Der über Tausende von Jahren natürlich gebildete Fluss Steinach wird zurückgehalten, gestaut, um anderen Absichten unterlegen zu sein. Der Sage nach soll der Germanengott Thor mit seinem Hammer eine Bresche in den Sperrriegel des Felsen geschlagen haben, damit zum Dank die Steinach unmittelbar danach die Waffenschmiede antrieb. Heute noch erinnert der Thorkopffelsen an diese germanische Gottheit.

Wettstreit um Talsperre

Vor über 100 Jahren gab es einen Wettstreit zwischen Bad Berneck und Stadtsteinach um einen Talsperrenbau, den Stadtsteinach wegen wirtschaftlicher Gründe gewinnen sollte. Man war der Meinung, dass an dieser Stelle der Bau einer Staumauer keine großen Schwierigkeiten bereite, da sie in den 50 Meter hohen Felsit-Porphyr-Riegel gut passe. Dadurch bildet sich unterhalb des hochgelegenen Ortes Wildenstein bis zur Neumühle ein natürlicher Kessel unter dem 100 Meter aufragenden Galgenberg, der mit Einschluss der Neumühle den Stausee ergeben würde. Ausläufer dieses Sees würden sich in die Seitentäler des Schlackenmühlbaches und des Großen Rehbaches erstrecken.

Die zirka 20 Kilometer lange Steinach wurde einst die Kalte Steinach oder auch die katholische Steinach genannt. Das Gefälle beträgt von den Quellen bis zur Mündung in die Schorgast in Untersteinach 335 Meter. Die beiden Hauptquellen sind der Große Rehbach aus dem Gebiet der Großrehmühle bei Marktleugast und der Schlackenmühlbach. Jedoch liefern weitere kleine Rinnsale - der Kleine Rehbach von Neuensorg kommend, der Tiefenbach und der Schwärzleinsdorfer Bach aus Richtung Triebenreuth, der Kesselbach von Römersreuth sowie der Engersbach und Schremelsbach von der Grünbürg ins Tal zufließend - frisches Quellwasser.

Erst mit dem Zusammenfluss des Rauschbaches mit dem Rehbach oberhalb der Neumühle bezeichnet man den Fluss als die Steinach, früher auch die Untere Steinach genannt. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde auf der Steinach sogar geflößt.

Zur Regulierung des Mains

Diese Idylle sollte mit einem Stausee beendet werden. Eigentlicher Zweck der Anlage sollte ein Wasserspeicher zur Regulierung des Mainwasserstandes und damit die Sicherung der Großschifffahrtsstraße Bamberg - Rhein sein. Weiter sollte mit der Anlage ein großes Elektrizitätswerk betrieben werden, das besonders auch zur Hebung des Fremdenverkehrs dienlich sein würde. Man redete dieses Projekt für alle schön und versuchte, auch Zweifler zu überzeugen. Man argumentierte mit einer Bereicherung der Orte Wildenstein, Triebenreuth, Weidmes, Seifersreuth und Schlopp, da das Landschaftsbild sich positiv verändern werde. Alle um den See liegenden Ortschaften, ganz besonders "Wildenstein am See", rechneten in dem seenarmen Landkreis Stadtsteinach mit einem bedeutsamen Aufschwung des Fremdenverkehrs.

42 Meter Stauhöhe

Die Elektrizitäts-Aktiengesellschaft, vormals Schuckert & Co aus Nürnberg, versuchte also seit 1907 bei der Regierung von Oberfranken eine Erlaubnis für den fünf Kilometer langen Stausee zu erlangen. Eine Stauhöhe von 42 Meter, eine Staufläche von 60 Hektar und ein Gesamtstauraum von zehn Millionen Kubikmeter Wasser waren Zahlen, die überzeugen sollten. Eine Kraftanlage war zwischen Hochofen und Deinhardsmühle angedacht worden.

Ein Wolkenbruch in der Nacht vom 7. auf den 8. August 1908, der die Steinach in eine reißende Flutwelle verwandelte und das Hochwasser in den Straßen der Stadt Stadtsteinach 1,60 Meter hoch ansteigen ließ, überzeugte die letzten Gegner und man wünschte sich den Bau auch als Hochwasserschutz.

Nun war das Bezirksamt Stadtsteinach am Zuge. Doch es fehlte das Geld. Man investierte in die geplante Bahnstrecke Untersteinach-Stadtsteinach 25 000 Mark und in den Ausbau der Straßen Zettlitz-Wartenfels und Marienweiher-Stammbach 75 000 Mark. Man sah sich außer Stande, dieses Projekt zu realisieren, obwohl die Vermeidung der Hochwasserschäden akut war.

Doch auch die Genehmigung und die Zustimmung der Regierung wollten nicht eintreffen. Außerdem s stellte das Ministerium des Innern Bedingungen, so dass im November 1909 von der Durchführung des Vorhabens Abstand genommen wurde.

Der zweite Anlauf

Nach zehn Jahren, im Januar 1919, griff die Kulmbacher Spinnerei das Projekt der Steinachtalsperre noch einmal auf. Diesmal scheiterte das Stauvorhaben, das vielleicht für den Landkreis von schicksalhafter Bedeutung gewesen wäre, sehr schnell an den zu weitgehenden, wasserrechtlichen Ansprüchen der Ellern´schen Papierfabrik am Ausgang des Steinachtales, die für das ganze Projekt und Unterfangen zu einer dauernden und zu großen Belastung geführt hätten.

Aus heutiger Sicht erhebt sich die Frage, ob dieses Vorhaben eine einmalige Gelegenheit wirtschaftlichen Aufschwungs für den Landkreis Stadtsteinach gewesen wäre. Oder würde heute eine weitere Ruine das Steinachtal verschandeln. Würde das Wasser in Zeiten des Klimawandels reichen, den See zu füllen?

Oder ist alles, so wie es heute erscheint, viel schöner? Ein herrliches, unberührtes Tal, das viele Wanderer einlädt, von der Ruine Nordeck an der Waldschänke vorbei durch die idyllische Steinachklamm zur "Käsmühl" zu wandern und zu entspannen...