910 nach Plänen von J. A. Topf & Söhne, Erfurt, erbaut - ein Unternehmen, das im Dritten Reich zu zweifelhaften Ehren kam: Es baute die Krematorien und KZ-Öfen für Auschwitz und andere Vernichtungslager.

Ingo Lehmann (SPD) erklärte, dass man die öffentliche Debatte - auf der Facebook-Seite der Bayerischen Rundschau wurden die Pläne des Investors von vielen Kulmbachern kritisiert - sehr ernst nehme. Für künftige Fälle solle man sich Gedanken machen. Für zielführend hielt er eine Altstadtsatzung.

Auch wenn der Neubau bei ihm "Grummeln" verursache, sprach sich Hans-Dieter Herold (Grüne) dafür aus, das seit Jahren verfallende Areal für Studentenwohnungen zu nutzen. Mehr Sorgen mache ihm, dass nach dem Auszug von Kaufland bald keine innerstädtische Versorgung mehr mit Gütern des täglichen Bedarfs möglich sei.

Auf den langen Leerstand verwies auch Ralf Hartnack (WGK). Er zitierte eine Stellungnahme des Landesamts für Denkmalpflege, dass die Gebäude abgebrochen werden dürfen.

Michael Pfitzner (CSU) erklärte, dass man sich nicht vorwerfen lassen müsse, nicht sorgsam mit dem kulturellen Erbe umzugehen. Er sei froh, dass Leben in die Stadt reinkommt.

Problem: Fenster und Balkone

Aber das Großprojekt ist noch nicht ganz in trockenen Tüchern. Es geht, wie berichtet, um Abstandsflächen. Das Bauamt merkte an, dass sich durch eine Vielzahl von Fenstern und Balkonen auf der östlichen Grundstücksseite - also beim Kinogässchen - Einblicksmöglichkeiten auf die gegenüberliegenden Häuser ergebe. Dadurch werde die Privatsphäre der Nachbarn erheblich beeinträchtigt.

Vier Parteien, so die Verwaltung, hätten über ihren Anwalt schriftliche Einwände vorgebracht. "Trotz mehrfacher Versuche des Bauherrn wurde keine Einigung herbeigeführt. Sollte eine Genehmigung trotz dieser Nachbareinwände von der Stadt Kulmbach erteilt werden, könnte bei einem Klageverfahren die Baugenehmigungsbescheid aufgehoben werden", hieß es.