Wenn acht Polizisten fast im Gleichschritt über das Bierfestgelände laufen, brauchen sie sich keine Wege zu bahnen: Ihnen machen die Leute von alleine Platz. Die Einsatzkräfte wollen, dass alles friedlich bleibt. Deshalb ist die Bereitschaftspolizei (BePo) zur Bierwoche in Kulmbach angereist, um ihre Kollegen von der Polizeiinspektion Kulmbach zu unterstützen.

Die Beamten aus Kulmbach sind während der Bierwoche nämlich doppelt belastet: Die üblichlen Aufgaben fallen schließlich trotzdem an.

Jürgen Stadter, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken, kann in diesem Zusammenhang resümieren: "Bisher gab es weniger Straftaten, vor allem weniger Gewalttaten, das heißt Körperverletzungen, als letztes Jahr zur dieser Zeit." Allerdings betont er auch, dass die Kulmbacher Polizei den Einsatz alleine nicht stemmen könnte und deshalb die Nürnberger Kollegen seit Jahren täglich anrücken.

Von Festen, Festivals und Demos

Dieses Jahr ist auch Herbert Gröschel, der Pressesprecher der BePo, dabei und klärt auf: "Die hier eingesetzten Polizisten sind alle frisch fertig mit der Polizeiausbildung." Gerade während dieser Ausbildung werden sie darin geschult Situationen zu überblicken und einzuschreiten, bevor es eskalieren kann.

"Das passiert häufig in Rollenspielen, bei denen die Kollegen auch mit ähnlichen Situationen wie denen auf den Volksfesten konfrontiert werden." - Und bei solchen Volksfesten hat auch die 14. Hundertschaft, die hier in Kulmbach unterwegs ist, einiges schon erlebt. Gruppenführer Christoph G. war schon auf vielen Festen und Festivals: "Dort sind leider Körperverletzungen Standard. Bei Demos geht es dann oft heißer her, weil man einfach zwischen den Fronten steht. Richtig Angst um mein Leben habe ich in Heiligendamm gehabt. Dort wurden Gehwegplatten auf uns geworfen. Da hilft halt auch ein Helm nichts mehr."

Als der Zug der BePo dann auf dem Bierfest ankommt, sind die Blicke der Besucher präsent. Immer, überall und sehr unterschiedlich. Während die einen abfällig schauen und Kommentare unter der Gürtellinie ablassen, werden die jungen Beamten auch angehimmelt.

Der Satz "Bei der Polizei sind ja nur gutaussehende Typen", ist wohl einer, den die jungen Polizisten gerne hören. Christian N., der seit 2010 bei der Polizei ist, bestätigt, was viele sich wohl denken: "Die Kommentare hört man schon, man muss aber dann manchmal einfach auf Durchzug schalten, wenn es auch nicht immer einfach ist."
Herbert Gröschel betont in diesem Zusammenhang, dass darauf auch in der Ausbildung viel Wert gelegt wird: "Man lernt sich rauszunehmen und zu denken: Der meint die Uniform, nicht mich. Außerdem wird immer wieder trainiert, den Zustand der Personen zu berücksichtigen. Wir versuchen, uns in die Leute rein zu versetzen, schließlich sind wir auch normale Menschen."

Wie die Tiere im Zoo

Manchmal macht es allerdings den Eindruck, als seien die Polizisten Tiere im Zoo. Die Menschen starren sie an und sprechen über sie, als würden diese es nicht verstehen. Nur selten trauen sich vereinzelt Besucher zu den Beamten und beginnen ein Gespräch mit ihnen.

Ein häufiges Thema: der Einsatzgürtel. Dieser sieht zwar gefährlich aus, beinhaltet aber bei jedem Einsatz dasselbe. Egal ob auf einem Fest oder einer Demo: Schlagstock, Pfefferspray, Pistole, Handschellen, Handschuhe und eine Taschenlampe. Komplettiert wird das "Festoutfit" der BePo durch die Schutzkleidung, Einsatzschuhe und eine Kopfbedeckung - egal bei welchem Wetter.

Ab und zu trauen sich auch Jugendliche nach dem Beruf des Polizisten zu fragen - und wenn sie dann im Gespräch sind, stellt sich schnell heraus, dass das Interesse groß ist.

"Polizist ist mein Traumjob"

Jürgen Stadter lächelt: "So ein Einsatz bietet natürlich neben der Sicherheitskomponente auch die Möglichkeit, Nachwuchs zu rekrutieren." Und während einem Gespräch spricht Christian K. es klar aus: "Wir haben bei der BePo natürlich oft blöde Arbeitszeiten, man muss flexibel sein und kann keinen Dienstschluss planen, aber es ist mein Traumjob."

Aufgaben Die Bereitschaftspolizei (BePo) bekleidet zwei Aufgaben. Zum einen werden Polizeianwärter ausgebildet. Zum anderen werden fertig ausgebildete Polizisten dort während ihrer ersten Jahren in Hundertschaften in zu besonderen Anlässen, wie zum Beispiel die Bierwoche oder die Wiesn, geschickt, um dort für erhöhtes Polizeiaufgebot zu sorgen.

Standorte Das Präsidium der BePo hat seinen bayernweiten Sitz in Bamberg. Von dort aus werden alle Einsätze koordiniert. Abteilungen der BePo sitzen in München, Königsbrunn, Dachau, Würzburg und Nürnberg. Hinzu kommen die Standorte Sulzbach-Rosenberg und Eichstätt, die als Ausbildungsstandorte fungieren.
Nähere Informationen auf www.polizei.bayern.de/bepo