Die Nachricht verbreitete sich am Wochenende wie ein Lauffeuer in Kulmbach. Das Traditions-Autohaus Seidler mit Opel- und Chevrolet-Vertretungen in Kulmbach und Altenkunstadt ist insolvent. Wie am Samstag offiziell bekannt wurde, musste Geschäftsführer Matthias Seidler am vergangenen Dienstag beim Bayreuther Amtsgericht Insolvenzantrag für die Seidler OHG stellen. Dies bestätigte er am Wochenende in einer Pressemitteilung mit der optimistischen Überschrift "Familienunternehmen wird fortgeführt" und gibt damit gleich die Zielvorgabe für das laufende Insolvenzverfahren aus: Oberste Priorität haben die Sanierung und der Erhalt des traditionsreichen Unternehmens, wie Matthias Seidler am heutigen Sonntag auch im Gespräch mit der Bayerischen Rundschau betonte. "Die Sanierung ist mit Sicherheit möglich, wie es geht, wird sich in den nächsten Wochen zeigen."


Mitarbeiter sind solidarisch

29 Mitarbeiter hat das Autohaus Seidler aktuell an seinen beiden Standorten. Sie wurden von Geschäftsführer Matthias Seidler am Freitag in einer Betriebsversammlung über die schwierige Lage informiert und haben ihre Unterstützung für den Sanierungsweg zugesagt. Matthias Seidler betonte heute außerdem: "Für die Kunden des Autohauses Seidler wird der Geschäftsbetrieb in der bisherigen hohen Qualität fortgesetzt."


GM-Krise als Grund

Als Grund für die Schieflage des Autohauses, das 2011 immerhin sein 40-jähriges Bestehen feiern konnte und in all den Jahren mehrfach von der Opel AG für seine Werkstatt- und Service-Leistungen ausgezeichnet wurde, nennt Matthias Seidler in der Pressemitteilung die Krise von General Motors und die "damit einhergehende Änderung der Märkte". Der Geschäftsbetrieb des Kulmbacher Opel-Vertragshändlers sei jedoch immer stabil gewesen. Dennoch seien finanzielle Schäden eingetreten, die nicht kurzfristig zu beseitigen seien. Und so habe man sich zur Einleitung eines Sanierungsverfahrens entschlossen.

Zusammen mit dem hauseigenen Rechtsanwalt Alexander Saueracker aus Nürnberg habe man sich bewusst für einen offenen Dialog mit den Gläubigern entschieden.

Auf Vorschlag des Gläubigerausschusses wurde nun vom Amtsgericht Bayreuth der ausgesprochene Sanierungsexperte und Rechtsanwalt Tobias Rußwurm aus Bayreuth zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. "Er will auf keinen Fall eine Zerschlagung, sondern die Sanierung des Unternehmens", so Seidler gestern. Rußwurm wird sich jetzt 14 Tage lang einen Überblick über die Situation verschaffen und dann konkrete Sanierungspläne entwerfen. Wird es Kündigungen geben, ein Standort geschlossen? "Dazu kann man jetzt noch nichts sagen, in drei Monaten wissen wir mehr", so Matthias Seidler. Er betont jedoch: "Der Geschäftsbetrieb wird an allen Standorten ohne Unterbrechung und Einschränkung fortgesetzt."

Die Firmengeschichte des Autohauses Seidler

1971
Gründung der Firma durch Kfz-Meister Hermann Seidler gemeinsam mit seiner Ehefrau Monika. Sie übernahmen die erste SB-Tankstelle und Waschstrasse in Kulmbach und Umgebung. Wenige Jahre später erweiterten sie ihr Angebot und eröffneten ein Reifencenter.

1984 Neubau der Service-Werkstatt mit Unfall-Instandsetzung in Kulmbach, Kronacher Straße 8. Kurz darauf bekamen sie einen Vertrag mit der Opel AG als Euro-Service.

1992 Sohn Matthias Seidler bestand 1992 seine Meisterprüfung; ein Jahr später schloss er seine Ausbildung zum Betriebswirt des Kraftfahrzeuggewerbes ab.

1994 Erwerb des Autohauses Burger. Seidler wird Vertragshändler der Opel AG.

1998 Eröffnung des neuen Autohauses in der Albert-Ruckdeschel-Straße 6. 35 Beschäftigte, darunter fünf Auszubildende.

2001 Eröffnung des Autohauses in Altenkunstadt.

2004 Eröffnung des Autohauses für die Marke Daewoo, jetzt Chevrolet

2010 25 Jahre Opel Vertragshändler in Kulmbach

2011 40 Jahre Seidler Kulmbach, 10 Jahre Altenkunstadt

2012 Auszeichnung im "top 101% Werkstatttest" für sehr gute Leistungen durch die Opel AG red