Dieser Tage musste ich mal wieder an die Firmenphilosophie meines früheren Chefs denken. Wie sagte doch Verleger Horst Uhlemann immer, wenn er wieder irgend eine topmoderne Maschine aus den USA an Land gezogen hatte? "Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit."

Naja. In vielen Bereichen des Lebens mag das stimmen. Doch ob man alles nachmachen muss, was in anderen Ecken dieser Welt losgetreten wird? Seit geraumer Zeit gibt es eine neue Spezies Mensch, den Selfie. Der fertigt laut Wikipedia mit seinem Smartphone "eine Art Selbstporträt, oft auf Armeslänge aus der eigenen Hand aufgenommen", um es anschließend in soziale Netzwerke wie Facebook oder Instagram einzustellen. Die ganze Welt soll ja mitkriegen, wo man gerade ist und was man gerade tut.

Neulich lag ich am Strand von Positano, als eine asiatische Reisegruppe ein Ausflugsschiff verließ. Zuerst dachte ich erstaunt, die Leute aus Fernost hätten Besen dabei. Weit gefehlt, sie hatten ihr Handy an einer Stange befes tigt, um sich selbst zu fotografieren. Von der Schönheit der Umgebung kriegten die gar nichts mit. Irgendwie gruselig. Ein Pärchen ließ sogar eine Drohne steigen (kommt Drohne eigentlich von dröhnen?), um die besonderen Blickwinkel einzufangen.

Doch Vorsicht: Selfies fristen ein ziemlich gefährliches Dasein. Mal stürzen sie beim Rückwärtsaufen über eine Klippe, mal rasen sie nach Ausübung ihres Hobbys am Steuer gegen den nächsten Baum. Tja, "wer mit der Zeit geht, geht manchmal viel zu früh".