Höhenangst darf Regine Leuschner in diesen Tagen nicht haben. Sie klettert die Metallleiter drei Meter empor und hängt einen roten Stern in die Zweige der siebeneinhalb Meter hohen Tanne. Um sie herum ist es ganz ruhig.
Eine Helferin fädelt kleine Aufhänger an die Sterne. Das spärliche Sonnenlicht scheint durch die großen Fenster auf den Boden der Petrikirche. Die 280 Lichter an den Weihnachtsbäumen funkeln. Es riecht nach frischen Tannenzweigen - besinnlich? Regine Leuschner kann diese Atmosphäre noch nicht genießen.

Seit drei Wochen ist die Mesnerin fast täglich in der Petrikirche, um alles für den Heiligabend zu dekorieren. "So richtig zur Ruhe komme ich erst am Mittag des ersten Weihnachtsfeiertags", erklärt die 47-Jährige. Seit zehn Jahren ist sie die letzte, die die Kirche am Heiligabend verlässt. Diesen Moment genießt sie sehr.

"Die Leute gehen nochmal zur Krippe, unterhalten sich beim Rausgehen, und ich lösche die Kerzen." Zwar sind die meisten festlichen Lichter elektrisch, doch auf den Sitzbänken stehen noch echte Kerzen, die vor dem Gottesdienst angezündet werden. Leuschner mag das natürliche Licht. Echte Kerzen an den Bäumen seien aber zu gefährlich und arbeitsintensiv.


Nicht sparsam an Weihnachten

Immerhin stehen in der Petrikirche zehn Bäume - und die brauchen schon Pflege.
Eine Woche lang hat Leuschner zusammen mit ehrenamtlichen Helfern die Bäume aufgestellt und dekoriert. Vor zehn Jahren fragte sie schon einmal beim Dekan nach, ob nicht auch einer genüge. "An Weihnachten wird nicht gespart", bestimmte er. Leuschner teilt seine Meinung mittlerweile. "Die Menschen kommen an Weihnachten zur Basis zurück", erklärt sie und schmückt die vielen Bäume in der Kirche gern. Zwei von ihnen sind besonders prominent platziert. Sie stehen rechts und links neben dem Altar. "Die Mitte muss die Mitte bleiben", sagt Leuschner.


Diesmal sind es Tannen

Jedes Jahr versucht sie, zwei fast identische Bäume auszuwählen. Das klappt nicht immer. Einmal musste deshalb ein Baum ausgetauscht werden. In den Jahren zuvor wählte Leuschner immer Fichten aus, diesmal sind es Tannen aus dem Frankenwald - und die Mesnerin ist begeistert. Der Baum, der links neben dem Altar steht, ist von fast allen Teilen der Kirche zu sehen.. "Der Baum ist so schön, den sollte man eigentlich gar nicht schmücken."

Die beiden vorderen Bäume dekorierte Leuschner mit roten selbstgebastelten Sternen. "Die sind vor sechs Jahren an zwei Nachmittagen entstanden", erzählt sie.

Jedes Jahr bastelt Leuschner noch Dekoration nach. Früher waren die Sterne golden wie an den anderen Bäumen. "Die Bäume vorne sind etwas Besonderes. Ich wollte einen Farbtupfer."


Jeder soll sich wohlfühlen

Leuschner kümmert sich auch noch um den Weihnachtsstern, der an die Decke der Kirche gehängt wird, und um Weihnachtsgestecke, den Adventskranz und natürlich die Krippe.

Diese ist Schätzungen des Pfarrers zufolge rund 130 Jahre alt. Sie wurde vor einigen Jahren durch eine getöpferte Krippe ersetzt. Leuschner erinnert sich noch an den Heiligabend vor ein paar Jahren.

Eine ältere Frau, die mittlerweile verstorben ist, wünschte sich die alte Krippe zurück und die Mesnerin gab ihr das Versprechen. "Jeder, der kommt, soll sich wohlfühlen", sagt Leuschner. Deshalb gibt sie sich mit der Dekoration viel Mühe - und die alte Krippe steht an ihrem Platz.