Die Wagner-Adaptionen von Regisseur Uwe Hoppe sind mittlerweile rund um die Festspielzeit eine feste Einrichtung in Bayreuth. Mit der Aufführung von Wagners Erstlingsstück bringt die Studiobühne Bayreuth im Wagnerjahr erneut Sehenswertes auf die Bühne. Jahrelang war das Manuskript zu "Leubald" verschwunden. Erst 1978 konnte das Original von der Richard-Wagner-Stiftung auf einer Londoner Auktion erworben werden.


Seit 1989 im Programm

Die Studiobühne Bayreuth hat das Stück ab 1989 in ihr Programm aufgenommen. Auch damals schon unter der Regie von Uwe Hoppe.

Im Jubiläumsjahr 2013 wird Leubald nun erneut aufgeführt. Am Samstag feierte das Stück nach dem Steingraeber-Palais auch im Sanspareiler Felsengarten Premiere.

Richard Wagner hatte einst den Plan gefasst, komponieren zu lernen, um sein Theaterstück Leubald mit Musik unterlegen zu können. Da es dazu schließlich aber nicht mehr gekommen ist, sind für die Aufführung der Studiobühne Episoden aus den Opern Wagners entnommen. Hans Martin Gräbner lässt am Klavier musikalisches Material aus Tristan, dem Holländer und den Meistersingern ertönen.

Wagners erstes Stück hält, was es verspricht. Zum einen trägt es bereits eindeutige Wagner-Züge. Viele der Figuren haben starke Gemeinsamkeiten mit Figuren späterer Werke des Komponisten, zum Beispiel der Leubald. Er trägt eindeutige Züge des späteren Siegmund, Siegfried und Tristan. Adelaide ist sicherlich die Vorläuferin von Sieglinde oder Isolde. Auch dieHexe ist offenbar eine Idee Wagners, die er auch später wiederbelebt: Sie hat Züge von Klingsor, aber auch von den durch die Luft reitenden Walküren.

Zum anderen steckt aber auch die Inspiration durch andere Künstler in "Leubald". Shakespeare, aber auch Goethe hat Wagner offenbar so genau gelesen, dass er sie quasi verinnerlicht hat. Wagner war damals offenbar der festen Überzeugung, etwas Einzigartiges geschaffen zu haben. Im Endeffekt ist es aber ein Sammelsurium aus verschiedenen bekannten Stücken von König Lear bis hin zum Götz von Berlichingen.

Die Handlung ist verworren. Eine Zusammenfassung sei trotzdem versucht: Leubald (Jürgen Skambrak) ist der Familie von Roderich freundschaftlich verbunden. Dann jedoch wird er vom Geist seines toten Vaters (Georg Mädl) aufgefordert, das Haus Roderich auszulöschen. Adelaide (Annette Lauckner) ist die Tochter Roderichs (Uwe Hoppe) und verliebt in Leubald. Sie wird vom Ritter Bärting (Sascha Retzlaff) geraubt, der auch mehrfach versucht, sie zu vergewaltigen. Leubald erwischt ihn jedoch und tötet ihn. Flamming (Waldemar Zimmermann), ein Landstreicher, will sich wegen eines anderen Streites an Leubald rächen und spielt ebenfalls das ganze Stück über eine zentrale Rolle.

Die Hexe - grandios authentisch gespielt von Charis Hager - belegt Fläming mit einem Bann und wird am Ende von Leubald erschlagen. Na, war das alles ein bisschen verworren? Ganz genau! So ist das Stück "Leubald"...


Entsetzte Familie

Dass Wagner zur Entstehungszeit von Leubald noch ein Jugendlicher war ist nicht zu übersehen. Schon als er mit 15 Jahren das Trauerspiel fertig stellt und es seiner Familie präsentiert, ist diese entsetzt. Alles, was sich bei seinen literarischen Vorbildern an Grausamkeiten, Derbheiten und schier Unerträglichem finden lässt, ist in eine wirre Handlung zusammengeflossen. Dieses Wilde, Tragik-komische, Verworrene hat jedoch seinen ganz eigenen Charme.

Die Studiobühne Bayreuth unter Regie von Uwe Hoppe nimmt die Grundzüge des Stückes wie immer gekonnt auf. Der verklärte Blick von Adelaide, die überbetonte Sprache und die ausladende Gesten unterstreichen das Skurrile an Wagners Werk. Vor allem Leubald passt mit seiner fast weiblichen Art in dieses Schema. Das Merkwürdige und auch die Geschwindigkeit prägen das Stück. Figuren werden umgebracht, und ihre Geister tauchen wieder auf, und das in unglaublichem Tempo - so viel Kurzweil ist für Wagner-Freunde sicher eine ganz neue Erfahrung.