Für die Zweit- und Drittklässler der Volksschule Kasendorf stand kürzlich "Samurai-Massage" auf dem Stundenplan. Die Idee dahinter: Durch das Berühren von Schultern, Rücken, Kopf, Armen oder Händen werden bestimmte Punkte im Körper aktiviert. So soll nach der Shiatsu-Lehre die Konzentration gefördert und das Immunsystem gestärkt werden.

Die Kunst am Schwert

Weil Samurai an die japanische Kampfkunst mit Schwertern denken lässt, überraschten Schulleiterin Andrea Hofmann und die Shiatsu-Veranstalterinnen Rosalinde Schneider und Beate Fößel die Kinder bei der Abschlussveranstaltung: Trainer Holger Wolfrum vom Aikido-Verband Kulmbach führte Samurai-Übungen vor. Aikido ist eine defensive Kampfkunst, bei der es darum geht, den Gegner zu führen und ihn zur Selbstverteidigung am Boden zu fixieren, so Wolfrum über dieses harmonische Spiel der Kräfte.

Entstanden ist das Shiatsu-Projekt an der Kasendorfer Schule aus dem Elternkreis. Die Mutter eines Schülers lernte die Technik bei der Kulmbacher Shiatsu-Praktikerin und Heilpädagogin Rosalinde Schneider kennen. Zusammen mit der Shen-Shiatsu-Praktikerin Beate Fößel begeisterte Schneider die Schüler im Rahmen von drei Unterrichtsstunden ehrenamtlich mit dem Samurai-Projekt. "Die Kinder arbeiten miteinander. Vor jeder Übung fragen sie sich gegenseitig, ob sie sich berühren dürfen. Dadurch entsteht ein achtsames Gefühl füreinander. Das soll in den Schulalltag übertragen werden", betont Schneider.

Sonne auf dem Rücken

Eine Shiatsu-Übung ist zum Beispiel "Das Wappen auf der Samurai-Rüstung". Dabei wird mit dem Finger ein Kreis auf den Rücken des Partners gezeichnet, den man immer größer werden lässt, bis er einer Sonne ähnelt. Die Sonne wird dann mit den Fingern nachgefahren, und die fiktiven Sonnenstrahlen werden über den ganzen Rücken gezogen. Die Übung regt nach der Shiatsu-Lehre die Sinnes systeme an, verbessert die Konzentrationsfähigkeit und unterstützt eine gesunde Haltung.

Geeignet ist das Praxisprogramm laut Fößel für Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren. Gestartet wird mit einem Informationsabend für die Eltern und einer Lehrerfortbildung. Im Anschluss bringen sich Schneider und Fößel ehrenamtlich in den Klassen ein.

Kleine Griffe im Schulalltag

"In drei aufeinander folgenden Wochen besuchen wir die Schüler jeweils für eine Schulstunde, um ihnen das Shiatsu-Programm beizubringen", erläutert Schneider. Danach können die Kinder das Gelernte in den Schulalltag übertragen. Drücken an den Ohrläppchen, das Umfassen des Handgelenks oder das Berühren der Schultern nutzen die Kinder zum Beispiel vor Proben oder während einer Schulstunde. Angewendet werden die Übungen ebenfalls im Hort der Kasendorfer Schule - ob zur Konzentration bei den Hausaufgaben oder um nach einem Streit zur Ruhe zu kommen.

"Uns ist wichtig, dass man den Horizont erweitert und alle Möglichkeiten nutzt, die den Kindern bei der Konzentration und beim Umgang miteinander helfen. Dafür ist uns jeder Weg wertvoll", beschreibt Schulleiterin Hofmann die Umsetzung des Shiatsu-Projektes.



Was ist Shiatsu und wie wirkt es?

Ursprung
Das Wissen um Shiatsu als "Kunst der gezielten Berührung" kommt aus Japan und ist verwurzelt mit der Traditionellen Chinesischen Medizin, die auf dem Energiesystem der Meridiane (körpereigene Energiebahnen) beruht. Shiatsu (zu deutsch: "Fingerdruck") bezeichnet eine in Japan entwickelte Form der Körpertherapie, die aus der chinesischen Massage "Tuina" hervorging.

Behandlung Die Behandlungsweise im Shiatsu ist einfühlsam und geht individuell auf die aktuelle Lebenssituation des Gegenübers ein. Behandelt wird mit einem bestimmten Druck, der in der Tiefe ankommen soll. Hinzu kommen sanfte Dehnübungen und Rotationen der Gelenke. Eine Shiatsu-Sitzung dauert rund 60 Minuten. Neben Einzelbehandlungen werden auch Kurse angeboten.

Wirkung Shiatsu kann das Bewusstsein von Körper, Seele und Geist anregen und dazu beitragen, diese Anteile als unteilbares Ganzes miteinander zu verbinden. So sollen Ressourcen zur Stärkung der eigenen Gesundheit geweckt und das vegetative Nervensystem ausbalanciert werden, um einen Ausgleich zwischen Entspannung und Konzentration zu schaffen.