Im ganzen Land stöhnen die Gastronomen, dass die Bundesligaspiele im Bezahlsender Sky so teuer sind, dass sich eine Übertragung nicht mehr lohnt. Für viele ist das Angebot schlichtweg zu teuer. Doch "Kesselstuben"-Chef Michael Stöcker hat sein Programm sogar ausgebaut: In Zukunft können bei ihm zwei Spiele gleichzeitig übertragen werden - und er zahlt weniger als bisher.

Gastwirt Michael Stöcker strahlt übers ganze Gesicht. Endlich ist die Bundesliga-Pause vorbei, ab heute geht es an jedem Wochenende wieder richtig rund bei ihm in den Weiherer "Kesselstuben". Die Traditionsgaststätte wird zur Fußballhochburg. Denn nicht nur der Bayern-Stammtisch fühlt sich in dem Lokal zu Hause, sondern Fußballfans aller Art. "Und das Beste ist, ich zahle in Zukunft monatlich dreißig Euro weniger als bisher", bringt Michael Stöcker die Tarifveränderungen des Bezahlsenders Sky auf den Punkt.

Abo seit 25 Jahren

"Ich habe es zuerst auch nicht glauben können, denn ich habe natürlich von dem Aufstöhnen vieler Gastronomen gehört", sagt Stöcker. Doch es ist wahr. Die "Kesselstuben" haben schon seit mehr als 25 Jahren den Bezahlsender abonniert. Schon zu Zeiten, als Sky noch Premiere hieß und Medienmogul Leo Kirch dafür verantwortlich war.
"Wir zahlten schon mal 6000 Euro im Jahr und hatten nur einen Receiver. Das fiel uns schon schwer, denn das Angebot musste sich ja erst herumsprechen. Aber wir waren einfach überzeugt davon", sagt Stöcker . Inzwischen hat sich das Zusatz-Angebot für Fußballfans herumgesprochen und die Gaststätte ist zum Geheimtipp geworden.
Bei Heimspielen sind natürlich viele Bayern-Fans live im Stadion, doch bei den Auswärtsspielen und bei Championsleague-Übertragungen platzt die Wirtschaft aus allen Nähten. Manchmal musste der Wirt schon Gäste wegschicken, weil einfach kein Platz mehr war. "Oft kommen die Leute schon zwei Stunden vor Spielbeginn, essen in aller Ruhe und freuen sich dann auf die Übertragung", freut sich der Gastronom. Und natürlich sichern sie sich so auch die besten Plätze.
Der harte Bayern-Kern, der eigentlich nie ein Spiel verpasst, besteht aus ungefähr dreißig Fußballfans. "Die Bayern sind einfach nette Fans. Die schreien auch mal und fiebern mit, aber immer mit Stil", sagt der Vater des Kesselstuben-Chefs, Xaver Stöcker, und gibt zu, dass er heimlich für den FC Köln schwärmt. Sohn Michael dagegen ist völlig neutral.
Tatsächlich gibt es in Kulmbach kaum noch Gaststätten, in denen die Fußball-Bundesliga live übertragen wird. Jörg Geuther von der "Alten Feuerwache" erklärt, dass man sich vom Bezahlsender schon damals verabschiedet habe, als die Gebühr nach Quadratmetern berechnet wurde. "Wir sind einfach zu groß. Das wäre für uns viel zu teuer", sagt Geuther. "Das wäre für uns nicht finanzierbar. Deshalb übertragen wir nur Champions-League-Spiele und eben Europa- und Weltmeisterschaftspartien, die in den öffentlich-rechtlichen Programmen kommen", so Geuther. Bei solchen Gelegenheiten sei Fußballparty in der Wache angesagt.

"Völlig indiskutabel"

Auch die In-Bar "Liquid" hat das Sky-Abo schon vor über einem Jahr gekündigt. "Für uns sind mehr als 300 Euro im Monat einfach zu viel. Und wenn jetzt die Preise weiter steigen, wäre das völlig indiskutabel", sagt Britta Weschenfeler. Zudem sei das "Liquid"-Publikum gar nicht so fußballbegeistert.
"Wir hatten mal Sky, aber da hatte unser Check-Point einen anderer Pächter. Wir betreiben das Checkpoint ja als Spielhalle und es besteht gar kein Bedarf", sagt Tina Kaiser.
Derweil bereitet sich Michael Stöcker auf den Ansturm in der neuen Bundesliga-Saison vor. Er ist überzeugt, dass diese schöner wird als je zuvor.

Differenzierter und fairer

Sky selbst verteidigt seine Preisveränderungen übrigens als "differenzierter und fairer als das alte System". Denn bei der Berechnung der neuen Gebühren für den Bezahlsender sei nicht nur die Größe des Lokals ausschlaggebend, sondern auch die lokale Kaufkraft und die Sportaffinität der Bevölkerung würden berücksichtigt. Und davon profitieren kleine Gaststätten - manchmal so, dass die Preise sogar purzeln.
Dass die "Kesselstuben" deutlich billiger wegkommen, liegt sicher auch daran, dass die Gaststätte ein bisschen außerhalb der Innenstadt liegt. Denn auch das führt zu einer Senkung.
Die Fußballfreunde in Kulmbach und Umgebung jedenfalls wird's freuen.