Viele Patienten der Augenarztpraxis Stein und Ganzera sind schon durch diese schöne alte Haustür gegangen, nur wenige haben vermutlich ihren Blick auf das kunstvoll gestaltete schmiedeeiserne Gitter gerichtet. Auf einem oval geformten Mittelteil sind in kupferner Farbe die Buchstaben FH dargestellt.

Hier hat sich kein Geringerer als der Besitzer der Kulmbacher Spinnerei, Fritz Hornschuch, verewigt. Dabei war gar nicht er der Bauherr dieses 1880/81 entstandenen Gebäudes, sondern Michael Täffner (1834 - 1900), der Gründer und Direktor der EKU-Brauerei.

Kronprinzen schmeckte das Bier

Täffner baute hier am Ende der Bahnhofstraße seine Villa und errichtete entlang des Kressensteins eine schöne schmiedeeiserne Einfriedung seines Grundstücks. Dieses zog sich bis zur heutigen Kinotreppe und weiter bis zur Motschengasse/Zwitschengasse, der heutigen Karl-Jung-Straße, hin. Im Bereich des Kindergartens befand sich die Gärtnerei mit Gewächshaus.

Auch hoher Besuch übernachtete im Haus Kressenstein 17. Vom 22. auf den 23. Mai 1892 war es Prinz Ludwig und vom 6. bis 9. August 1897 Prinz Rupprecht von Bayern. Mit hochwohlgeborenen Herrschaften kannte sich Michael Täffner vortrefflich aus. So reichte er am 14. September 1873 dem Kronprinzen des Deutschen Reichs, Friedrich Wilhelm, dem späteren 99-Tage-Kaiser Friedrich III., am Keller zur Plassenburg einen Ehrentrunk besten Kulmbacher Bieres. Der schmeckte der Kaiserlichen Hoheit so gut, dass sie den Krug in einem Zug fast ausleerte.

Michael Täffner verstarb im Jahr 1900, sein Grab befindet sich im Alten Friedhof in Kulmbach. Nach dem Tod von dessen Ehefrau Friederike erwarb 1918 Fritz Hornschuch das Gebäude samt des riesigen Areals. Neben einigen baulichen Veränderungen am Haus war ihm eine Umfriedungsmauer um das gesamte Grundstück besonders wichtig. Die 1921 von ihm geplante hohe Mauer zum Kressenstein hin veranlasste sogar den Stadtrat, die Genehmigung zu verweigern. Aber nach kleinen Änderungen gab der schließlich doch seine Zustimmung.

Hinter hohen Mauern

1931 folgte dann noch die Einfriedung des restlichen Grundstücks in Richtung Südosten. Vielen Kulmbachern dürfte die hohe Mauer entlang der Karl-Jung- Straße noch in Erinnerung sein.

1925 wurde die Villa "Hornschuchhöhe" fertiggestellt. Der Spinnereibesitzer zog im November des gleichen Jahres mit seiner frisch angetrauten Ehefrau Wilhelmine Charlotte Reidl (sie war seine Prokuristin) dort ein. Auch das Gelände der Hornschuchhöhe wurde mit einer ähnlichen, zwei Meter hohen Mauer umgeben.

Nach dem Umzug von Fritz Hornschuch wurden im Kressenstein 1930 die Reichsbank (die spätere Landeszentralbank) und 1936 das Kino errichtet.

Fritz Hornschuch verstarb am 16. April 1955 im Alter von 81 Jahren in der Hornschuchhöhe und wurde am 20. April im Familiengrab in Fürth beerdigt. Sein Neffe Ludwig Oswalt leitete die Spinnerei weiter, aber die allgemeine Textilkrise führte schließlich zum Scheitern. Der Betrieb wurde 1994 von Kulmbach in das Zweigwerk nach Mainleus verlagert.

Einkaufszentrum mit berühmtem Namen

An der Stelle der Spinnerei befindet sich seit 1999 das Einkaufszentrum "Fritz". Die Bezeichnung soll an den einst größten Arbeitgeber der Region, Fritz Hornschuch, erinnern. Auch die Straße, die vom Bahnhof aus auf seinen früheren Wohnsitz zu führt, trägt seinen Namen. Ein Teil der ehemaligen Spinnereigebäude wird für Kulmbachs Zukunft große Bedeutung bekommen.

Das Lebenswerk Fritz Hornschuchs wird nach einigen Umbauten für eine neue Fakultät der Universität Bayreuth mit Standort in der Bierstadt genutzt werden.

Der erste Bachelorstudiengang wird Lebensmittel- und Gesundheitswissenschaften heißen, der erste Masterstudiengang Food Quality and Safety (Lebensmittelqualität und -sicherheit).